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Tiere: Diese Tierarten sterben vor unserer Haustür

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Bedrohte Tiere  

Diese Tierarten sterben vor unserer Haustür

06.06.2014, 14:54 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Tiere: Diese Tierarten sterben vor unserer Haustür. Der Maulwurf ist hierzulande bedroht. (Quelle: dpa)

Der Maulwurf ist hierzulande bedroht. (Quelle: dpa)

Klimawandel, fehlende Rückzugsmöglichkeiten sowie ein zunehmender Mangel an Futter und Biotopen sind schuld, dass immer mehr Tierarten stark bedroht sind. Nicht nur exotische Tiere wie Löwen, Elefanten oder Nashörner sind betroffen. Das Sterben beginnt direkt vor unserer Haustür. Wir haben Magnus J. K. Wessel, den Leiter des Bereichs Naturschutz und -koordination vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) gefragt, welche Arten aus Garten und Feld besonders stark gefährdet sind. Unter anderem droht dem Feldhamster das Aus und über einen Maulwurf im Garten sollte man sich nicht ärgern.

Wie gravierend das Artensterben ist, wissen nur wenige. "Wir haben in Deutschland schätzungsweise bis zu 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten verloren, die hier ursprünglich vorkamen", bedauert Wessel. Eines der am stärksten gefährdeten Tiere ist der Feldhamster. Er ist deshalb auch auf der Roten Liste gefährdeter Arten zu finden und kommt in Deutschland nur noch in einigen Regionen Süd- und Mitteldeutschlands vor. Und selbst dort gehen die Bestände zurück: Waren es vor 30 Jahren noch rund zehn Tiere pro Hektar, kommt man heute nur noch auf einen Hamster, wie die Deutsche Wildtierstiftung berichtet.

Mähdrescher bedroht den Feldhamster

"Ihm fehlt die nötige Nahrung, da nach der Ernte kaum noch etwas für ihn übrig bleibt und er kaum Möglichkeiten findet, seinen Bau zu graben", erklärt der Naturschutzexperte. Zudem bedrohen ihn Mähdrescher und andere Erntemaschinen: "Der Feldhamster ist nachtaktiv, das heißt, er schläft am Tag und kann nicht flüchten, wenn die Maschinen kommen. Er wird mit seinem Bau umgepflügt und totgefahren."

Massentierhaltung drängt Vögel zurück

Auch Vögel leiden unter den fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und Futterquellen. "Gefährdet sind insbesondere alle Vögel, die auf Wiesen und Weiden angewiesen sind", sagt Wessel. Besonders rückgängig sei die Feldlerche. "Die Flächen sind so stark bewirtschaftet, da bleibt kein Platz mehr für die Tiere." Ein Problem sei auch die Massentierhaltung, denn irgendwo müsse das Futter für Schwein und Rind ja herkommen, kritisiert Wessel und macht sich für weniger Fleischkonsum stark: "Wer für ein Schnitzel nur 50 Cent ausgibt statt fünf Euro, zerstört die biologische Vielfalt und hilft der industriellen Massentierhaltung. Wer nur den traditionellen Bio-Sonntagsbraten genießt, trägt einen wichtigen Teil zum Schutz der Vögel bei und ernährt sich gesünder."

Fledermäusen fehlt der Unterschlupf

Auch der Kiebitz und die Rauchschwalbe sind in ihrem Bestand stark zurückgegangen. Die Rauchschwalbe braucht alte Gebäude und Nischen, in die sie sich zurückziehen kann und schlammige Pfützen um Nester zu bauen. Doch immer mehr dieser Unterkünfte werden abgerissen und moderne Häuser errichtet, die keine Schlupflöcher bieten. Dieses Los trifft auch die Fledermäuse. Ihnen fehlen ebenfalls Behausungen. "Bei Fledermäusen ist es immerhin gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Haus, in dem die Tiere leben, auch nach einer Renovierung wieder einen Schlafplatz für die Tiere bieten muss", erklärt der Leiter. Trotzdem fehlen ausreichend neue Plätze.

Und auch in den Wäldern fehlen Rückzugsorte. Die Bechsteinfledermaus beispielsweise braucht alte, morsche Bäume, in die sie sich zurückziehen kann, aber auch die sind Mangelware, wie der Experte weiß. Zudem ist es ein Problem, dass es immer weniger Insekten gibt. "Die Fledermaus ist nachtaktiv. Nimmt der Bestand der nachtaktiven Insekten ab, hat die Fledermaus nichts zu fressen."

Bienen sind weiter auf dem Rückzug

Den Bienenbestand beobachtet Wessel ebenfalls kritisch: "Honigbienen und Wildbienen finden immer weniger zu fressen. Außerdem wird ihre Orientierung durch Pestizide gestört, sie finden oft nicht mehr den Weg zurück in den Bienenstock." Auch die Varoa-Milbe bedrohe die Tiere. Wichtig ist, dass man auf den Schutz beider Bienenarten achtet. "Nimmt man 50 Honigbienen und 50 Wildbienen, sind diese zusammen viel effektiver als 150 Honigbienen", weiß der BUND-Experte. Das liege daran, dass Wildbienen allein unterwegs sind und ihre Biologie deshalb so ausgelegt ist, dass sie besonders effektiv Blütenstaub sammeln. Doch den Tieren fehlt die Nahrung. "Die Wildbienen haben zwei bis drei Wochen volle Rapsfelder und dann kommt für den Rest des Jahres nichts mehr. Es fehlen einfach die Wildblüten und das ist ein Problem", betont Wessel.

Laut dem Naturschützer helfen spezielle Saatmischungen für Bienen zwar, das Gröbste abzufedern. Doch das Sterben können sie nur bedingt aufhalten. Der Experte sieht in der Landwirtschaft das Hauptproblem, da für die Felder Wiesen und Tümpel zerstört werden und der Wildblumenbestand so immer weiter schrumpft. "Wenn wir nichts tun, sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen", warnt Wessel.

Pfauenauge fliegt immer seltener

Amphibien, wie beispielsweise der Grasfrosch oder die Geburtshelferkröte, sind ebenfalls gefährdet. Ebenso Libellen und Schmetterlinge: Laut Wessel ist der Ameisen-Bläuling, der in Ameisenhaufen seinen Rückzugsort findet, immer weniger anzutreffen.  Und auch das beliebte Pfauenauge ist von dem Rückwärtstrend betroffen. "Denn auch wenn die Tiere selbst dem Klimawandel relativ robust gegenüberstehen, ist es ein Problem, wenn die Pflanzen da nicht mitkommen", sagt Wessel. Es fehle einfach an Wiesen, Tümpeln und ausreichend Futterquellen. "Zudem droht Kröten der Tod auf den Straßen", ergänzt der Experte.

Jeder kann etwas für den Naturschutz tun

Doch was können wir tun? Wer einen Garten hat, hat besonders viele Möglichkeiten. Neben dem Pflanzen von Wildblumen für die Bienen, freuen sich diese auch über Sandhaufen, in dem sie Unterschlupf finden. Reisig- und Laubhaufen bieten Igeln und Vögeln Versteckmöglichkeiten. Über einen kleinen Teich freuen sich Vögel, Frösche und Libellen. Eine saftige Wiese mit vielen Blumen kommt ebenfalls viel besser an als ein gemähter Rasen. Zudem sollte man auf jede Art von Spritzmitteln verzichten.

Maulwurf nicht verjagen

Und wer einen Maulwurf im Garten hat, sollte sich nicht ärgern: "Zieht der Maulwurf im Garten ein, ist das ein Zeichen für einen guten Boden", sagt Wessel. Von Versuchen, den Erdbewohner loszuwerden, rät er ab: "Am besten ist es, wenn man den Erdhügel abträgt und als Blumenerde, beispielsweise für Balkonkästen, benutzt. Die Erde ist perfekt vorbereitet." Zudem fresse der Maulwurf, genau wie der Igel auch, Schädlinge wie Raupen, Schnecken und Engerlinge.

Wer keinen Garten hat, kann auf seinem Balkon Wildblumen pflanzen oder einen Blumentopf vor die Tür stellen. Zudem suchen Naturschutzbünde immer freiwillige Helfer, beispielsweise für die Krötenwanderung.

Helfen lohnt sich

Dass die Hilfen erfolgreich sind, beweisen die sich erholenden Bestände von Eidechse, Wolf und Storch. "Anfang der 90er Jahre gab es in Deutschland nur rund 3.000 Storchenpaare, heute sind es etwa 4.000", freut sich Wessel. "Dort, wo man Geld in die Hand nimmt und sich auf die Tiere und Lebensräume fokussiert, kann man mit Erfolgen rechnen. Das zeigt sich gerade beim europäischen Natur- und Artenschutznetzwerk Natura 2000."

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