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Streit in Paris: Brücken ächzen unter der Last der Liebesschlösser

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Streit in Paris  

Brücken ächzen unter der Last der Liebesschlösser

26.09.2013, 10:02 Uhr | Boniface Murutampunzi, AFP

Streit in Paris: Brücken ächzen unter der Last der Liebesschlösser. Bekanntes Ritual: Paare hängen ein Schloss als Zeichen ihrer unzertrennlichen Verbundenheit an die Pariser Brücke Pont des Arts. (Quelle: imago/Panoramic)

Bekanntes Ritual: Paare hängen ein Schloss als Zeichen ihrer unzertrennlichen Verbundenheit an die Pariser Brücke Pont des Arts. (Quelle: Panoramic/imago)

Eine schwere Last liegt auf der Stadt der Liebe. Genauer gesagt, auf den Brücken von Paris - allen voran dem Pont des Arts, jener Brücke, die das Louvre-Museum und das linke Seine-Ufer verbindet. Tausende "Liebesschlösser" hängen dort am Geländer und bringen die beliebte Fußgängerbrücke zum ächzen. Ein Paar nach dem nächsten schließt ein kleines Vorhängeschloss als Zeichen seiner Liebe an, seit diese Mode 2008 in Paris Einzug gehalten hat. Inzwischen wiegen die Liebesbeweise so schwer, dass manche Behörden Alarm schlagen. Welche Ausmaße das Ritual annimmt, sehen Sie auch in unserer Foto-Show. Wie würden Sie mit der Problematik umgehen? Stimmen Sie rechts ab!

"Das hat verrückte Ausmaße erreicht", beschwert sich der Bürgermeister des Viertels am Pont des Arts, Jean-Pierre Lecoq: "Wenn eines Tages ein Stück Brüstung mit mehreren Kilo Vorhängeschlössern dran einem Touristen auf einem Boot auf den Kopf fällt, könnte ihn das schwer verletzen oder ihn sogar töten." Unter den Brücken von Paris fahren täglich Touristenschiffe mit hunderten Besuchern die Seine auf und ab.

Abmontieren, verbieten oder Brücken verstärken?

Die Schiffsbetreiber sind zwar nicht beunruhigt wegen der Schlösser. "Wir gehen davon aus, dass sie kein Problem für die Schifffahrt sind", sagt Nicolas Bottilagine von einer Bootsfirma. Stadtteil-Bürgermeister Lecoq schlägt dennoch vor, die Schlösser "alle sechs Monate" zu entfernen. So könnten die Liebenden wieder und wieder nach Paris kommen und "wir hätten eine zufriedenstellendere und letztlich weniger gefährliche Lage". In manchen europäischen Städten, in denen die Mode ebenfalls verbreitet ist, werden "Liebesschlösser" regelmäßig abmontiert - oder sie sind gleich ganz verboten.

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Die Touristen auf dem Pont des Arts in Paris können das nicht verstehen. Manche von ihnen sind tausende Kilometer weit gereist, um ihre Liebe in der französischen Hauptstadt zu zelebrieren. Die Australierin Naomi Jameson hat gerade ein neues "Liebesschloss" ans Geländer gehängt. "Sie dürfen nicht abgenommen werden, das ist das Symbol der Liebe", sagt sie an der Seite ihres Freundes: "Man sollte eher die Brücke verstärken."

Strafe von 20 Euro angedroht

Auch Raj Nair aus Singapur befürchtet, das Entfernen der Schlösser würde "den Mythos zerstören". Und die Modestudentin Mathilde Gouloumes aus Paris spricht gar von "Ketzerei" - Paris sei "die Stadt der Liebe". Doch auch mancher Tourist sieht ein Problem in dem schweren Behang des Pont des Arts. Wenn das so weitergehe, sagt der Belgier Amand Buytaert, werde die Brücke eines Tages einstürzen. Außerdem seien die Schlösser "keine Garantie, dass die Ehe hält".

Seit kurzem hängen sogar offiziell anmutende Plakate neben den "Liebesschlössern", auf denen mit einer Strafe von 20 Euro gedroht wird. Doch von der Stadtverwaltung wurden die Aushänge nicht angebracht, wie Präfektur und Bürgermeister betonen.

Mittlerweile mangelt es an Platz

Das Entfernen aller Schlösser stehe überhaupt nicht zur Debatte, heißt es aus dem Pariser Rathaus. "Wir finden das eher sympathisch", versichert ein städtischer Mitarbeiter. Wenn tatsächlich festgestellt werde, dass es irgendwo wegen zu vieler Schlösser gefährlich werde, dann würden ein paar abgenommen. "Wir werden aber keine Brücke ganz von ihren Liebesschlössern befreien."

Mangels Platzes an der beliebtesten "Liebesschloss"-Brücke von Paris weichen viele Paare inzwischen bereits auf andere Stellen aus. Auf den vielen Brücken von Paris sowie an den Lampen und Geländern an den Ufern der Seine ist schließlich noch genug Platz. Wer aber fest an den Liebesmythos des Pont des Arts glaubt, der lässt sich nicht abhalten: Manche Paare schließen daher ihr "Liebesschloss" einfach an bereits festgemachte Vorhängeschlösser auf dem Pont des Arts an - und verdoppeln damit die Last.

Liebesschlösser auch in Deutschland

Die Tradition der Liebesschlösser hat auch in einigen deutschen Städten Eingang gefunden. Als einer der ersten Orte, die auf diese Art verziert wurden, gilt die Hohenzollernbrücke in Köln. Auch dort fand der Brauch etwa 2008 seinen Anfang, auch dort meldete die Bahn zunächst Bedenken an, lenkte dann jedoch ein. Ein Bahnsprecher sagte gegenüber t-online.de man schätze das momentane Gewicht der Schlösser auf 2,5 Tonnen, Probleme gebe es dadurch nicht. Entfernt würden Schlösser in der Regel nicht, es sei denn, sie würden in den Fußgängerweg oder in die Gleiswege ragen. Auf der offiziellen Website der Stadt Köln wird mit dem romantischen Brauch sogar geworben.

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