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dm stellt Colgate wegen Dentagard-Preiserhöhung an Pranger

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Versteckte Preiserhöhung  

Drogeriemarkt dm stellt Colgate an den Pranger

26.08.2015, 16:00 Uhr | Erich Reimann, dpa

dm stellt Colgate wegen Dentagard-Preiserhöhung an Pranger. Die neue Dentagard-Tube (rechts) ist deutlich kleine als die alte (links). Der Preis blieb allerdings gleich.  (Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg)

Die neue Dentagard-Tube (rechts) ist deutlich kleine als die alte (links). Der Preis blieb allerdings gleich. (Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg)

Eigentlich sollte in dem Regal bei der Drogeriemarktkette dm Zahncreme der Marke Dentagard liegen, die Packung mit 100 Millilitern zum Preis von 75 Cent. Doch der Platz im Regal ist leer. Stattdessen klebt dort ein Schild: "Gleicher Preis bei weniger Inhalt: Da streiken wir! dm."

Dann folgt die Erklärung: Der Hersteller von Dentagard - der Konsumgüterkonzern Colgate-Palmolive - habe die Inhaltsmenge der Tube von 100 Milliliter auf 75 Milliliter reduziert, fordere aber weiterhin den bisherigen Preis. Die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) hat die Zahncreme daher auch zur "Mogelpackung des Monats" gekürt.

Mengenangabe auf der Rückseite versteckt

Nach Ansicht der vzhh ist die Preiserhöhung bei Dentagard besonders dreist, da weder die Rezeptur noch die Aufmachung des Produktes erneuert wurde. Die einzige Veränderung betrifft die Angabe der Füllmenge: Diese war früher auf der Vorderseite zu lesen. Neuerdings ist sie auf der Rückseite versteckt.

Ein oft benutzter Trick

Dm will bei der Preiserhöhung nicht mitmachen. Daher sei die Zahncreme aktuell nicht verfügbar. Deutschlands größte Drogeriemarktkette stellt damit einen ihrer wichtigsten Lieferanten an den Pranger. Ein spektakulärer Schritt, findet der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. "Der Trick, den Inhalt zu verringern, ohne den Preis zu senken, wird im Handel ja öfter benutzt. Aber dass ein Händler die Kunden explizit darauf aufmerksam macht, dass ein Hersteller das Preis-Leistungsverhältnis verschlechtern will, das ist neu."

Der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung, Erich Harsch, bekräftigt auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur: "Wir möchten diese Preiserhöhung nicht an unsere Kunden weitergeben." Es sei auch in Zukunft der Anspruch von dm, "der günstigste Anbieter von Drogeriewaren zu sein", betont Harsch.

Colgate: Preiserhöhung "übliches Vorgehen"

Colgate-Palmolive ist diese neue Offenheit anscheinend nicht geheuer. "Als Hersteller von Konsumgütern ist es ein übliches Vorgehen, Abgabepreise an den Handel an steigende Kosten zum Beispiel für Energie und Rohstoffe anzupassen. Unüblich ist es, uns öffentlich zu Verhandlungen mit unseren Handelspartnern zu äußern", wiegelt das Unternehmen in einer Stellungnahme ab. Und fügt noch hinzu: "Wir hoffen darauf, mit dm eine einvernehmliche Lösung zu finden."

Für den Handelsexperten Fassnacht ist die Taktik des Drogeriemarkt-Riesen dm allerdings gut nachvollziehbar. Der Schritt unterstütze das Image von dm als ehrliches Unternehmen und setze Colgate-Palmolive unter Druck, meint er. Und wahrscheinlich sei auch die Hoffnung damit verbunden, dass die dm-Handelsmarke Dontodent davon profitiere.

Preiskampf mit Aldi

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg begrüßt den Schritt ausdrücklich. Verdeckte Preiserhöhungen seien für viele Verbraucher ein Ärgernis. Sie fühlten sich über den Tisch gezogen. "Dass da mal ein Händler Position bezieht, finden wir gar nicht so unsympathisch." Allerdings habe auch dm in der Vergangenheit bei ähnlichen Versuchen von anderen Markenartiklern durchaus mitgezogen.

Dass dm jetzt viel aggressiver reagiert, könnte auch mit der jüngsten Offensive des Discount-Marktführers Aldi zu tun haben. Der Discounter nimmt immer mehr Markenprodukte in sein Angebot auf und bringt damit die Preise auf breiter Front ins Rutschen. "Das sorgt nicht nur bei den klassischen Supermärkten, sondern längst auch bei den Drogerieketten für Nervosität. Umso wichtiger ist es für dm, seinen Ruf als ehrlicher Anbieter mit gutem Preis-Leistungsverhältnis zu verteidigen", meint Fassnacht.

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