06.12.2012, 11:35 Uhr | amr, dpa-tmn
Zum Frühstück süße Müsliflocken, als Snack ein Schokoriegel, zum Kaffee den obligatorischen Keks: Gerade in der Weihnachtszeit gehören Süßigkeiten für viele auf den täglichen Speiseplan. Bei vielen Menschen scheint die Lust auf kalorienhaltige Naschereien aber unstillbar. Da stellt sich die Frage: Kann Süßes zur Sucht werden? Wir haben die fünf größten Zucker-Mythen unter die Lupe genommen.
Süßes wird vom Menschen entwicklungsphysiologisch als gut verträglich und ungefährlich wahrgenommen. Süß ist der Geschmackssinn, den schon Babys als erstes positiv wahrnehmen. Süchtig kann Zucker aber nicht machen, erklärt Buchautor Sven-David Müller in "Kokain, Psychopharmaka - so eine Sucht gibt es bei Schokolade nicht". Es gebe bei manchen Menschen aber ein ausgeprägtes Verlangen und dieses erscheine unter Umständen wie eine Sucht, erklärt Müller. Zwar kann man das Verlangen nach Essen kann man nicht mit einer Drogensucht gleichsetzen, aber es sei in der Tat so, dass sowohl Zucker als auch Suchtmittel auf den gleichen Bereich des Gehirns einwirken - auf das Belohnungssystem.
Das Verlangen nach Zucker ist klassisch konditioniert, ergänzt Falk Kiefer, Professor für Suchtforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. "Kinder bekommen Geld, Süßes oder Lob, wenn sie etwas toll gemacht haben - unser Gehirn funktioniert so, dass Belohnung zur Motivation wird, das zu wiederholen, wofür wir belohnt werden." Wenn man Zucker immer wieder mit etwas Positivem oder Tröstlichem verbindet, dann verlangt das Gehirn in solchen Situationen automatisch danach.
Es gibt laut Müller keine Studie, die belegt, dass ein hoher Zuckerkonsum allein schädlich ist. "Von Zucker bekomme ich weder Diabetes Typ 2 noch Karies, wenn ich ansonsten nicht zu dick bin, mich ausreichend bewege und mir regelmäßig die Zähne putze", sagt auch Kiefer. Beide sind sich allerdings einig, dass mit einem übermäßigen Zuckerkonsum häufig andere Risikofaktoren einhergehen: Übergewicht durch zu kalorienreiches Essen, Bewegungsmangel oder chronischer Stress. Und diese wiederum könnten zu Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz- oder Gelenkproblemen führen.
Doch wie viel Zucker darf man essen? Richtwerte liefert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Sie empfiehlt, höchstens zehn Prozent der täglichen Energiemenge in Form von Zucker aufzunehmen. Bei einem durchschnittlichen Bedarf einer erwachsenen Frau von etwa 2000 Kalorien bedeutet das: 50 Gramm Zucker pro Tag, mehr nicht.
Quelle: amr, dpa-tmn
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