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Cowboy-Urlaub in Texas

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In der Wüste von Texas: Out of everything

13.03.2014, 16:45 Uhr | Franz Michael Rohm, srt, wanted.de

Cowboy-Urlaub in Texas. Echtes Cowboy-Feeling kommt bei einem Ausritt durch Texas Wüste auf. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Echtes Cowboy-Feeling kommt bei einem Ausritt durch Texas Wüste auf. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rund um die verlassene Minenstadt Terlingua im südwestlichsten Zipfel von Texas reiten Urlauber wie Cowboys, golfen wie Profis oder chillen wie Hippies. Wo könnte man besser abschalten, als in der sogenannten Geisterstadt?

Foto-Serie mit 10 Bildern

Gegen sechs Uhr morgens schiebt sich stählernes Blau in den Horizont der südwesttexanischen Wüste. Kurze Zeit später wechselt das Licht in bleiches Grün, dann glüht der Himmel über den Hügeln gleißend gelb. Eine Stunde später erreicht die Temperatur 25 Grad, und die Sonne zieht als silberne Heizscheibe ihre Bahn durch einen strahlend blauen Himmel.

"Die Pferde machen lassen"

Janella Degroot rückt den eingestaubten, ehemals weißen Cowboyhut zum Schutz gegen die harte Morgensonne zurecht. Die 35-Jährige ist eine Handvoll Frau, ihre Jeans könnte auch einem Teenager passen. Behende sattelt sie mit ihrer Chefin Linda Walker ein halbes Dutzend Pferde für den Halbtagesausritt. "Diese Natur, der Himmel, die Weite - und wenig Menschen. Genau das, was ich gesucht habe", sagt Janella und passt Sattel und Trense an.

Während Linda Walker die Freizeit-Cowgirls und Cowboys nach ihren Reiterfahrungen fragt, und das passende Pferd für sie aussucht, hilft Janella den Reitern anschließend in den Sattel. Bevor es losgeht, gibt sie letzte Anweisungen: "Unbedingt einen Hut aufsetzen. Mindestens einen Liter Wasser mitnehmen. Die Pferde machen lassen."

Dann verlassen wir die Koppel, schaukeln langsam steile Pfade hoch und hinunter und bestaunen Ocotillo-Kakteen, die ihre dünnen, langen Zweige wie Aquarienpflanzen nach oben recken. Es muss in letzter Zeit geregnet haben, denn die mit Stecknadelstacheln gespickten Pflanzen tragen feine Blätter.

Endlose Wüstenlandschaft

Soweit das Auge reicht wellt sich die endlose, steinige, kakteenübersäte Wüstenlandschaft. Vor Jahrmillionen war die Gegend der Grund eines riesigen Meeres. Im Laufe der Zeit hoben tektonische Verschiebungen den Meeresboden etwa 130 Meter über Normalnull an.

Wer in dieser Einöde lebt? "Wir und die Touristen", sagt Janella. Mit "wir" meint sie Aussteiger wie sich und Linda. Nach einem deftigen Picknick geht es im Wiegeschritt zurück über Bergrücken auf alten Handels- und Schmugglerpfaden. Die mexikanische Grenze befindet sich keinen Kilometer Luftlinie entfernt am Rande des kleinen Ortes Lajitas. Der hat seinen Namen von den flachen Felsen im jadegrünen Rio Grande, die schon spanische Eroberer als Furt durch den Fluss nutzten. Gezeigt haben ihnen diese Furt vermutlich Jumano-Indianer. Auch Apachen und Komantschen waren in der Gegend unterwegs. "People" genannte Ureinwohner ritzten schon in der Jungsteinzeit vor rund 12.000 Jahren Zeichen in Felsen. Über diese frühen Kulturen der Region ist allerdings wenig bekannt.

Nur noch 300 Menschen leben hier

Außer ein wenig Handel und Schmuggel gab es in der Gegend jahrhundertelang wenig, bis Ende des 19. Jahrhunderts das Quecksilber in den Minen von Terlingua einen wirtschaftlichen Boom auslöste. Bis Ende des Ersten Weltkrieges diente Quecksilber als Zünder für Munition. 3000 Menschen sollen damals in dem 17 Meilen von Lajitas entfernten Terlingua in der Wüste gelebt haben, heute sind es nicht mehr als 300.

Golfplatz und Spa-Resort

Wahrscheinlich wäre die Gegend im Zuge der verschärften Grenzkontrollen nach den Anschlägen vom 11. September in der Bedeutungslosigkeit versunken. Hätte nicht ein Investor die millionenschwere Investition eines 18-Loch-Golfplatzes und einer luxuriösen Hotelanlage im Stil einer klassischen Westerntown getätigt. Der Investor ging an dem Projekt nicht lange nach der Fertigstellung Pleite, es folgte ein zweiter und ein dritter, der zusätzlich noch ein Spa errichten ließ.

Heute beherbergt das Lajitas-Resort neben Golfern auch wohlhabende Biker aus Houston, Dallas oder San Antonio, die auf fetten Harley-Davidsons den nahegelegenen Big Bend Nationalpark besuchen oder einen Ausflug entlang des Rio Grande nach Presidio unternehmen, eine der spektakulärsten Motorradstrecken der USA. Während die Ladies sich einen Wohlfühltag im Spa gönnen, verbringen die Boys den Tag auf dem Fluss auf einem vom Riverguide gelenkten Gummifloß. Abends treffen sich Urlauber und Einheimische in Terlingua. Treffpunkt ist die Veranda vor dem großen Souvenirshop, der einstmals Poststelle und Lebensmittelkontor beherbergte. Heute versammelt sich hier ein buntes Völkchen von Pferdeführern, Gummifloßkapitänen vom Rio Grande, Fahrrad-Guides und Aussteigern.

Texanische Idylle

Nach Einbruch der Dunkelheit kreisen Marihuana-Zigaretten, auf einer akustischen Gitarre spielt ein junger Mann Hymnen der Hippiezeit von Bob Dylan und Jimmy Hendrix. Die Touristen gehen nach nebenan ins Starlight Theater. Ein altes Kino mit Lehmmauern, in dem ein uriges Restaurant mit Bar eingerichtet wurde. Die Küche ist gut, es gibt Burger, Tacos und Steaks, die Drinks sind besser. Auf der Bühne spielt ein Mittfünfziger Ukulele, seine Freundin singt dazu schräge Country-Lieder. "Wir haben uns hier auf einen sehr individuellen Tourismus eingestellt", sagt Lisa Ivey, eine der drei Besitzerinnen des Starlight Theater. "Viele von den Älteren waren früher mal Hippies, und lieben dieses Leben immer noch." Je später der Abend, desto ausgelassener werden die Gäste. Janella Degroot geht selten ins Starlight Theater. Wenn, dann auf ein Bier, wenn eine gute Band spielt. Aber am liebsten ist sie allein, nahe bei den Pferden. Sie geht früh schlafen und steht früh auf, denn eines will sie auf keinen Fall verpassen: das Spektakel am Morgen, wenn die Sonne aufgeht.

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