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Puerto Portals: Mallorcas edelster Yachthafen

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Mallorca  

Mallorcas edelster Yachthafen

08.09.2011, 16:18 Uhr | Helge Sobik, Spiegel Online, Spiegel Online

Puerto Portals: Mallorcas edelster Yachthafen. Wer in Puerto Portals einen Liegeplatz ergattert, hat nicht nur Glück, sondern auch Geld. (Quelle: imago)

Wer in Puerto Portals einen Liegeplatz ergattert, hat nicht nur Glück, sondern auch Geld. (Quelle: imago)

Treffpunkt der Hollywood-Stars und Ölmilliardäre: Viele der Yachtbesitzer, die in Puerto Portals auf Mallorca anlegen, gehören zur weltweiten A-Prominenz. Beliebt ist der Ort bei Paparazzi und Promi-Guckern - die müssen manchmal gut aufpassen, um besonders berühmte Besucher nicht zu übersehen. Sehen Sie Mallorcas edelsten Yachthafen auch in unserer Foto-Show.

Edel-Gaststätte serviert auch in der Yacht

Manchmal machen Gerhard Schwaigers Kellner ein paar Schritte mehr. Sie decken Tische außerhalb des Restaurants ein und balancieren dann auf ihren Tabletts Seewolf in Salzkruste mit Blattspinat und Ravioli mit Sóller-Gamba quer über die Promenade. Weil wieder jemand mit seiner 30-Meter-Yacht am Liegeplatz direkt vorm Sterne-Restaurant "Tristan" im Luxushafen Puerto Portals festgemacht hat, der sich an Bord bedienen lässt. Für Schwaiger, lange Zeit mit zwei Michelin-Sternen der höchstdekorierte Koch der Insel, und sein Team ist das normal. Manche Bootseigner ringen um den Liegeplatz direkt vor der Edel-Gaststätte mit dem hohen Promifaktor und dem besonderen Außer-Haus-Service. Wegen des Seewolfs, der Gamba-Ravioli, wegen Rebhuhn im Kartoffelmantel und Felsenrotbarbe mit Champagner-Fenchel. Und natürlich, weil alle schauen - sogar die Leute im eigentlichen Restaurant.

Das Klientel besitzt das nötige Kleingeld

Die hier übliche Klientel hat kein Problem damit, dass das achtgängige Gourmet-Tapas-Menü 157 Euro kostet und die mit Svarowski-Kristallen besetzte Dreiviertelliterflasche Mineralwasser mit mehr als achtzig Euro zu Buche schlägt. Und dass Hafenkapitän José Eraso im Sommer rund 350 Euro pro Nacht für den Liegeplatz eines 30-Meter-Bootes berechnet - plus Mehrwertsteuer. All das ist egal, Peanuts sozusagen, wenn das Schiff zehn Millionen gekostet hat - und wenn man es endlich geschafft hat, einen der begehrten Liegeplätze in Puerto Portals zu ergattern.

    Liegeplätze sind heiß begehrt

    Der edelste von Mallorcas 41 Yachthäfen, ungefähr auf halbem Weg zwischen Palma und Andratx an der Südwestküste gelegen, rangiert gleichauf mit Marbella und Monte Carlo, mit Saint-Tropez und Puerto Cervo. Die fast 700 Liegeplätze sind heiß begehrt und werden lange im Voraus gebucht. José Eraso tut trotzdem auch bei kurzfristigen Anfragen, was er kann - "erst recht bei langjährigen Freunden unseres Hafens", die es ausnahmsweise versäumt haben, sich rechtzeitig anzumelden. "Meistens", sagt er, "bekomme ich eine 40-Meter-Yacht immer noch irgendwo unter. Und gerade im Sommer ist viel Bewegung. Da sind viele unserer Kunden auf dem Wasser, ankern irgendwo zwischen den Inseln oder kreuzen vor der Küste Südfrankreichs."

    Mehr als 14.000 Liegenplätze auf Mallorca

    Tatsächlich lebt sein Geschäft davon, dass die Ganzjahresmieter im Sommer auf dem Mittelmeer kreuzen und auch mal länger in türkischen oder kroatischen Häfen festmachen. Dann kann er die freien Plätze in Puerto Portals an andere vergeben, die Wind, Wetter und Ferienlaune in balearische Gewässer geführt hat. Mehr als 14.000 Liegeplätze gibt es auf Mallorca: "Es sind genug Boote unterwegs für jeden Hafen auf der Insel. Alle kommen sie auf ihre Kosten. Und gleichzeitig findet jeder Eigner den idealen Liegeplatz für seine Bedürfnisse", befindet Eraso, dessen Büro in einem Turm mit bestem Blick über sein Hoheitsgebiet untergebracht ist - und dessen Papierkorb aus einem umgearbeiteten Mast-Segment von seinem letzten Transatlantik-Segelboot besteht.

    Reisebusfreie Zone

    Wie sich der breitschultrige Mann mit dem silbernen Schnurrbart und den goldenen Knöpfen am Sakko den Erfolg gerade seines Hafens erklärt? "Wahrscheinlich liegt das an der Lage abseits der Stadt, weit weg von lauten Hauptverkehrsstraßen und trotzdem in relativer Autobahnnähe. Dazu kommt das Ambiente mit guten Restaurants edlen Boutiquen - und die Tatsache, dass wir keine Busse aufs Gelände lassen." Der gebürtige Galicier begegnet seinen immer reichen und häufig prominenten Gästen auf Augenhöhe. Er selbst hat in die königliche Familie eingeheiratet und geht schon mal mit Juan Carlos segeln. Eraso hat seit einem Vierteljahrhundert wesentlich Anteil daran, dass sich gerade dieser Hafen zur edelsten Adresse Mallorcas für Bootsbesitzer entwickelt hat.

    Die Investoren wurden anfangs verspottet

    Dabei mussten sich die Puerto-Portals-Investoren Anfang der achtziger Jahre noch Spott gefallen lassen. Zu verwegen, sogar irrational erschien es vielen, ausgerechnet hier in einen Yachthafen zu investieren: zu weit abseits von Palma, in einer Gegend, wo die Orte klein sind, niemand den Urlaub verbringt, allenfalls ein paar Insel-Hauptstädter ihre Ferienhäuser haben und das Land billig ist. Das Blatt hat sich seitdem gründlich gewendet. Was er von Yachteignern hält, die gezielt nach dem Platz vorm "Tristan" fragen? Eraso zuckt mit den Schultern, als wollte er sagen: "Lasst sie doch, wenn sie meinen". Er schaut dann, was er tun kann.

    Ausnahmen für den König

    Sein eigenes Boot liegt weit abseits, er würde damit nie zum Abendessen fahren, will lieber nicht von Passanten bestaunt werden. Zehnmal hat er den Atlantik überquert, einmal die Welt auf einem Segelboot umrundet. Den Mann kann so leicht nichts aus der Bahn werfen. Die Mieter der Liegeplätze sind für ihn Kunden, denen er guten Service bieten möchte - ausdrücklich ohne Verbrüderung, ohne Begrüßungs-Küsschen und anschließenden Champagner-Empfang. Wird er zu Bord-Partys eingeladen, geht er nicht hin. Nur für den spanischen König macht er eine Ausnahme. Weil es sich dort so gehört. Ansonsten muss die nötige Distanz gewahrt werden: "Ich betrete möglichst kein fremdes Schiff", erklärt er und zieht mit einem Ruck das dunkelblaue Sakko zurecht.

    Woher das Reichtum kommt, ist egal

    Das "Tristan" aber betritt er durchaus. Ganz normal, als zahlender Gast. Aber wer die Leute an den Nachbartischen sind, wer die auf den Yachten direkt davor am Pier, wer überhaupt die Eigner in "seinem" Revier - das ist dem Hafenkapitän von Puerto Portals nicht so wichtig. Für ihn sind alle gleich - ob Hollywood-Star oder Öl-Milliardär aus Arabien, ob nordeuropäischer König oder zu Geld gekommener Internet-Start-up-Gründer aus Osteuropa. Ob jemand eine Fußballmannschaft mit Uefa-Cup-Klasse besitzt und tagtäglich durch internationale Klatsch-Gazetten geistert oder mit einer Fabrik für Dichtungsringe reich geworden ist, hat keinen Einfluss auf seine Gunst. Oder auf den Liegeplatz.

    Schwaiger ist bodenständig

    Ähnlich bodenständig begegnet "Tristan"-Küchenchef Gerhard Schwaiger seiner Klientel. Er hat keine Yacht, geht gerne Angeln, fährt in seiner Freizeit in die Berge und liebt es, selber in den beiden Markthallen von Palma einkaufen zu gehen. Für neue Gerichte auf der Jahr für Jahr wechselnden Speisekarte experimentiert er zu Hause - und grundsätzlich geht er in seinem Restaurant nicht von Tisch zu Tisch zum Händeschütteln. "Er geht nicht hinaus", sagt seine Assistentin, "aber die Gäste sind herzlich eingeladen, ihn in der Küche zu besuchen."

    Boote und Promis als Fotomotive

    Puerto Portals ist längst auch erste Wahl für Schaulustige, für Flaneure, sogar für Leute, die Steuerbord und Backbord nicht unterscheiden können, aber einen halben Urlaubstag lang maritime Atmosphäre aufsaugen und ein paar tolle Boote fotografieren möchten. Sie hoffen darauf, wenigstens ganz kurz auf irgendeinem Deck Antonio Banderas oder Melanie Griffith zu entdecken, Michael Douglas oder Catherine Zeta-Jones. Oder wenigstens auf der Landseite ein paar Fernseh-Ansagerinnen und Musik-Sternchen auf dem Laufsteg der Eitelkeiten zu entdecken. Deshalb ist der Ort auch erste Adresse für Paparazzi. "Die wissen meistens mehr als ich", gibt Eraso zu. "Die können sagen, wer an Bord ist, wem ein Boot wirklich gehört, das bei uns bloß auf einen Firmennamen eingetragen ist. Sie fotografieren Leute, die ich nicht erkennen würde."

    Ein besonderer Stammgast

    Einen übersehen sie trotzdem häufig: den älteren Herr mit Polohemd und Schirmmütze, der regelmäßig im "Flanigan" gleich gegenüber vom "Tristan" im Freien frühstückt, ehe er segeln geht. Erst bei genaueren Hinschauen fällt er auf - und nur deshalb, weil die Männer an den Nachbartischen ein bisschen stämmiger als üblich und mit ihren dunklen Sakkos irgendwie overdressed sind. Weil sie sehr coole Sonnenbrillen tragen und kleine Stöpsel im Ohr. Und weil sie ab und zu in ihre Uhr sprechen oder etwas in den eigenen Sakko-Kragen flüstern. Spaniens König Juan Carlos ist mit seinen Bodyguards Stammgast in Puerto Portals. Er ist Frühaufsteher: Wenn die meisten Flaneure kommen, wenn die übernächtigten Paparazzi endlich aus dem Bett steigen, ist er meist schon längst auf dem Wasser unterwegs.

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