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Städtetrip nach Graz

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Städtetrip Graz: Käferbohne trifft auf Weltarchitektur

12.07.2012, 15:55 Uhr | Heidi Siefert/srt, srt

Städtetrip nach Graz. Blick vom Schlossberg in Graz mit Murinsel und Kunsthaus. (Quelle: srt (02.07.2012/Heidi Siefert))

Blick vom Schlossberg in Graz mit Murinsel und Kunsthaus. (Quelle: srt (02.07.2012/Heidi Siefert))

Die alte Dame im sommerlichen Kostüm stutzt. "Ist das nicht das Hotel Wiesler?" Fünf Sterne an der Tür, gediegenes Mobiliar und exzellenter Service drinnen. In der Tat ist das Haus in bester Lage am Grazer Grieskai das legendäre "Wiesler". Schon Willi Brandt, Mick Jagger oder der Dalai Lama stiegen hier ab. Doch die fünf Sterne sind Vergangenheit. Design ist angesagt. wanted.de hat sich in Graz umgesehen.

Und damit steht das altehrwürdige Hotel sinnbildlich für den Wandel der steirischen Landeshauptstadt zu einem pulsierenden Ort voller neuer, unkonventioneller Ideen. Und ein perfektes Ziel für ein genussvolles langes Wochenende.

Von der Unesco 1999 zum Weltkulturerbe ernannt, 2003 europäische Kulturhauptstadt und 2011 als eine von zehn "Cities of Design" ins weltweite Netzwerk kreativer Städte aufgenommen, zeigt Graz, wie sich Tradition und Moderne vortrefflich verbinden lassen. Und wenngleich so mancher alteingesessene Steirer am Anfang nicht ganz überzeugt war, dass man das alles wirklich braucht, so überwiegt nun der Stolz, was es in der nach Wien beliebtesten Stadt der Alpenrepublik alles gibt.

Einer dieser nicht gebrauchten aber mittlerweile heiß geliebten Orte, ist das "Aiola Upstairs". >>

Gleich neben dem Uhrturm auf dem Schlossberg steht der Pavillon, dessen gläserne Wände bei schönem Wetter im Boden versinken. Begünstigt durch das milde Klima des Südens werden hier bis spät in den Herbst die Liegestühle mit Aussicht genutzt.

Von der Altstadt bis zum Stadtpark liegt einem Graz zu Füßen: Die steilen, rot gedeckten Dächer der historischen Häuser. Der an eine dunkle Seifenblase erinnernde "Friendly Alien", wie die Grazer liebevoll ihr Kunsthaus nennen. Oder die Insel in der Mur. Eine Muschel aus Metall und Glas, die mit Café und Sonnenterrasse eine kommunikative Verbindung zwischen den einst strikt getrennten Vierteln beiderseits des Flusses schafft.

Im lauen Sommerwind flattern überall die bunten Fahnen der Designstadt Graz. Seit die Unesco die Stadt in den Reigen der kreativen Zentren aufgenommen und damit auf eine Stufe mit Metropolen wie Berlin, Buenos Aires >>

oder Shanghai gestellt hat, trägt sie stolz das neue Prädikat. Dass es so weit kam, liegt an vielen Kleinigkeiten. Die vitale Kunst- und Kulturszene gehört ebenso dazu, wie das allgegenwärtige Design. Da wird der Asphalt eines eher tristen Straßenzugs mit roter und weißer Farbe zu einer Laufbahn umgestaltet und weckt damit die Neugier für das einst links liegen gelassene Viertel mit den hübschen kleinen Geschäften. Da wird das ebenso stylishe wie bequeme Sitzmobiliar "Getier" in der Stadt verteilt. Da werden überall kleine Ladenlokale mit ausgefallener Gastronomie oder sehr speziellen Geschäften wieder belebt. Elisabeth Soos etwa, mit ihren extravaganten Kleidern aus steirischem Loden. Oder das "Heidenspass". Hier kann man kaufen, was entsteht, wenn Jugendliche Probleme durch Kreativität lösen: witzige Accessoires vom Ring aus Kronkorken über Taschen aus Fahrradschläuchen bis zu Wandhaken aus alten Schallplatten.

Ein Muss ist ein Bummel durch das "Designforum Steiermark". Im Erdgeschoss des Kunsthauses sind die Regale gefüllt mit Alltagsdesign. Vieles davon greift die steirische Tradition auf. Etwa die Beutel und Shirts, die in Form und Maserung die typische Käferbohne imitieren. Oder der Grazfleck. Ein Umhang, in dessen flauschigen Loden die Silhouette verschiedener städtischer Gebäude gewebt ist.

Ein zweites Muss ist das Kaufhaus "Kastner und Öhler". 1893 zufällig gegründet, weil der tschechische Kaufmann Carl Kastner in Graz seinen Anschlusszug verpasste und beim Spaziergang ein leer stehendes Gebäude in bester Lage sah. Schnell entstand hier eines der modernsten Warenhäuser Europas. Die Bilder von der alten Halle mit vergoldeten Balustraden erinnern an die berühmten Kaufhäuser von Paris.

Heute bilden sie zusammen mit zierlichem Stuck und vergoldeten Säulen einen spannenden Kontrast zum modernen Gebäude. Schon Schauen allein macht Spaß. Erst recht ein Besuch im Restaurant auf dem Dach, wo man in gemütlichen Lounge-Sesseln an einem Cocktail nippt und eine Perspektive über die Stadt genießt, wie es sie vor der Neugestaltung des Hauses durch die spanischen Architekten Nieto & Sabejano nicht gab. >>

Ähnlich zufällig, wie sich "Kastner & Öhler" in Graz ansiedelten, kam es auch zu einem zweiten Großprojekt von Fuensanta Nieto und Enrique Sabejano. In einer baufreien Phase nahmen sie sich der Umgestaltung des Joanneumsviertels an. Wo früher Wiese war, ragen nun gläserne Trichter aus dem mit Kies und Rasen gestalteten Platz. In diesen Trichtern befindet sich der Eingang zu Landesbibliothek und der Neuen Galerie Graz.

Nur ein kurzer Spaziergang ist es von hier über die Mur zurück zum Hotel Wiesler. Auch das ist typisch Graz. Fast alles erreicht man bequem zu Fuß.

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