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Bahnfahrt: Historische Züge und ihre Strecken

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Ottenhöfen im Schwarzwald: Bangen ums Bähnle

18.07.2013, 15:54 Uhr | Fabian von Poser , srt

Bahnfahrt: Historische Züge und ihre Strecken. Bahnfahrt: Historische Züge und nostalgische Bahnstrecken sind beliebt. (Quelle: srt/18.07.2013/Fabian v. Poser)

Die Achertal-Bahn im Schwarzwald bangt um ihr nächste Bahnfahrt. (Quelle: 18.07.2013/Fabian v. Poser/srt)

Im Schwarzwald ist ein Streit um die Zukunft der historischen Achertal-Bahn entbrannt - manche befürchten, sie könnte nie wieder fahren. Bernd Roschach steht da, als könne ihm das ganze Gerede nichts anhaben. Nicht das Gerede über den Schuppen, nicht die Diskussionen ums Geld, nicht die Einmischungen aus dem Nachbartal. Rein gar nichts. Mit stoischer Ruhe lenkt er die mehr als 80 Jahre alte Dampflok durch die Schwarzwald-Idylle.

Am Fenster ziehen die Weinberge vorbei. Lieblich geschwungen liegen sie im Morgenlicht da. Die Lok schnauft bergauf und prustet pechschwarze Rußwolken in die Luft. In den fünf holzgetäfelten Waggons tummeln sich an diesem Sommertag etwa 250 Fahrgäste. Sie machen Fotos. Einige nippen auch schon an ihrem Bier aus dem Buffetwagen.
Seit mehr als 100 Jahren tuckert die Bahn so durch das Achertal im Nordschwarzwald.
"Durch Kaiserreich, Weltkriege, Bomben- und Fliegerangriffe, Zusammenbruch und Wirtschaftswunder rollte unser Zug", wirbt ein Prospekt des Achtertaler Eisenbahnvereins. Die älteste normalspurige Nostalgiebahn Deutschlands soll das Bähnle, wie sie den Zug im Schwarzwald nennen, sein.
Und in der Tat: Die Geburtsjahre der Fahrzeuge liegen zwischen 1896 und 1928. Bis heute ist die Bahn eines der Wahrzeichen des Nordschwarzwalds. >>

Jedes Jahr transportiert sie rund 10.000 Eisenbahnfreunde aus der ganzen Republik aus der Rheinebene hinauf in den Schwarzwald. Auch aus Frankreich kommen die Gäste. Sogar Amerikaner und Japaner werden hier oft gesichtet. Doch bald könnte Schluss sein mit den Nostalgiefahrten, denn die Zukunft einer der Touristenattraktionen der Region ist ungewiss.

Die Dampflok und einige Wagen gehören dem Achertäler Eisenbahnverein. Die Probleme auch. Normalerweise fährt die Bahn jedes zweite Wochenende von Mitte Mai bis Mitte Oktober die elf Kilometer lange Strecke von Achern bis Ottenhöfen im Schwarzwald. Im Juni dieses Jahres musste der Fahrplan das erste Mal seit 45 Jahren ausgesetzt werden. Noch eine Sonderfahrt Ende Juli, dann ist Schluss mit den Bummelfahrten.
Die Südwestdeutsche Verkehrs AG (SWEG) benötigt ihre Werkshallen in Ottenhöfen, wo der Dampfzug gewartet wird, neuerdings selbst. Mit Konsequenzen für den historischen Zug. Denn noch dieses Jahr müssen eine der Loks und drei Wagen zur Fahrwerkshauptuntersuchung, >>

um die Zulassung zu bekommen. Aber wo es keine Garage gibt, da gibt es auch keine Hauptuntersuchung. "Ende Juli ist definitiv die letzte Fahrt für dieses Jahr", sagt Roschach. Roschach muss es wissen. Er ist Vorsitzender des Achertäler Eisenbahnvereins und seit 1969 dabei. Damals ging die Bahn vom Linienbetrieb in den Touristenbetrieb über. Tausende Stunden hat der 58-Jährige seitdem in die Instandhaltung des Zugs gesteckt. Jeder der sieben Wagen wurde mindestens zweimal komplett neu aufgebaut. Auch durch Finanz- und Personalengpässe wurschtelte sich der Achertäler Eisenbahnverein irgendwie durch. Aber jetzt ist Roschach am Ende seines Lateins. "Die Wagen sind aus Holz. Stehen sie draußen, gehen sie schneller kaputt, als man gucken kann." Zwar ist die Bahn oft bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn sie alle zwei Wochen den Schwarzwald hinauf schnauft. Bis zu 300 Passagiere sind dann an Bord, und das dreimal am Tag. "Aber das Geld verpufft bei so einem alten Zug quasi in der Luft."

Die Bahn schraubt sich jetzt immer höher. Von Oberachern steuert Roschach die alte Dampflok über Kappelrodeck bis nach Furschenbach. Auch in dem 400-Seelen-Örtchen gibt es keine Infrastruktur, die er und seine Eisenbahnfreunde nutzen könnten. Doch jetzt hat sich ein findiger Geschäftsmann aus dem benachbarten Renchtal eingeschaltet. Er lockt mit einer Werkstatthalle in Bad Peterstal-Griesbach. "Der Zug könnte in Zukunft nicht nur im Achertal fahren, sondern auch im Renchtal", sagt Meinrad Schmiederer. "Platz für eine Werkstatthalle haben wir auch." Schmiederer ist Besitzer des exklusiven Relais & Chateaux-Hotels Dollenberg. Gäste wie Günther Oettinger, ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württembergs und heute EU-Energie-Kommissar, und Willi Stächele, zwischen 2008 und 2011 Finanzminister im Ländle, gehen in dem Fünfsternehotel ein und aus. Nun träumt der Hotelier davon, mit dem Dampfzug noch mehr Gäste in sein Tal zu bringen. "Man könnte auch das unweit gelegene Straßburg an den Zug anbinden. Das würde Vorteile für die gesamte Region bringen", glaubt der Unternehmer.

Viele unterstellen Schmiederer wirtschaftliches Kalkül. Es gehe ihm nicht um den Dampfzug, sondern nur um sein Geschäft. Doch der Hotelier wiegelt ab. "Die Region braucht Impulse." Vor allem im Achertal kommt Schmiederers Idee nicht gut an. Für viele Menschen dort gehört das Bähnle wie die Obstbäume und die Weinstöcke zum Tal. Sie wollen ihren Zug mit niemandem teilen. "Die Bahn fährt seit 1898 in unserem Tal", sagt Ottenhöfens Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. "Sie heißt Achertal-Bahn, und dort gehört sie auch hin." >>

Ende Juni trafen sich Vertreter der Gemeinde Ottenhöfen, der landeseigenen Bahngesellschaft SWEG und des Achertäler Eisenbahnvereins, um über die Zukunft des Dampfzugs zu beraten. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, werde man die Bahn 2014 möglicherweise mit geringer Wagenzahl betreiben, heißt es.

Die 80 Jahre alte Lok 20 wurde inzwischen zur Hauptuntersuchung in eine vorübergehend von der SWEG zur Verfügung gestellte Werkstatthalle im 30 Kilometer entfernten Schwarzach überführt. Was eine dauerhafte Werkstattinfrastruktur angeht, herrscht jedoch weiter Ratlosigkeit. Mindestens 900.000 Euro werden für die neue Wartungshalle, neue Gleisanlagen und deren Abnahme beim Eisenbahnbundesamt benötigt. Auch im vom Tourismus verwöhnten Schwarzwald ist das viel Geld. Im Herbst wollen alle Beteiligten nun einen Finanzierungsplan für ihre Bahn erarbeiten. "Gut, dass es Gespräche gibt, aber es gibt keinen Grund zur Euphorie", sagt Bernd Roschach.
Nach 30 Minuten Fahrt verlässt die Achertal-Bahn Furschenbach. Noch einmal versichert sich Roschach, dass der Druck im Kessel stimmt, denn es geht auf das letzte und steilste Stück. Dann schnauft die Lok los. Wieder speit sie eine Rußwolke nach der anderen aus. Wieder schlängelt sie sich wie auf einer Fototapete durch die Schwarzwald-Landschaft. Nur wenige Minuten später rollt sie in Ottenhöfen ein. Die 250 Fahrgäste verlassen jetzt den Zug. Während Roschach mit der Lok rangiert, verkauft seine Frau im Schatten des Bahnhofsgebäudes selbstgemachten Kuchen an die Passagiere. Seit sie denken kann steht sie ihrem Mann, der im wirklichen Leben Arzt ist, bei seinem Hobby zur Seite. Alle zwei Wochenenden, wenn es sein muss auch öfter. "Man muss sehr viel Liebe für diesen Zug aufbringen, um das zu machen", sagt sie. Solche Leute braucht das Bähnle. Nur ob das für den Erhalt des mehr als 100 Jahre alten Museumszugs reicht?

Weitere Informationen zur Anreise: Mit dem Auto von Karlsruhe oder Freiburg über die A5 nach Achern. Mit dem Zug sind es von Karlsruhe etwa 30 Minuten, von Freiburg 45 Minuten. Termine 2013: Die letzten drei Fahrten in diesem Jahr finden am 28. Juli zum Ottenhöfener Dorfbrunnenfest mit einer Ersatzlok statt. Was 2014 geschieht, ist noch ungewiss.

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