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So testet Stiftung Warentest

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Stiftung Warentest  

So testet Stiftung Warentest

22.10.2012, 11:25 Uhr | dapd

. Bei der Stiftung Warentest wird streng und geheim getestet.  (Quelle: dapd)

Bei der Stiftung Warentest wird streng und geheim getestet. (Quelle: dapd)

Brummend drückt eine Walze zwischen Schienen Sand in einen weinroten Teppich. Der Schlitten fährt fünfmal hin und her, vom Staub ist nur noch wenig zu sehen. Dann senkt sich der Staubsauger hinunter und rollt zehnmal hin und her. Am Ende wird gewogen, wie viel Staub sich in der Tüte befindet. Jede Art von Einflussnahme durch Hersteller wird vermieden, die Namen der Tester dürfen nicht genannt werden. So testet die Stiftung Warentest.

Hier in Chemnitz testen Ingenieure Staubsauger für die Stiftung Warentest. In einem geheim gehaltenen Labor, das nur alle paar Jahre seine Pforten öffnet. "Tester sind eine spezielle Sorte Mensch. Die müssen penibel sein", sagt Holger Brackemann, der Bereichsleiter der Abteilung Tests bei der Stiftung Warentest. Viele Tester sind wissenschaftlich gebildet und haben Maschinenbau studiert.


Toast mit "14 shades of brown"

"Man muss sehr akribisch sein und darf nicht gelangweilt sein von den Details", sagt Prüferin Carla Tenner, deren echter Name nicht genannt werden darf. "Oft müssen wir die Tests auch wiederholen." Tenner zum Beispiel betreibt einen Bräunungsmessstand für Toast aus Mikrowellen. "Da haben wir es zu tun mit 14 shades of brown", sagt sie. "Vier ist ungetoastet, 17 ist verbrannt." Grundlage sind "Kalibrierungskacheln", die das Gerät selbst einnorden.
Die Stiftung Warentest sagt nicht, welche Labors sie für die Tests einsetzt. Jede Art von Einflussnahme durch die Hersteller soll dadurch vermieden werden. Es sind auch niemals eigene Labors, sondern rund 100 Institute, einige davon auch im Ausland. Meist sind sie klein und hoch spezialisiert.

"Selbst die Zusammensetzung des Staubs wird definiert und normiert", staunt Anita Stocker, erst seit einigen Monaten Chefredakteurin der Zeitschrift Test, bei ihrem ersten Besuch in einem Labor. Bei Geschirrspülern legt es genau die "Anschmutzung" fest, die dann maschinell aufgebracht wird, wie es im Prüferdeutsch heißt, damit alle Geräte die gleiche Aufgabe bekommen. Bei Tassen wird Tee eingefüllt und nach einiger Zeit maschinell abgesaugt, um Ränder zu erzeugen.


Königsdisziplin ist die Dauerprüfung

"Die Dauerprüfung ist die Königsdisziplin", sagt Brackemann. Ein Staubsauger muss etwa 600 Stunden am Stück durchhalten. Aber in diesem Labor in Sachsen wird auch getestet, wie es der Sauger aushält, über eine Türschwelle zu poltern oder an einen Türpfosten zu knallen. 10.000 Mal ist hier die Norm, was 10 Jahren Betriebszeit entspricht. Die Sachsen stellen den Sauger auch unter eine spezielle Haube und prüfen, ob der eingesaugte Staub nicht hinten oder an den Seiten wieder herausfliegt - was vorkommt. "Wir zählen die einzelnen Staubkörner, mit einem optischen Verfahren", sagt Karl Müller, dessen richtiger Name auch nicht genannt werden darf.


Manchmal gibt es Ärger mit Herstellern

In einem hellbeigen Raum mit grünem Betonboden sind durchsichtige Plexiglasscheiben schräg aufgehängt, als handele es sich um eine Kunstinstallation. Sie sollen viel Hall erzeugen, für die Geräuschmessung der Sauger. Bei den Waschmaschinen kommen normierte Dreckstreifen aus der Schweiz von einer Spezialfirma, das normierte Waschmittel aus Westfalen. Die Prüfer legen die Latte absichtlich hoch. Sie quälen die Geräte so, dass die besten es knapp geschafft haben. Sie wollen damit eine Spreizung der Ergebnisse erreichen, dass also möglichst nicht die gleichen Noten herauskommen, sondern unterschiedliche Ergebnisse. Nur das bietet dem Verbraucher eine Orientierung.
"Es gibt manchmal Ärger mit den Herstellern, die uns vorwerfen, wir verlangten mehr als die Gesetze. Aber so ist es nun einmal", sagt Brackemann. Die Urteile trügen dazu bei, die Qualität der Produkte in Deutschland hoch zu halten. Der Handel werfe als mangelhaft getestete Geräte oft aus seinem Programm. Gekauft werden die Produkte immer anonym im normalen Handel, von fest angestellten Mitarbeitern. Sie bezahlen in bar, damit die Spur nicht zur Stiftung zurückverfolgt werden kann.


Wer es in Deutschland schafft, schafft es überall


"Ein koreanischer Hausgerätehersteller hat mir mal gesagt, wenn wir nach Europa kommen gilt: Wer es in Deutschland schafft, schafft es auch in den anderen Ländern", sagt Brackemann. Denn erstens kauften die Deutschen vor allem eine gute Qualität, und dann wollten sie die Geräte auch noch billig. "Solange unsere Ergebnisse wissenschaftlich korrekt sind, bestehen sie auch vor Gericht", sagt Brackemann. Penibel ist auch das Vorgehen vor den Tests. Rund sechs Monate vor der Veröffentlichung diskutiert die Stiftung Warentest in ihrem Fachbeirat über die Marktlage mit Verbraucherschützern, Prüfern, Herstellern und Handel. Nach den Tests können die Anbieter Einsicht in die Ergebnisse nehmen und dazu Stellung beziehen, bevor die Veröffentlichung erfolgt.


Fünf bis sechs Prozesse muss die Stiftung Warentest nach eigenem Bekunden im Jahr führen. Noch nie sei sie zu Schadenersatz verurteilt worden. "Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rät den Firmen in einer Handreichung ausdrücklich, gegen uns nicht vor Gericht zu gehen. Mit der Begründung, die Firmen hätten ohnehin keine Chance", sagt Brackemann mit breitem Grinsen. Und das Ergebnis? "Selten gibt es gute Sauger unter 100 Euro. Von Hartböden kann fast jedes Gerät etwas absaugen, aber beim Teppich, da entscheidet es sich", sagt Brackemann. Am weinroten Normteppich "Wilton" scheitern viele. Mehr als 80 Prozent Staub schafft ohnehin kein Sauger.

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