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Andalusiens "Wilder Westen"

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Andalusiens "Wilder Westen"

20.06.2011, 10:44 Uhr | dpa-tmn

Andalusiens "Wilder Westen". Andalusiens "Wilder Westen". (Foto: Malcaminos/dpa/tmn)

Andalusiens "Wilder Westen". (Foto: Malcaminos/dpa/tmn)

Sergio Leone, Steven Spielberg, Clint Eastwood, Sean Connery, Harrison Ford. Die Liste berühmter Regisseure und Schauspieler, die in der spanischen Tabernas-Wüste drehten, ist lang. Heute entdecken immer mehr Urlauber die wilde Landschaft der Wüste. Bewundern Sie Andalusiens Wilden Westen in unserer Foto-Show.

Erinnerungen an Cowboyfilme werden wach

Wo sind mein Pferd und mein Revolver? In der südspanischen Tabernas-Wüste bei Almería dürften sich das viele fragen. Der Blick auf die wilde Hügellandschaft, die von tiefen Schluchten durchzogen wird, erinnert an die Cowboy-Filme von damals. Der Wind weht ausgetrocknete Grasbüschel über die steppenartige Landschaft. Am liebsten möchte man sich hinter dem nächsten Felsen verstecken, um der Postkutsche aufzulauern oder aufs Pferd springen und über die Prärie preschen.

Bekannt aus Western-Klassikern

Die Erinnerungen an alte Wild-West-Streifen sind nicht unbegründet. Charles Bronson und Henry Fonda bekämpften sich hier in Sergio Leones Kult-Western "Spiel mir das Lied vom Tod". Pierre Brice war in "Winnetous Rückkehr" hier, Arnold Schwarzenegger als "Conan, der Barbar" - 3000 Sonnenstunden im Jahr und eine kaum berührte Naturlandschaft waren der Grund, warum über 270 Spielfilme im Desierto de Tabernas gedreht wurden. Jesus López war bei Dutzenden dabei.

    Erst prügeln, dann reden

    Bevor er über sein Leben als Stuntman erzählt, muss er seine Kollegen Alberto, Ricardo und Alejandro verprügeln - schließlich ist Jesus der Sheriff, und die anderen sind die Bösen. Den Ersten haut er mit der Faust um. Ricardo sinkt nach zwei ordentlichen Kopfnüssen im Saloon zu Boden, und Alejandro wird mit einem Tritt auf die staubige Straße befördert. Die Urlauber klatschen und fühlen sich, als wären sie gerade bei Dreharbeiten zu einem Western dabei gewesen. Jesus ist für seine 52 Jahre gut in Form. "Doch mit den Jahren wird es immer schwieriger. Ich verletze mich schneller", gibt der braungebrannte Spanier zu.

    Bud und Terence waren auch schon hier

    Jeden Tag führen er und die anderen Stuntmans in der Westernstadt Fort Bravo ihre Cowboy-Show vor. Fort Bravo kommt einem oft geradezu vertraut vor. Hier drehte Bully Herbig seine Western-Komödie "Der Schuh des Manitu". Hier hauten Bud Spencer und Terence Hill in "Vier Fäuste für ein Halleluja" zu. "Die glorreichen Sieben" ritten ebenfalls durch die Westernstadt.

    Ganze Städte als Filmkulisse

    Es war Sergio Leone, der Meister der sogenannten Spaghetti-Western, der neben Fort Bravo bereits in den 1970er Jahren gleich mehrere Filmstadtkulissen aufbauen ließ, die heute zu besichtigen sind. Saloon, Postkutschenstation, die Banken, Warenhäuser und Pferdeställe sehen noch genau so aus wie zu den Zeiten, als Charles Bronson und Clint Eastwood hier drehten. Vor allem in der Westernstadt Mini Hollywood im Erlebnispark Oasys drehte Leone gleich fünf seiner Kultfilme wie "Spiel mir das Lied vom Tod". Die Ranch aus dem Film kann heute noch in der dritten, als "Leone Ranch" bekannten Kulissenstadt, besucht werden. Damals gab es rund 14 solcher Westerndörfer. "Mann, waren das Zeiten hier in Almería", erinnert sich Jesus López. Charles Bronson und Clint Eastwood imponierten ihm besonders, obwohl er damals noch sehr jung war.

    Ein Galgen mitten in der Wüste

    "Erinnern Sie sich an den Jungen, der in 'Spiel mir das Lied vom Tod' seinen Vater am Galgen auf den Schultern trägt und von Henry Fonda die Harmonika in den Mund gesteckt bekommt?" fragt Jesus und zeigt auf sich. Der Galgen steht immer noch am Ortsrand von Fort Bravo. Auch in Steven Spielbergs "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" mit Sean Connery und Harrison Ford hat Jesus mitgespielt. "Das war schon beeindruckend", sagt er. Am besten hat er sich aber mit Terence Hill verstanden: "Der war witzig. Wir haben sogar Bier zusammen getrunken."

    Tabernas als günstige Alternative

    Warum so viele berühmte Regisseure vor allem Western- und Actionfilme hier in der Wüste ganz in der Nähe der südspanischen Mittelmeerküste bei Almería drehen wollten, wird am besten auf geführten Wanderungen und Jeeptouren deutlich. Das regionale Fremdenverkehrsamt hat sogar einen Reiseführer herausgegeben, der Besucher auf den Spuren berühmter Filme durch die Wüste leitet. "Tabernas ist der perfekte und kostengünstigere Film-Ersatz für die nordamerikanischen Wüsten", erklärt Cristina Serena von Malcamino's. Das Unternehmen hat sich neben der Produktion von Filmen auf thematische Führungen durch die Wüste spezialisiert.

    Der Orient in Almería

    Die Badlands von Almería ähneln aber auch Landschaften in Nordafrika und im Orient. So drehte Joseph Mankiewicz mit Liz Taylor hier Einstellungen für "Cleopatra", und Peter O'Toole stapfte in "Lawrence von Arabien" durch den Wüstensand. Bei einem seiner Massaker musste auch Jesus López als kleines Kind im Film sterben. Regisseur Stanley Kubrick fand in der Tabernas-Wüste sogar die perfekte Mondlandschaft für seinen Kult-Film "2001: Odyssee im Weltraum".

    Fotobeweis am Drehort

    Mit dem Jeep geht es durch ausgetrocknete Flussbetten und Steppenlandschaften, zu Fuß durch tiefe Schluchten. Mit Fotos berühmter Filmszenen beweist Cristina den Besuchern immer wieder, dass sie sich wirklich an Originaldrehorten befinden. Die Spanierin kennt viele Anekdoten von Dreharbeiten, immerhin hat sie bei zahlreichen neuen Filmen mitgeholfen. Sie erklärt aber auch die geologischen Eigenheiten, welche die Wüste nicht nur zum idealen Drehort machen, sondern auch zu einem Paradies für Wanderer und Naturfreunde. Sie ist mit 280 Quadratkilometern im Vergleich zur Sahara zwar winzig und hat auch keine großen Sanddünen. Dennoch ist die bizarre Welt aus Stein und Lehm beeindruckend. Kahle Hügel und ein durchfurchter Boden prägen die trockenste Region Europas. Die Temperaturen erreichen im Sommer regelmäßig 50 Grad.

    Früher befand sich die Wüste auf dem Meeresgrund

    Auf Wanderungen entdeckt man immer wieder Muschel-Fossilien. Vor rund zwölf Millionen Jahren befand sich die heutige Wüste in rund 400 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund, erklärt der spanische Geologe Luis Delgado Castilla, der über 20 Jahre lang die Tabernas-Wüste erforschte. Zum Glück für die Filmemacher blieb die Region aufgrund der widrigen Lebensbedingungen lange von menschlichen Eingriffen verschont. Und so können heute Urlauber auf den Spuren von Indiana Jones eine eindrucksvolle Wildnis bewundern, bevor es zurück an die Strände am Cabo de Gata geht.

    Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt (Tel.: 0180/300 26 47 für 9 Cent/Minute, www.spain.info).

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