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Skifahren in Savoyen

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Skifahren in Savoyen: Schnee und Sterne

28.01.2013, 08:57 Uhr | Claudia Diemar, Raufeld

Skifahren in Savoyen. Skifahren in Les Menuires ist ein Genuss. (Quelle: Office de Tourisme Les Menuires)

Skifahren in Les Menuires ist ein Genuss. (Quelle: Office de Tourisme Les Menuires)

Skifahren in Savoyen ist ein Genuss. Gefüllte Wachteln als Mittagsmahl für Wintersportler mit Blick auf den Montblanc: In den französischen Trois Vallées, dem größten zusammenhängenden Skigebiet der Welt mit rund sechshundert Kilometern Höhenrausch, kommt zum sportlichen Aspekt des Urlaubs stets der kulinarische hinzu. Schauen Sie selbst, was der Wintersportort Les Menuires sportlich und kulinarisch zu bieten hat.

Foto-Serie mit 7 Bildern

Glück im Unglück, das gibt es wirklich. Gerard Tiggeler hat es erlebt. Vor fast zwanzig Jahren kam der Niederländer als Tourist in die französischen Alpen und erlitt dort einen schweren Skiunfall. Zwei Wochen lag er zunächst auf der Intensivstation. Bei der Kontrolle, ob die Knochen langsam verheilten, lernte er in der Röntgenabteilung seine zukünftige Frau kennen. Seither lebt er in Savoyen, hat mittlerweile drei Kinder und arbeitet bei der Liftgesellschaft Sevabel im Wintersportort Les Menuires.

Gerard, dem die Franzosen gern einen Akzent verpassen, fährt noch immer Ski wie der Teufel. Wir treffen ihn im Pistenrestaurant auf dem Mont de la Chambre, wo gefüllte Wachteln als Mittagsmahl für Wintersportler empfohlen werden. Davor gibt es einen Salat mit Savoyer Schinken, danach lauwarmen karamellisierten Obstkuchen mit Eiscreme. Gott lebt in Frankreich, und er weiß warum. >>

Von der Terrasse des Restaurants führt der Blick fast über das gesamte Gebiet der Trois Vallées, jenem Pistenrevier in den französischen Alpen, das sich als größtes zusammenhängendes Skigebiet der Welt bezeichnen darf, weil es die Täler von Belleville, Méribel und Courchevel lückenlos verbindet und mit rund sechshundert Kilometern Höhenrausch auf tief verschneiten Hängen lockt.

Rabenschwarz bis schneeweiß

Knapp zweihundert Aufstiegsgehilfen erschließen die Bergarena und bieten Pisten aller Schwierigkeitsgrade. Breite baumfreie Abfahrten finden sich ebenso wie rabenschwarze Buckelpisten, Obstacle Parks für Snowboarder und jungfräulich weiß gepolsterte Tiefschneeflanken für Freerider. Allein die Landschaft ist einen Ausflug in die Umgebung wert. Wie ein gutmütiger Riese wacht der Montblanc über den gestaffelten Gipfeln rundum.

Der höchste Berg der Alpen ist ebenso dominant wie leicht auszumachen. An seiner Spitze verfangen sich die ziehenden Wolken. Der Gigant trägt meist Schleier oder Hut, selbst an Tagen, an denen der Himmel in tiefem Blau prunkt.

Aus so viel Schönheit müsste sich doch etwas machen lassen, dachte sich die französische Regierung bereits zu jener Zeit, als der Zweite Weltkrieg noch tobte. Die Alpen waren damals ein Armenhaus und Savoyen seine vielleicht elendigste Ecke. Bergbauern lebten hier in archaischer Subsistenz-Wirtschaft. Pläne, diese unwirtliche Bergwelt für den Tourismus zu erschließen, wurden bereits ab 1944 geschmiedet. Les Menuires, am Schnittpunkt der drei Täler gelegen, entwickelte sich ab Anfang der 1960er massiv zu einem touristischen Zentrum. Im Ortsteil La Croisette entstand das, was man zu jener Epoche als zeitgemäße Form der Ferienunterbringung feierte: ein gigantisches Gebäudeensemble aus der Retorte, das wie ein Riegel aus Beton mit der waagrechten Gliederung seiner Fenster- und Balkonreihen in der weiten Weiße thront. Das Symbol des Einzugs von Fortschritt und Urbanität in den Alpen steht noch immer und hat von seiner Kühnheit nichts verloren.

Der "Geist des Bauhaus" und charmanter Chalet-Stil

Trotzdem geht man heute geradezu verschämt mit dem Erbe aus der Pionierzeit der touristischen Entwicklung um. Nirgendwo gibt es konkrete Informationen, welche Architekten genau daran wirkten. Zu erfahren ist allenfalls, sie seien vom Geist des Bauhaus inspiriert gewesen. Architekturführungen werden nicht angeboten, ebenso ist keine Musterwohnung im Stil der Sixties zu besichtigen. Man verweist gern auf den doch viel charmanteren Chalet-Stil in den anderen Ortsteilen. Die Wahrheit ist jedoch, dass allenfalls die ganz neuen Gebäude überzeugen, weil sie mit Elementen von Naturstein und Holz die traditionelle Bauweise Savoyens zitieren. Vieles jedoch, das der Monumentalität der frühen Jahre folgte, kommt äußerst beliebig daher. Der Blick aus dem Fenster aber ist in jedem Fall überwältigend und die nächste Piste nie weit entfernt.

Überhaupt sind die Wege in Savoyen stets kurz und immer zu Fuß oder auf Brettern zu bewältigen. Was sich im Deutschen "vom Bett aufs Brett" nennt, firmiert in Frankreich unter "skis aux pieds". Das steigert die Erholung ungemein und ist auch deshalb sinnvoll, weil in Frankreich zum sportlichen Aspekt des Urlaubs stets der kulinarische hinzukommt. Schon mittags schwelgt man in mehrgängigen Menüs. Bei schlechtem Wetter gibt es ohnehin keinen Grund, sich zu beeilen.
Abends, wenn die Schneekanonen ihren kalten Hauch auf die strapazierten Stellen der Pisten wehen lassen, gehen die Sterne nicht nur am Firmament auf. Zwei Michelinsterne hat das Restaurants La Bouitte in St. Martin de Belleville bereits, am dritten Étoile arbeiten die Chefs René und Martin Meilleur eifrig. Am besten vertraut man sich ihnen blind an, legt nur die Anzahl der Gänge fest und setzt auf die Carte blanche. Dann kommt auf den Teller, was gerade ganz frisch ist und von ganzem Herzen empfohlen werden kann. Um die großartigen Kreationen des kongenialen Vater-Sohn-Duos zu kosten, fliegen die Superreichen aus Courchevel sogar per Hubschrauber ein. Der Landeplatz liegt gleich neben dem Restaurant.

St. Martin ist ein gewachsenes Dorf mit uralter Savoyer Architektur und gleichfalls perfekt an die Pisten angebunden. Der Einkehrschwung führt direkt auf die Terrasse des Hotels St. Martin mit seinem Restaurant Le Grenier. Auch hier wird wunderbar aufgetischt, "vergessene Gemüse" wie Pastinaken oder Topinambur etwa, die mit Vitaminen für die Piste versorgen.
Denn morgen ist ein neuer Tag. Das Wetter soll herrlich werden. Und Gerard Tiggeler erklärt noch einmal, wie man stets auf der Sonnenseite des Skifahrerlebens bleibt. Gleich nach dem Frühstück in Les Menuires loslegen, über den Mont de la Chambre hinüber nach Méribel wechseln, von dort hinauf zum Col de la Loze mit seinen Traumpisten, hinunter in den Nobelort Courchevel und dann gemächlich wieder zurück. Macht drei Täler an einem einzigen traumhaften Tag.
Unser Tipp: Mit dem Auto sind es rund 720 Kilometer von Frankfurt nach Les Menuires. Alternativ ist der Ort mit dem Zug (zum Beispiel dem TGV) oder per Flugzeug bis Genf und weiter mit Bus oder Taxi erreichbar (ca. 140 Kilometer bis Les Menuires). Empfehlenswert sind das direkt an der Piste gelegene Design-Chalet-Hotel Kaya, das gemütliche Chalet 2000 oder das Hotel St. Martin.

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