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Segel-Kreuzfahrtschiff "Star Flyer"

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Kreuzfahrt-Abenteuer in der Karibik

22.06.2012, 09:31 Uhr | Franz Neumeier/srt, srt

Segel-Kreuzfahrtschiff "Star Flyer". Die "Star Flyer" ist eines von nur wenigen Kreuzfahrtschiffen weltweit, das unter Segeln fährt. (Quelle: srt (18.06.2012/Franz Neumeier))

Die "Star Flyer" ist eines von nur wenigen Kreuzfahrtschiffen weltweit, das unter Segeln fährt. (Quelle: srt (18.06.2012/Franz Neumeier))

Die Seile knarzen und ächzen. Ein durchdrehendes Tau quietscht an der Winde, bis der Matrose es fest anpackt und das Segel nach oben zieht. Erst zupft nur ein sanftes Lüftchen am Segel, dann rüttelt ein Luftzug ungeduldig am Segeltuch, und schließlich bläst der Wind mächtig hinein, spannt die Seile straff und bläht das Tuch auf. Begleiten Sie uns auf eine Reise mit dem Segel-Kreuzfahrtschiff "Star Flyer".

Foto-Serie mit 5 Bildern

Plötzlich flattert eines der Vorsegel laut im Wind. Ein kurzer Befehl von Kapitän Klaus Müller, schon sind fünf Matrosen zur Stelle und zähmen das Segel, das sich ein paar Momente lang wie ein wilder Mustang aufbäumt, Seile durch die Luft peitschen lässt, ein Block fast wie ein Geschoss an einem lockeren Seil hin und her schießt. Doch ein paar geübte Handgriffe später strafft sich das Segel schon wieder im Wind, als wäre nichts gewesen. "Segelflüsterer" wäre eine passende Berufsbezeichnung für die Matrosen der "Star Flyer", dem mit 63 Metern höchsten Großsegler der Weltmeere.

Die "Star Flyer" ist eines von nur wenigen Kreuzfahrtschiffen weltweit, das unter Segeln fährt. Zumindest wenn der Wind mitspielt, ansonsten springt der Hilfsmotor ein. Aber Kreuzfahrtschiff beschreibt die Barkentine, wie es seemännisch korrekt heißt, nur unzureichend. Denn mit den modernen Kreuzfahrt-Giganten hat die "Star Flyer" nur wenig gemeinsam. >>

Auf dem offenen Hauptdeck bläst den 170 Passagieren salzige Seeluft um die Nase. Bei stärkerem Seegang fliegt auch schon mal ein Schwall Gischt übers Deck - in der schwülen Hitze der Karibik durchaus eine willkommene Erfrischung.

Unzählige Seile wehen zwischen den Masten und Segeln im Wind. Insgesamt rund elf Kilometer lang, hat Kapitän Klaus Müller einmal ausgerechnet. Die großen, weißen Segel zaubern vor allem im warmen Morgen- und Abendlicht eine unvergleichlich romantische Stimmung auf die Decks.

Wer sich traut, der klettert gut gesichert ins Krähennest hinauf und lässt von dort den Blick über das türkis- bis dunkelblaue Wasser der Karibik schweifen. >>

Etwas weniger abenteuerlustige Segelfans legen sich entspannt in das Netz neben dem Bugspriet und genießen die Fahrt vom vielleicht schönsten Platz, den man sich auf einem Schiff nur vorstellen kann: nur ein paar Meter über dem Wasser schwebend, direkt vor dem Bug, der bei flotter Fahrt die Wellen teilt.

Kein Vergleich ist das zu den glasverkleideten Pooldecks großer Kreuzfahrtschiffe mit möglichst wenig Kontakt zu Wind und Meer und ohne Chance, das Meer hautnah zu genießen. Bingo, Bauchplatscher-Wettbewerb und kostümierte Karneval-Paraden sucht man an Bord des Großseglers ebenso vergeblich wie Shoppingmall, 4D-Kino oder Formel-1-Simulator. Selbst ein Captain's Dinner in dunklem Anzug und Abendkleid würde kaum zum maritimen Flair des Segelschiffs passen. Wozu auch? Der Kapitän isst im Restaurant ohnehin fast immer gemeinsam mit seinen Passagieren. Selbst auf der zu den meisten Zeiten frei zugänglichen Brücke nimmt er sich Zeit für ein kleines Schwätzchen und ein wenig Seemannsgarn.

Am Horizont taucht eine Insel auf, dann noch eine - wie auf einer Postkarte sehen sie aus, mit strahlend weißem Sand, ein paar Palmen, rundherum das tiefe türkisgrün der Sandbänke. 365 Inseln, so viele wie ein normales Jahr Tage hat, soll das Karibik-Archipel San Blas vor Panama umfassen, aber vielleicht sind es auch ein paar mehr.

Urlaub fernab vom Massentourismus

Die "Star Flyer" wirft ihren Anker genau zwischen zwei dieser Inseln. Die eine ist das klassische Robinson-Paradies mit Strand, Korallenriff zum Schnorcheln und der Postkarten-Palme, die malerisch am Strand fast waagrecht über dem Wasser zu schweben scheint. Die einheimischen Kuna-Indianer sind freundlich und geschäftstüchtig: Von der Reederei wird eine Strandnutzungsgebühr kassiert, und wer einen Kuna fotografieren möchte, der sollte etwas Kleingeld bereithalten. Standard-Fotohonorar: ein US-Dollar. Die zweite der Inseln, die wir besuchen, macht den Eindruck, als würde sie jeden Moment unter der Last der Bebauung versinken. Die Hütten des Kuna-Dorfes stehen dicht gedrängt, aber ein halbwegs fester Pier ragt ins Wasser und deutet an, dass Touristen willkommen sind.

Die Reise auf der "Star Flyer" unterscheidet sich schon sehr von einer normalen Kreuzfahrt, denn die Reisenden tauchen hier in eine ganz andere Welt ein, fernab von Massentourismus. Keine Spur von glattgekämmter Touristen-Scheinwelt, keine Spur von den sonst allgegenwärtigen Diamanten-Shops. Stattdessen verkaufen die Frauen die für die Kuna-Kultur typischen bunten Patchwork-Nähereien, oft mit heimischen Tieren wie Papageien oder Fischen als Motiv. Kinder sitzen am Wegrand, mit Vögeln oder kleinen Kätzchen am Arm, in der Hoffnung, ein paar Dollar von fotografierenden Touristen ergattern.

Die San-Blas-Inseln und ähnliche, ungewöhnliche Orte abseits der großen Touristenströme, das hautnahe Seefahrt-Erlebnis eines Segelschiffs und die ungezwungene, beinahe familiäre Atmosphäre an Bord sind es, was Großsegler-Fans zu schätzen wissen. Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass bereits leichter Seegang ihnen gewisse Seefestigkeit abverlangt und eine Segelreise wegen der stets wechselnden Winde nicht immer ganz nach Plan verläuft. Das macht eine Seereise auf der "Star Flyer" zu einem kleinen Abenteuer - und zur perfekten Kreuzfahrt für Leute, die mit gewöhnlichen Kreuzfahrtschiffen eigentlich gar nichts am Hut haben.

Bilder der "Star Flyer" sehen Sie in unserer Foto-Show.

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