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Bulliges Vergnügen

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Bulliges Vergnügen: Hier werden Kinderträume wahr

11.02.2013, 09:25 Uhr | Heidi Siefert , srt

Bulliges Vergnügen. Mit der Pistenraube über die Scheedecke. (Quelle: srt/11.02.2013/Heidi Siefert )

Mit der Pistenraube über die Scheedecke. (Quelle: 11.02.2013/Heidi Siefert /srt)

Als Beifahrer in der Pistenraupe erleben Gäste, wie 150 Pistenkilometer perfekt gepflegt werden - und das bis Anfang Mai. Länger als irgendwo sonst in Frankreich laufen die Lifte in Tignes, das zusammen mit dem Nachbarn Val d'Isère den Espace Killy bildet. 150 Pistenkilometer und einige Funparks vom Feinsten bieten viel Abwechslung für Anspruchsvolle in den schneesicheren Savoyer Alpen.

Foto-Serie mit 11 Bildern

Wie viel Arbeit notwendig ist, um diese optimal zu pflegen, das können Gäste als Beifahrer mit dem Pistendienst erleben.
"Wir kommen jedes Mal hierher, wenn wir in Tignes sind", erzählt der Mittvierziger, der mit Plastiktüte und einem Sixpack Dosenbier auf einem schmutzig grauen Schneehaufen hinter dem Betriebsgebäude der Liftgesellschaft steht. In diesem Jahr habe es noch nicht mit einer Mitfahrgelegenheit geklappt. "Aber heute sind wir dran", gibt sich sein Begleiter zuversichtlich. Zusammen mit etwa 20 Frauen und Männern warten die beiden Urlauber geduldig, ob sie zu den Glücklichen zählen, die an diesem Abend als Beifahrer ins Fahrerhäuschen einer Pistenraupe steigen dürfen. Mondäne Damen im Pelzmantel gehören ebenso dazu wie der Ingenieur im Ruhestand, das turtelnde Pärchen und die Gruppe junger Burschen, die auf der Tour im Pistenfahrzeug ein bisschen Nervenkitzel suchen. Als sich das riesige Rolltor öffnet, rollt Raupe um Raupe aus der Garage: rot, gelb, silbergrau. >>

Ein dumpfes Grollen erfüllt die Luft. Während die Tanks der bulligen Geräte mit Kraftstoff gefüllt werden, holen ihre Fahrer die Gäste ab.

Pistenraupenfahren ist in. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, ins Cockpit der mächtigen und zwischen 400 und 500 PS starken Fahrzeuge zu steigen, ist der Andrang groß.
Doch während andernorts Passagiere nur für ein paar Fahrten zusteigen dürfen, bieten die Liftbetriebe in Tignes Interessierten an, die Fahrer direkt bei der Arbeit zu begleiten. Je nach Gebiet und Schneeverhältnissen kann das bis in die frühen Morgenstunden dauern. Gut, wenn man dafür gerüstet ist. Mit warmer, bequemer Kleidung und ausreichend Proviant. So wie die beiden Männer mit dem Bier und der Plastiktüte voll Baguette, Käse und Schokolade, die gerade glücklich lachend in einen roten Pistenbully steigen und ihre Habseligkeiten hinter dem großen Panoramafenster verstauen.

Einer der Fahrer ist Sebastien. Ein braungebrannter junger Mann mit strubbeligen blonden Haaren und cooler Sonnenbrille. >>

Vor drei Jahren ist er aus Bourg-Saint-Maurice im Tarentaise-Tal heraufgekommen. "Tagsüber fahre ich Ski, nachts präpariere ich die Pisten", lacht er, während er sorgfältig seine Runden dreht. Fahrt für Fahrt wird aus dem aufgewühlten Schnee ein glatter weißer Teppich. Auch die Kollegen schwärmen aus. Bis in die frühen Morgenstunden wird man ihr Tun von der Skistation aus an den hellen Punkten nachvollziehen können, die wie Irrlichter in der Winternacht leuchten.

Mit dem Pistenbulli über "Troll" und "Crocus"

Wir fahren hinauf in Richtung Col de la Fresse. Während es im Tal längst schattig ist, sind die Hänge oben noch in warmes Sonnenlicht getaucht. Rosig leuchtet sie über die zackigen Gipfel. Die Skifahrer sind im Tal. Die Terrassen der Bergrestaurants sind leer. Troll und Crocus heißen die Pisten, die heute auf dem Arbeitsplan von Sebastien stehen. Neben dem präparierten Schneeteppich hat die Sonne schon die ersten gelben Huflattich-Blüten aus der Erde gekitzelt. Ausnahmsweise hat Sebastien einen Kollegen im Schlepptau. Und so drücken er und Babtiste im Konvoi den von einem langen Skitag aufgewühlten Schnee Streifen um Streifen glatt. Auf dem Display am Armaturenbrett sieht der Fahrer genau, wo er schon gefahren ist und welche Abschnitte noch zu erledigen sind. Für Kunstschnee-Passagen braucht das Gerät mehr Kraft als bei natürlicher Schneedecke. All das registriert die Elektronik. Die Daten jedes einzelnen Pistengeräts gehen in die Zentrale im Tal und werden dort analysiert. Wenn etwas nicht passt, wird der Fahrer schon mal zurück geschickt. So wie Babtiste, der über Funk von der Zentrale zurückbeordert wird. Die Passage oben am Übergang nach Val d'Isère muss er noch einmal fahren. Die 150 Pistenkilometer des WM-Ortes von 2008 sind von Tignes aus bequem zu erreichen, die Lifte mit demselben Skipass zu fahren. Gemeinsam bilden der savoyardische Traditionsort und die Retortenskistation Tignes das Espace Killy, das nach dem dreifachen Olympiasieger Jean-Claude Killy benannt wurde. Während für die Gäste der Übergang nahtlos verläuft, sind die Gebiete säuberlich getrennt, wenn es um den Pistendienst geht.

Monster-Halfpipe im Abendhimmel

Im letzten Sonnenlicht fährt Sebastien zurück Richtung Skistation. Nun geht es auf die andere Seite des Talkessels. Dort, wo Monster-Halfpipe und gewaltige Kicker in den Abendhimmel wachsen. Seit vier Jahren pilgern die Stars der Freestyle-Szene Ende März zu den X-Games nach Tignes. Sebastien schwärmt von der Stimmung, wenn 75000 Zuschauer auf den Berg kommen, um die weltbesten Snowboarder und Skifahrer bei ihren Flugshows zu bewundern. Dass ausgerechnet der absolute Superstar Shaun White das perfekte Gelände lobte, macht den Raupenfahrer besonders stolz. Inzwischen ist es dunkel geworden. Sebastien fährt hinauf Richtung Gletscher. Dort, wo auch dann noch optimale Bedingungen für Schneeverrückte herrschen, wenn am 5. Mai die Lifte in Tignes schließen. Sie können sich das Abenteuer in der Pistenraube auch in unserer Foto-Show ansehen.

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