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Belgiens große Unbekannte

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Antwerpen  

Belgiens große Unbekannte

25.02.2009, 14:56 Uhr

Die Burg Steen in Antwerpen am Ufer der Schelde. (Foto: imago)Die Burg Steen in Antwerpen am Ufer der Schelde. (Foto: imago)

Die untergehende Sonne hat das Diamantenviertel von Antwerpen in ein rubinrotes Licht getaucht. Vor der Börse stehen schwarz gekleidete chassidische Juden mit ihren hohen, teils pelzverbrämten Hüten, unter denen sich die Korkenzieherlocken ringeln, und reden auf Jiddisch übers Geschäft. Antwerpen ist gerade mal eineinhalb Stunden von Aachen entfernt, doch Exotik liegt manchmal näher als man denkt. "Jerusalem an der Schelde" ist nur einer der vielen Namen für diese kaleidoskopische Stadt, die in jedem Viertel ein neues Gesicht offenbart. Erforschen Sie Antwerpen auch in unserer Foto-Serie.

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Antwerpen war früher das "Abbild der Welt"

Einst besaßen Köln oder Frankfurt/Main engere Verbindungen zu Antwerpen als zu Hamburg, Berlin oder München. Im 16. Jahrhundert waren nur London, Paris und Neapel größer als die Metropole von Flandern mit ihren mehr als 100 000 Einwohnern, und die deutschen Handelshäuser der Welser und Fugger steuerten von der Schelde aus ihre Geschäfte.  Antwerpen hatte damals den Beinamen "das Abbild der Welt", weil Spanier und Portugiesen in dieser bedeutendsten Handelsstadt Europas die Schätze der Alten und Neuen Welt zusammentrugen. Vom Reichtum der "Sinjoren", der Antwerpener Patrizier, zeugen noch das Rathaus und die Gildehäuser mit ihren Treppengiebeln und Goldskulpturen rund um den Marktplatz. Von dort aus kann man einfach losgehen und ohne Ziel durch die Altstadtgassen wandern.

Antwerpens verschwiegene Orte

Viele verschwiegene Orte wird man entdecken, Plätze mit fast mediterraner Atmosphäre wie den Hendrik Conscienceplein mit einer von Peter Paul Rubens ausgestatteten Barockkirche; die Alte Börse in der Hofstraat 15 mit ihren verwunschenen Bogengängen, in denen zur Zeit Luthers die Kaufleute handelten; oder den gewundenen Vlaeykensgang, eine mittelalterliche Stiege, in die nur noch das Glockenspiel der Liebfrauenkathedrale dringt. Zum Weltkulturerbe zählt das Plantin-Moretus-Museum, die erste Großdruckerei der Welt mit komplett erhaltener Ausstattung, eine Perle der Renaissance. Eine andere Zeitkapsel ist das Rubens-Haus, in dem der erfolgreichste Maler seiner Zeit residierte wie ein Fürst. Der in Siegen geborene und in Köln aufgewachsene Sohn flämischer Kriegsflüchtlinge wirkte auch als Friedensdiplomat und vermittelte im Dreißigjährigen Krieg und zwischen den Königen von England und Frankreich.

Das "zweite Goldene Zeitalter Antwerpens"

Wer aber nur Historie, nur Kirchen, nur Giebelhäuser will, der kann besser Flanderns Schönheiten Gent und Brügge besuchen. Anders als sie ist Antwerpen eine Großstadt, die zwar auch ein reiches kulturgeschichtliches Erbe besitzt, unter Belgiern und auch Niederländern aber vor allem als Einkaufs-, Szene- und Modestadt gefragt ist. Der britische "Time Out"-Führer spricht schon von einem "zweiten Goldenen Zeitalter Antwerpens". Nirgendwo in den Benelux- Ländern, auch nicht in Amsterdam oder Brüssel, sind die Ladenmieten so hoch wie auf Antwerpens Meir, der mondänen Einkaufsmeile mit ihren Warenhauspalästen aus der Belle Epoque. Heute sieht sich die gehobene Gesellschaft auf der Meir und in den angrenzenden Straßen nach Cocktailkleidern und Handtaschen um. "Die niederländische königliche Familie kommt lieber nach Antwerpen", sagt Touristenführer Rick Philips nicht ohne Stolz.

Eine der schönsten Kathedralen des Industriezeitalters

Sehenswert ist der 2007 wieder eröffnete Stadsfeestzaal, eine ehemaligen Veranstaltungshalle direkt an der Meir, die zu einer hippen Ladenpassage ausgebaut worden ist. Die Leopoldstraat mit ihren Antiquitätenläden atmet noch den Geist des Fin de Siècle - ebenso wie der Zoo mit seinen fantasievollen Tiergehegen aus dem 19. Jahrhundert. Der direkt daneben gelegene Hauptbahnhof, ein gewaltiger Kuppelbau von 1905, gilt als eine der schönsten Kathedralen des Industriezeitalters.      

Pralinen mit echtem Gold überzogen

Zwischen Bars und Delikatessengeschäften, Armani-, Versace- und Cartier-Läden locken wie überall in Belgien die Chocolatiers. Der neueste Schrei: Pralinen, die mit echtem Gold überzogen sind - denn "Gold ist essbar und gut verdaulich", wie die Verkäuferin versichert.
Besonderen Ruhm genießt der zu keiner Kette gehörende Chocolatier Burie (Korte Gasthuisstraat 3) im Flanierviertel Wilde Zee. Ein paar Häuser weiter (Korte Gasthuisstraat 31) bilden sich freitags und samstags lange Schlangen vor der Traditionsbäckerei Goossens. Den Tee wiederum nimmt man stilvoll im Foyer des überschwänglich dekorierten Bourla-Theaters (Komedieplaats 19) ein.

Antwerpen profitiert vom Völkergemisch

Belgien hat generell eine gute Küche, aber Antwerpen profitiert zusätzlich von seinem Völkergemisch. Obwohl die Stadt noch nicht mal eine halbe Million Einwohner zählt, sind dort 170 Nationen vertreten, kaum weniger als in New York oder London. Die auffallendste Gruppe bilden die 20.000 überwiegend orthodoxen Juden im Diamantenviertel mit seinen 1500 spezialisierten Firmen und vier Börsen. Antwerpen ist noch immer die weitaus bedeutendste Diamantenstadt der Welt. 85 Prozent aller Rohdiamanten und die Hälfte aller geschliffenen Diamanten werden an der Schelde verhandelt. Diese Branche macht acht Prozent des gesamten belgischen Exports aus.

Weitere Informationen

Reiseziel: Antwerpen ist die zweitgrößte Stadt Belgiens und liegt nahe der niederländischen Grenze am Meeresarm Westerschelde.

Anreise und Formalitäten: Von Aachen aus ist man mit dem Auto keine eineinhalb Stunden unterwegs. Per Zug muss man in Brüssel umsteigen, so dass die Anreise dann insgesamt etwas länger dauert.

Klima und Reisezeit: Mildes Seeklima. Ein Besuch lohnt zu jeder Jahreszeit. Im Sommer kann man draußen sitzen, dafür ist es dann deutlich voller.

Währung: Bezahlt wird mit dem Euro.

Touristen-Informationen:

Toerisme Antwerpen, Grote Markt 15B, B-2000 Antwerpen (Tel. von Deutschland: 0032/3/2320103, E-Mail: visit@antwerpen.be, Internet: www.visitantwerpen.be);

Tourismus Flandern-Brüssel, Cäcilienstraße 46, 50667 Köln (Tel.: 0221/270 97 70, E-Mail: Info@flandern.com, Internet: www.flandern.com).

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