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Berlin: Ehemaliges Stasi-Gefängnis wird Museum

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Wieder Führungen durchs Stasi-Haftkrankenhaus

16.05.2011, 13:04 Uhr | dapd, dpa-AFX

Berlin: Ehemaliges Stasi-Gefängnis wird Museum. Wieder Führungen durchs Stasi-Haftkrankenhaus. (Foto: dpa)

Wieder Führungen durchs Stasi-Haftkrankenhaus. (Foto: dpa)

Die Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen wird ausgebaut. Und das frühere Stasi-Haftkrankenhaus in Hohenschönhausen ist ab sofort wieder für Besichtigungen geöffnet. Das Krankenhaus war bis Oktober 1990 in Betrieb. Seit 1992 steht es unter Denkmalschutz. Die lange geplanten Arbeiten sollen in der ersten Augustwoche beginnen. Das frühere zentrale Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit werde in seinem historischen Zustand erhalten, bekomme aber eine moderne Museums-Infrastruktur, sagte Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe der Nachrichtenagentur dpa. Schauen Sie sich die Gedenkstätte in unserer Foto-Show an.

Patienten unter Aufsicht

"Der Begriff Haftkrankenhaus ist etwas beschönigend, das war ein Krankenhausgefängnis", sagte Knabe. Häftlinge seien nicht etwa in ein normales Krankenhaus gebracht worden, sondern wären unter der Aufsicht von 30 Wachsoldaten, 30 medizinischen Fachkräften und mehrere Ärzten festgehalten worden. Zu sehen sind neben den alten Zellen die "Tigerkäfig" genannten Höfe für Freigänge, ein Labor, der ehemalige Operationssaal, ein früheres gynäkologisches Behandlungszimmer und ein früherer Zahnarztraum. Darüber hinaus werden original erhaltene Überwachungsräume und rekonstruierte Alarmanlagen gezeigt. In der Anstalt wurden Knabe zufolge verletzte Republikflüchtlinge behandelt. Ebenfalls eingeliefert wurden Häftlinge mit physischen, durch die Haft bedingten Krankheiten, aber auch Menschen mit Haftpsychosen. Darüber hinaus wurden in dem Krankenhaus Hungerstreikende zwangsernährt und die Folgen gescheiterter Selbstmordversuche in der Haft behandelt. Für Besucher war es erstmals zwischen 2008 und 2009 geöffnet. Führungen finden jeden Mittwoch um 13 Uhr oder nach Voranmeldung statt.

Komplette Anlage wird ausgebaut

Die komplette Anlage der Gedenkstätte wird umgebaut und erweitert. Eingerichtet werden soll bis Anfang 2013 auch eine Dauerausstellung zur Geschichte des Haftortes. Für das Projekt stellen Bund und Land insgesamt 16 Millionen Euro bereit, davon allein 3 Millionen Euro für die Ausstellung. Die Dauerschau werde Biografien und Erfahrungen der ehemaligen politischen Häftlinge ebenso beleuchten wie die Welt der Täter, sagte Knabe. Die Ausstellung solle Maßstäbe setzen bei der Vermittlung von DDR-Geschichte, unterstrich der Historiker. Daneben werde es weiter Führungen durch das Gefängnis mit seinen original erhaltenen Zellen und Verhörräumen geben. Frühere Häftlinge berichten dabei vom bedrückenden Haftalltag und erniedrigenden Bedingungen.

    Seit 1994 mehr als zwei Millionen Besucher

    In Hohenschönhausen waren auch DDR-Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley oder Jürgen Fuchs oder Ulrike Poppe eingesperrt. Seit Gründung der Gedenkstätte 1994 kamen mehr als zwei Millionen Besucher. 2010, dem 20. Jahr der Deutschen Einheit, interessierten sich mehr als 330.000 Besucher für die Gedenkstätte. Die Besucherzahlen sind von Jahr zu Jahr gestiegen. Die unter Denkmalschutz stehende Stätte wird über eine Stiftung von Bund und Land finanziert. In früheren Garagen des Stasi-Komplexes entstehen Film- und Seminarräume. Eingerichtet werden dort auch Foyer, Buchladen und ein Café. Parallel dazu wird im Erdgeschoss des früheren Hauptgebäudes die Halle für die Ausstellung vorbereitet. Künftig soll auch mehr Raum für Schüler-Projekttage sowie Lehrer-Weiterbildung zur Verfügung stehen.

    Gäste kommen ins Ausweichquartier

    Während der Bauzeit, deren letzte Etappe bis Oktober 2012 veranschlagt ist, werden Besucher im Ausweichquartier der Gedenkstätte in der Genslerstraße 13 zu den Führungen in Empfang genommen. Die Rundgänge durch den historischen Bereich seien weiter geplant, wie es hieß. Ursprünglich sollte die Dauerausstellung schon Ende dieses Jahres eröffnet werden. Die Planungen hatten sich aber um mehr als ein Jahr verzögert.

    Weitere Informationen

    www.stiftung-hsh.de

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