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Fluglotsenstreik: So können sich Reisende vorbereiten

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Wie sich Reisende für den Streik wappnen können

08.08.2011, 19:41 Uhr | Spiegel Online

Noch nie haben die Fluglotsen in Deutschland gestreikt - der jetzt für Dienstag geplante Ausstand könnte bei Zigtausenden Reisenden für Ärger sorgen. Wo gibt es Infos zum Streik? Wann wird eine Übernachtung am Flughafen bezahlt? Wie kommt man trotzdem ans Ziel? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mitten in den Sommerferien könnte ein Fluglotsenstreik am Dienstag den Luftverkehr in Deutschland lahmlegen. Von 6 bis 12 Uhr wollen die Besatzungen der Tower die Arbeit niederlegen - und auch danach könnte es trotz Notfallpläne der Airlines einige Zeit bis zur Normalisierung des Flugverkehrs dauern.

SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen:

    Wie informiere ich mich, ob mein Flug ausfällt oder verspätet ist?

    Wer eine Pauschalreise gebucht hat, wendet sich an seinen Veranstalter. Für Passagiere, die nur ein Flugticket haben, ist die Fluggesellschaft der richtige Ansprechpartner. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben. Reiserechtler Paul Degott aus Hannover rät, sich schon zu Hause über Hotlines und die Webseiten der Unternehmen zu informieren. "Es ist sicher nicht sinnvoll, einfach zum Flughafen zu fahren und dann im Chaos herumzustehen." Wer aber per Hotline keinen Ansprechpartner erwischt, der sollte sicherheitshalber zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

    Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

    Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

    Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?

    Der jeweilige Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere erhalten Essen und Getränke, meist in Form von Gutscheinen. Außerdem dürfen sie kostenlos zweimal telefonieren, Faxe verschicken oder E-Mails schreiben. Wenn der Flug sich auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung im Hotel bezahlen. Wie viele Nächte das sind, wird noch vor Gericht verhandelt. Zumindest zwei Übernachtungen sind aber gesichert.

    Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

    Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten nicht aus Verärgerung einfach ein Zugticket buchen. Wer beispielsweise einen Flug von Frankfurt am Main über Paris nach New York gebucht hat, sollte nicht auf eigene Faust mit dem Zug nach Paris fahren, um den Anschlussflug zu erwischen. Denn dann sei es fraglich, ob die Fluggesellschaft das Zugticket erstattet, warnt Degott. Besser ist es, sich ein Bahnticket am Check-in am Flughafen von der Airline ausstellen zu lassen.

    Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

    Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter ist nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Fluglotsenstreiks Flüge ausfallen. "Wenn die Fluglotsen an allen internationalen Flughäfen streiken, ist der Luftraum in Deutschland genauso dicht wie bei der Aschewolke", sagt Degott. Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. Denn die Fluglotsen seien weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen "Drittstreik" steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht.

    Könnte der Streik doch noch abgesagt werden?

    Ja. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will den Streik auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen lassen und hat beim Frankfurter Arbeitsgericht einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gestellt. Die mündliche Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main beginnt am Montag um 14.15 Uhr, wie der Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Matthias Maas, sagte. Sollte der Streik vom Gericht nicht verboten werden, könnte er dennoch in letzter Minute noch vermieden werden. Denn die Schiedsvereinbarung der Streithähne sieht vor, dass jede Seite die Schlichtung einseitig anrufen kann. Damit träte sofort eine neue Friedenspflicht in Kraft, die den Streik um mehrere Wochen weit aus den Ferien herausschieben würde. Ein Indiz dafür könnte der nahezu reibungslose Flugverkehr vom vergangenen Donnerstag sein, obwohl die GdF ihren Streik erst gut neun Stunden vor dem geplanten Beginn abgesagt hatte. Eigentlich hätten zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Maßnahmen aus den Notfallplänen der Airlines greifen müssen. Es wird spekuliert, dass die DFS den Fluggesellschaften unter der Hand zugesagt haben könnte, im Fall einer Niederlage vor den Arbeitsgerichten sofort den Schlichter anzurufen.

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