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Voluntourismus – Urlaub mit sozialem Gewissen

12.09.2014, 13:18 Uhr | sp / JL

Voluntourismus – Urlaub mit sozialem Gewissen. Voluntourismus bietet die Möglichkeit, interkulturelle Kontakte zu knüpfen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Voluntourismus bietet die Möglichkeit, interkulturelle Kontakte zu knüpfen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In einem Kinderheim arbeiten, Bäume pflanzen oder sich für den Schutz von Meeresschildkröten einsetzen – immer mehr junge Menschen möchten ihr Fernweh stillen und sich zugleich sozial engagieren. Diese noch recht neue Form zu reisen garantiert bleibende Eindrücke abseits des Pauschaltourismus und nennt sich "Voluntourismus", "Voluntourism" oder auch "Freiwilligen-Tourismus". Zahlreiche Reiseunternehmen werben deshalb bereits mit entsprechenden Angeboten für Freiwilligenprojekte, die Urlaub und soziales Engagement verbinden. Was Sie bei der Planung einer solchen Reise beachten sollten, erfahren Sie hier.

Was versteht man unter „Voluntourismus“?

Der Begriff „Voluntourismus“ setzt sich aus dem englischen „Volunteering“, also „Freiwilligenarbeit“, und „Tourism“ für „Tourismus“ zusammen. Dahinter verbirgt sich der Wunsch, sich für eine Verbesserung gesellschaftlicher oder ökologischer Verhältnisse im Reiseland einzusetzen, kurz: etwas Gutes tun zu wollen. Gleichzeitig nimmt der Reisende touristische Angebote in Anspruch. Den Schwerpunkt der Freiwilligenarbeit können Sie entsprechend Ihrer persönlichen Interessen wählen – dazu zählen meist soziale Projekte oder Umweltschutz- und Tierschutzprojekte.

Worin besteht der Unterschied zum „Volunteering“?

Sowohl Volunteering als auch Voluntourismus setzen ein hohes persönliches Engagement im Einsatzgebiet voraus. „Volunteering ist gleichzusetzen mit ehrenamtlicher Arbeit“, schreibt die Initiative „Auslandszeit“ auf ihrem Portal zur Freiwilligenarbeit. Im Vordergrund steht die Uneigennützigkeit. Voluntourismus bezeichnet Auslandsaufenthalte, bei denen Volunteering zwar einen großen Raum einnimmt, die neben ehrenamtlicher Arbeit jedoch auch Tagesausflüge in die Umgebung integrieren.

Dies bietet Ihnen die Möglichkeit, das Land über die Freiwilligenarbeit hinaus kennenzulernen sowie landschaftliche Besonderheiten und kulturelle Eigenheiten zu entdecken. Reines Volunteering spielt sich dagegen in einem örtlich begrenzten Rahmen ab.

An wen richten sich Voluntourismus-Angebote?

Voluntourismus-Angebote richten sich vor allem an junge Menschen, die nach dem Schulabschluss oder während der Semesterferien Auslandserfahrung sammeln wollen. Ein Voluntourismus-Einsatz kann mehrere Wochen, jedoch auch Monate dauern. Die Sprache vor Ort sollten Sie möglichst beherrschen. Falls dies nicht der Fall ist, empfiehlt es sich, sich vorab Grundkenntnisse anzueignen oder den Aufenthalt mit einem Sprachkurs zu kombinieren.

Sie sollten außerdem ein großes Interessen an fremden Kulturen mitbringen sowie flexibel und anpassungsfähig sein, denn die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Zielland sind oftmals einfach und nicht mit den gewohnten zu vergleichen.

So wählen Sie das richtige Angebot

Zunächst gilt es, über die Art des Aufenthaltes zu entscheiden: Möchten Sie sich im sozialen Bereich, im Umwelt- oder Tierschutz engagieren? Wie lange möchten Sie in einem Projekt tätig sein und reichen Ihre Sprachkenntnisse dafür aus? Passt das Projekt zu Ihren persönlichen Interessen und wie ist die Unterbringung geregelt?

Die Angebote der Veranstalter variieren stark, erklärt Birgit Dreyer von der Europäischen Reiseversicherung (ERV). Manche bieten ein "Rund-Um-Paket", das angefangen bei Unterkunft und Transport vor Ort über die Teilnahme am Projekt bis hin zu An- und Abreise alles beinhaltet und entsprechend teurer ist. Bei anderen wiederum müssen Sie die Anreise selbst organisieren und die Unterkunft selbst bestimmen. Der größte Kostenfaktor ist meist die Flugreise. Bei der Auswahl der Organisatoren ist gute Recherche das A und O. Gute Veranstalter schicken Sie nicht „blind“ ins Ausland, sondern fragen nach Ihren persönlichen Interessen und Stärken. Vielleicht finden Sie auch Berichte von ehemaligen Freiwilligen, die von ihren Erfahrungen berichten können.

Tipp: Die Unterbringung in einer Gastfamilie bietet den Vorteil, die eigenen Sprachkenntnisse aufzubessern und interkulturelle Kontakte zu knüpfen.

Eine gute Planung ist entscheidend

Informieren Sie sich unbedingt rechtzeitig über formale Voraussetzungen, die Sie für Ihren freiwilligen Auslandseinsatz erfüllen müssen. Dazu zählen etwa die Einreise- und Visabestimmungen für deutsche Staatsbürger im Zielland. Außerdem muss Ihr Reisepass für die gesamte Dauer des Aufenthaltes gültig sein. Je nach Reiseziel gelten landesspezifische Empfehlungen zum Impfschutz. Informationen, welche Impfungen sinnvoll sind, erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt, Ihrer Krankenkasse oder dem Centrum für Reisemedizin (CRM).

Sie sollten sich außerdem frühzeitig um eine Auslandsreisekrankenversicherung, eine Unfall-, Notfall- und Haftpflichtversicherung kümmern, empfiehlt der Veranstalter von Auslandsaufenthalten „Praktikawelten“ auf seiner Webseite. Achten sie darauf, dass bei der Auslandsreisekrankenversicherung ein Krankenrücktransport mitversichert ist.

Weiterhin sollten Sie sich bestimmte Fragen stellen: Wissen Sie genug über das Zielland? Wie hoch ist die Kriminalität? Ist der Einsatzort in einem gefährlichen Gebiet? Wo und wie sind Sie genau untergebracht? Wie werden Sie vom Veranstalter versorgt? Welche Impfungen sind notwendig? Welche Tätigkeiten kommen auf Sie zu und sind Sie darauf vorbereite und ausreichend ausgebildet?

Eine sorgfältige Überlegung und Auswahl des Projekts ist wichtig

Voluntourismus ist nicht unumstritten. Wenn Sie einen Voluntourismus-Aufenthalt in Betracht ziehen, sollten Sie sich einige Dinge bewusst machen:

Ist Ihr Geld sinnvoll investiert?

Viele Veranstalter nutzen aus, dass Freiwillige bereit sind, viel Geld für ein "Helfererlebnis" und die Vermittlung an das entsprechende Projekt zu zahlen. Sie zahlen also unter Umständen viel mehr für den Einsatz in einem Projekt als dieser eigentlich kosten würde. Informieren Sie sich genau und suchen Sie gezielt nach Erfahrungsberichten über das gewünschte Projekt.

Wenn Sie sich nach einem geeigneten Projekt umschauen, sollten Sie besonders darauf achten, kommerzielle Vermittlungsagenturen zu meiden. Diese bieten meist Pauschalangebote an, in denen Sightseeing mit kurzen Volunteering-Ausflügen verbunden wird. Nicht immer sind solche Hilfsausflüge tatsächlich notwendig. Es soll schon vorgekommen sein, dass die zu streichende Schule bereits gestrichen war und die Helfer so anderweitig beschäftigt werden mussten.

Leisten Sie mit Ihrem Einsatz wirklich benötigte Hilfe?

Zu bedenken ist ebenfalls, dass die Freiwilligen häufig für Ihren Einsatz nicht ausreichend qualifiziert sind. Da viele Organisationen dies nicht überprüfen bzw. es in Kauf nehmen, ist eine gewisse Qualität so nicht sichergestellt – beispielsweise für Englischunterricht. Stellen Sie sich im Voraus die Frage, ob Sie tatsächlich fachlich ausreichend geeignet sind und Sie wirklich vor Ort helfen können.

Ihnen sollte auch klar sein, dass viele Arbeitsplätze, die ein Veranstalter für "Voluntouristen" bereitstellt, nicht an Einheimische vergeben werden. Überlegen Sie sich stattdessen, ob es sinnvoller wäre, ein Projekt zu unterstützen, dass beispielsweise Einheimische für bestimmte Tätigkeiten ausbildet. Karin Schüler, Leiterin der Abteilung Förderprogramme Freiwillige und Fachkräfte bei "Engagement Global" schlägt gegenüber "Süddeutsche.de" beispielsweise konkret vor, Kindern in Nicaragua Lust auf Schule zu vermitteln und sie bei der Berufswahl zu unterstützen, damit sie keine Schildkröteneier mehr sammeln. Werden die Einheimischen auf dieser Weise unterstützt, können Sie lernen, sich selbst sinnvoll für Tierschutz, Kinderbetreuung oder Bildung einzusetzen.

Urlaub plus ein bisschen "Welt retten" wirkungsvoll?

Viele "Voluntouristen" möchten einen Urlaub mit einem Hilfseinsatz verbinden und tun dies vor allem, um sich gut zu fühlen und gleichzeitig ihren Lebenslauf ein wenig aufzupolieren. Aber ist ein kurzer Hilfseinsatz überhaupt sinnvoll? In Waisenkinder-Hilfsprojekten verlieren Kinder durch den meist kurzen Aufenthalt der Helfer meist bereits nach wenigen Wochen ihre Bezugspersonen. Laut Linda Richter, Psychologieprofessorin entwickelt sich hierdurch eine Bindungsstörung, die sich in "wahlloser Freundlichkeit und exzessivem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit" äußert. Dieses "zutrauliche" Verhalten begeistert viele Touristen zwar sehr, die Kinder müssen sich aber immer wieder an neue Menschen gewöhnen.

Ob Sie durch einen kurzen Freiwilligenaufenthalt wirklich ausreichend Hilfe leisten können, sollten Sie sich gut überlegen. Überlegen Sie stattdessen, ob Sie nicht lieber Zeit in einen längeren Freiwilligen-Aufenthalt investieren möchten, mit dem Sie möglicherweise mehr bewirken können.

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