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Markthallen: die schönsten Deutschlands

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Ein Erlebnis für alle Sinne: Deutschlands Markthallen

25.02.2013, 08:10 Uhr | Hans-Werner Rodrian, srt

Markthallen: die schönsten Deutschlands. Deutschland hat viele Markthallen zu bieten. (Quelle: imago)

Deutschland hat viele Markthallen zu bieten. (Quelle: imago)

Früher gab es sie ja mal in fast jeder Stadt: die zentrale Markthalle, unter deren Dach man unabhängig vom Wetter flaniert und in Bergen von Obst, baumelnden Schinken und Gewürzen aus aller Herren Ländern schwelgen kann. Mit dem Aufkommen der Discounter begann ein schleichender Niedergang in den Kathedralen der essbaren Genüsse. Heute entdecken immer mehr deutsche Städte ihre historischen Markthallen neu.

Die Urlauber freuen sich über eine Atmosphäre, von der die meisten dachten, es gäbe sie nur noch in Florenz und Barcelona. Und ein Bummel durch die schönsten überdachten Schlemmerparadiese der Republik hat durchaus seinen Reiz.

Der Newcomer: Markthalle Nummer 9 in Berlin

Ein Paradebeispiel ist die Markthalle Nummer 9 in Berlin-Kreuzberg. Sie galt lange als prächtigste der einst 14 durchnummerierten Berliner Markthallen. Zuletzt freilich regierten nur noch Stillstand und Verfall in dem 120 Jahre alten Gründerzeitkleinod. 2011 schaffte dann eine Anwohnerinitiative den Umschwung: Seitdem herrscht wieder Markttreiben unter den gusseisernen Säulen. Vorerst zwei Tage die Woche - freitags und samstags - sind 35 Händler da: der Ziegenhof-Betreiber baut seine Käsepyramiden neben dem Brandenburger Biogärtner auf,

der Duft der Fischräucherei zieht bis zum Stand mit den Teltower Rübchen. Viele Hofläden und Biobetriebe ließen sich durch die engagierten Betreiber ermuntern und sonntags bleibt Raum für Ausstellungen und Kultur. Der Traum der Nummer-9-Macher: dass die kleinen, handwerklichen Betriebe die Halle später einmal an allen Werktagen mit Leben füllen. Als erster Mieter hat das die Marktkantine bereits geschafft. Dort gibt es mittlerweile täglich drei Gerichte zur Auswahl.

Immer schon da: Stuttgarter Markthalle

Oliven aus Griechenland, Honig aus der Türkei, frische italienische Nudeln: Als einzige deutsche Großstädter mussten die Stuttgarter nie darauf verzichten. Denn die Schwabenmetropole hat ihre Jugendstil-Markthalle über all die Jahre treu gepflegt. Heute danken es der Stadt Einheimische wie Gäste. Im wunderbaren Jugendstilbau an der Dorotheenstraße bieten über 40 Händler Genüsse an. Gleich gegenüber vom alten Schloss wölbt sich über freiliegenden Trägern das Glasdach

und überflutet Salate wie Obst mit mildem Tageslicht. Darf es eher eine italienische Porchetta (Spanferkelbraten) vom Metzger Attila sein oder eine glänzende Dorade von einem der appetitlichen Stände in der Fischecke? Beim Schlendern durch die Standreihen entdeckt man wilden Spargel, gebündelte Raukeblätter, echte Tomaten der Liebhabersorte Berner Rose. Und natürlich die Oliven aus Mallorca - das sind die kleinen, festen. Nicht verpassen sollte man bei all den Köstlichkeiten, einen Blick auf die Galerie zu werfen. Von da oben hat man nicht nur den schönsten Blick auf das Markttreiben unten: Wer noch ein stilvolles Souvenir sucht, der wird bei Merz & Benzing dort oben sicher ebenfalls fündig.

Deutschlands schönste? Alte Markthalle Kassel Welche Markthalle ist Deutschlands schönste? Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Aber ein Schmuckstück ist die Alte Markthalle Kassel auf jeden Fall. Und das liegt nicht nur an dem prächtigen Gebäude, einem Renaissancebau in der Wildemannsgasse, sondern ebenso an den rund 70 exzellenten Betrieben unter dem historischen Dach. Unter dem Glasdach des historischen Marstalls gibt es sie noch, die klassischen Schlachter wie die Landfleischerei Koch aus Calden mit ihrer vielgerühmten Ahlen Worscht, dazu kleine Käsereien, Gemüsebauern aus dem Umland und Landbäcker, die diese Bezeichnung auch noch verdienen, weil sie nicht nur einen Backshop betreiben. Die Bäckerei Silber aus Niestetal gehört dazu - ihr Speckkuchen ist einfach exzellent. Im Obergeschoss finden sich auch mehrere Gaststätten, draußen auf der Freifläche gibt es donnerstags bis samstags vormittags ein Bauernmarkt. Überlebt dank Gastarbeitern: Kleinmarkthalle Frankfurt

Kleinmarkthalle? Selbst viele Frankfurter waren noch nie da und Urlaubsgäste schon gar nicht. Unauffällig liegt die städtische Kleinmarkthalle mit ihrem versteckten Eingang zwischen Römerberg und der Einkaufsmeile Zeil samt deren riesigen Kaufhäusern.

Was für ein Kontrast: In der äußerlich wenig ansehnlichen Markthalle aus den 1950er-Jahren geht es eher wie auf einem Basar zu. Und Gastarbeiter aus der Türkei und Italien waren es wohl auch, die ab den Siebzigern die sanfte Wandlung "der Kleinmarkt" in ein Feinschmeckerparadies einleiteten. Sie wollten nicht Ravioli aus der Dose, sondern frischen Radicchio, brauchten bündelweise Petersilie, Couscous und Harissa. Das alles bieten die 50 Standbesitzer, von denen viele heute die Gastarbeiter von gestern sind. Und natürlich gibt es in einer Ecke die Stände, an denen man alle Zutaten zur berühmten Frankfurter "Grie Soß" bekommt, in die traditionell sieben Kräuter gehören. Schon der Folklore wegen sollte man die Stimmung erlebt haben - wo sonst hört man unverfälschtes "Blauer Bock"-Gebabbel mit sanftem griechischem Akzent?

Höhle des Feinkostlöwen: Schrannenhalle München

Wo waren eigentlich all die Hallen, während die Leute lieber zum Discounter gingen? In München lag die "Schranne" feinsäuberlich gestapelt auf dem Bauhof. Jahrzehntelang dämmerten die gusseisernen Säulen der 120 Jahre alten Markthalle vor sich hin. Seit 2005 steht die Schrannenhalle wieder am Viktualienmarkt. Nach einer Bauchlandung des ersten Investors mit einer Mischung aus Varieté und Currywurst versucht es der aktuelle Betreiber nun mit einem schicken Feinkost-Gourmetkonzept. Hauptmieter ist er Münchner Feinkostlöwe Michael Käfer. Neben seinem "Delikatessmarkt" locken aber auch ein Steirerladen, ein Olivenöl-Stand, viel Wein und immerhin auch ein Obst- und Gemüsestand vom Viktualienmarkt in den Delikatesstempel. Sogar ein Outlet der Münchner Restaurantlegende Tantris hat sich dort angesiedelt. Zum Konzept gehört, dass man viele der edlen Produkte gleich vor Ort probieren kann: vom Wrap über die Fischsuppe bis zum kompletten Menü im Käfer-Restaurant auf der Empore - dem Lieblingsplatz für alle, die gern über den anderen stehen.

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