Sie sind hier: Home > Leben > Reisen >

Islands Hauptstadt Reykjavik

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Reykjavik: Phallus-Pracht und Konzerthausglanz

03.06.2013, 09:35 Uhr | Karsten-Thilo Raab , srt

Islands Hauptstadt Reykjavik. Ein Highlight ist Islands Phallus-Museum. (Quelle: imago/Arco Images)

Ein Highlight ist Islands Phallus-Museum. (Quelle: Arco Images/imago)

Keflavík wirkt wie ein Kinderflughafen. Klein, übersichtlich, noch dazu abseits, fast schon im Nichts auf der Halbinsel Reykjanesskagi gelegen. Ein Provinz-Airport mit Anschluss an die große weite Welt. Zu verdanken haben die Isländer die bedeutendste Verkehrseinrichtung des Landes den amerikanischen Besatzern, die während des Zweiten Weltkriegs eine Start- und Landebahn am Südwestzipfel der zweitgrößten europäischen Insel anlegten.

Foto-Serie mit 10 Bildern

Heute gibt es dort ein Terminalgebäude, das den Vergleich mit kleinen Regionalflughäfen in Deutschland wie Weeze oder Ludwigshafen nicht scheuen muss. Mit dem Unterschied, dass hier auch Transatlantikflüge starten. 50 Kilometer sind es von Keflavík bis ins Zentrum von Reykjavík. 50 Kilometer, die alle Neuankömmlinge Demut und Geduld lehren.
Im vollgestopften Reisebus geht es mit gemächlichem Tempo Richtung Hauptstadt. Stoßstange an Stoßstange schieben sich Busse und Autos durch eine bizarre, hügelige Mondlandschaft. Schwarzes Lavagestein soweit das Auge reicht. Am Horizont erheben sich schneebedeckte Berge und Vulkankegel. Ein paar Moose und Flechten gedeihen hier. Bäume oder Sträucher sind absolute Mangelware. Nur dort, wo einsam ein paar Häuser stehen, wackeln dünne Bäume mit noch dünneren Ästen im bisweilen steifen Wind. >>

Nach gut einer Stunde Fahrzeit ist der zentrale Busbahnhof erreicht. Dort bricht für einen Moment das organisatorische Chaos aus. Die Fahrgäste werden samt Gepäck auf ein halbes Dutzend Kleinbusse umverteilt, um mit diesen direkt zum Hotel ihrer Wahl gekarrt zu werden. Enge Straßen und bunte Häuser prägen das Bild im gemütlich kleinen Zentrum der nördlichsten Hauptstadt der Welt.

Ältestes Gebäude der Stadt ist ein Holzhaus an der Adalstraeti 10 aus dem Jahr 1762. Wie das Gros der historischen Holzhäuser im Stadtkern ist es zum Schutz vor den Unbillen des Wetters mit farbig angestrichenem Wellblech verkleidet. "Wir haben kaum Holz auf der Insel. Daher sind Holzhäuser ein kostbares Gut, das seit Jahrhunderten besonders geschützt wurde", weiß Dóra Magnúsdóttir von Visit Reykjavik.
Zentral im Herzen der Stadt erhebt sich die eher unscheinbare Domkirche - natürlich mit Wellblech ummantelt. Bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1796 bot die Kathedrale der gesamten Bevölkerung von Reykjavik Platz. >>

Aus den damals knapp 500 Seelen sind heute 120.000 geworden. In der gesamten Hauptstadtregion leben sogar 200.000 Menschen - fast zwei Drittel aller Einwohner des Landes.
Weil die gut sichtbar auf einem Hügel liegende Hallgrímskirkja um einiges größer ist, denken viele, dies sei die Hauptkirche der isländischen Kapitale. Der Turm des im Inneren überaus schlichten Gotteshauses ragt 73 Meter hoch auf. Die Konzertorgel mit 72 Registern bringt stolze 25 Tonnen auf die Waage. Vor dem Wahrzeichen wurde Nationalheld Leifur Eiríksson ein Denkmal gesetzt. Eiríksson war im Jahre 1000 der Erste, der den Atlantik überquerte, und wohl auch der erste Europäer, der in Vinland amerikanisches Terrain betrat.

Stolz der Stadt mit wechselnden Farben

Stolz der Stadt und des gesamten Landes ist aber Harpa - ein modernes Konzerthaus und Kongresszentrum am Hafen. 2011 konnte der 32.000 Quadratmeter große Dreh- und Angelpunkt des isländischen Kulturlebens feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Dabei genügt der 1800 Besucher fassende Hauptkonzertsaal höchsten Ansprüchen. Zu den architektonischen Besonderheiten von Harpa zählt die Glasfassade von Olafur Eliasson und Henning Larsen. Sie wirkt fast wie ein Kaleidoskop und wechselt je nach Lichteinfall ständig die Farbe, was schon von großer Entfernung das Augenmerk auf das Gebäude lenkt. Ein beliebter Anlaufpunkt für Kulturbeflissene ist auch das Nordic House. Das nach Plänen des finnischen Architekten Alvar Aalto im Jahre 1965 errichte Gebäude verfügt über eine grandiose Bibliothek und präsentiert in Wechselausstellungen Werke von Künstlern aus aller Welt. Dabei spannt sich der Bogen von Musik und visueller Kunst über Videoprojekte und Fotografie bis hin zu experimenteller Kunst. Derweil vermittelt "Reykjavik 871±2" in der Adalstraeti einen Einblick in die Anfänge der Geschichte der Stadt im Jahr 871. Dabei entpuppt sich die Sammlung im wahrsten Sinne des Wortes als unterirdisch. Nicht, weil sie so schlecht ist, sondern weil sie die Besucher unter die Erde der isländischen Kapitale führt. Prunkstück der multimedialen Ausstellung sind die Ruinen eines 20 Meter langen Langhauses der Wikinger aus der Zeit um das Jahr 930.

Ganz nebenbei erfährt der Besucher beim Besuch der Ausstellung, dass Island wohl der letzte Flecken Europas war, der besiedelt wurde. Nachweislich stammen die Isländer von Nordmännern - vorwiegend aus Norwegen - ab, die auf ihrer Reise nach Island in Irland noch schnell einige Frauen raubten. Daher lässt sich in den isländischen Genen sowohl eine entfernte Verwandtschaft zu den Norwegern als auch zu den Iren nachweisen.
Nur wenige Gehminuten entfernt, wartet im Hafnarhús ein jäher Kontrast zur frühen Geschichte der Stadt. Das in einem alten Hafengemäuer untergebrachte Museum konzentriert sich auf Gegenwartskunst. Dabei werden sowohl isländische als auch internationale Künstler in den Fokus gerückt. Ein großes Augenmerk wird auch auf das Leben und Werk von Erró gelegt. Dem schaffensfreudigen Sohn der Stadt, der mit bürgerlichem Namen Guðmundur Guðmundsson heißt und mittlerweile hoch betagt in Paris lebt, ist eine faszinierende Dauerausstellung gewidmet. Vor allem die frechen und farbenfrohen, oft kritischen Bilder des Pop-Art-Künstlers wissen auch jene in den Bann zu ziehen, die sonst eher wenig mit moderner Kunst anzufangen wissen.
Weniger mit Kunst als mit zur Schau gestellter Männlichkeit beschäftigt sich unterdessen das ungewöhnliche Phallus-Museum. Hier lebt Sigurður Hjartarson seine Faszination für das männliche Geschlechtsorgan aus. Der Isländer sammelt nicht nur Penisse, sondern stellt diese seit 1997 auch aus. Das mächtigste Stück des Museums stammt von einem 15,8 Meter langen Pottwal, misst 170 Zentimeter und bringt 75 Kilogramm auf die Waage. Seit 2011 verfügt das Museum sogar über ein menschliches Glied. Der Spender, der Amerikaner Pall Arason, hatte Ende 2010 das Zeitliche gesegnet. Das Ausstellungsstück wurde dann - wie im Testament verfügt - operativ vom Leichnam abgetrennt und dem Museum übergeben.
Die einen finden diese Art von Museum völlig abscheulich. Andere sind derart fasziniert, dass sie direkt im Anschluss zu Bæjarins Beztu Pylzur stürmen, um genussvoll in ein heißes Würstchen zu beißen. Denn die am Hafen gelegene Hot-Dog-Bude ist absoluter Kult. Oft bilden sich mehrere Meter lange Schlangen vor dem Schnellimbiss, an dem schon der frühere US-Präsident Bill Clinton ein Würstchen im Brötchen genoss. Ob er dabei auch die Sammlung von Sigurður Hjartarson vor Augen hatte, ist allerdings nicht überliefert.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Highspeed-Surfen + digital fernsehen & 120,- € TV-Bonus
bei der Telekom bestellen
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017