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Wein: Die wichtigsten deutschen Wein-Gütesiegel

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Wein-Gütesiegel  

Die wichtigsten deutschen Wein-Gütesiegel

15.02.2010, 11:33 Uhr | Uwe Kauss

Wein: Die wichtigsten deutschen Wein-Gütesiegel. Wein-Gütesiegel: Wie man besonderen Wein am Etikett erkennt (Foto: imago)

Wie man besonderen Wein am Etikett erkennt (Foto: imago)

Wie erkennt der Weinfreund auf den ersten Blick, ob ein Wein etwas besonders Gutes bietet? Ein Label, ein Siegel oder eine bestimmter Begriff schafft schnell Klarheit - so wollen es die Marketingexperten. Doch zu viel tut nicht gut: Deutscher Wein kann derzeit mit über einem Dutzend verschiedener Siegel und Qualitätsbegriffe bezeichnet werden, die wenig gemein haben. Wir erklären, was sich hinter ihnen verbirgt.

Rot, gelb oder grün - die Farbe verriet den Grundcharakter

In den 70er-Jahren war die Welt deutscher Weine ganz einfach zu verstehen. Es gab schlichten Tafelwein auf dem Jahrmarkt, man trank Qualitätswein als Schoppen zum Essen, und wenn’s was Besonderes sein sollte, öffnete man einen eleganten Kabinett oder die milde Spätlese. Das „Deutsche Weinsiegel“ in rot, gelb und grün zeigte im Ladenregal, welcher Grundcharakter zu erwarten war: Rot für "halbsüß“, grün für "halbtrocken“ und gelb für "trocken“. Doch der deutsche Wein hat sich grundlegend gewandelt, und die alten Maßstäbe gelten nicht mehr. Bessere Anbaumethoden und ein wachsendes Qualitätsbewusstsein der Winzer brachten Qualität und Vielfalt ins Glas.

Siegel möchten das Besondere hervorheben

Doch die ist auf den ersten Blick nur schwer erkennbar: Denn heute kleben über ein Dutzend verschiedene Qualitätssiegel auf Deutschlands Weinflaschen, um das Besondere hervorzuheben. Der sehr deutsche Verbands- und Zuständigkeitsföderalismus hat dazu geführt, dass all diese Bezeichnungen in ihrer Aussagekraft nur schwer bis gar nicht miteinander vergleichbar sind - eine allen zugrunde liegende Systematik gibt es nämlich nicht: Einige Siegel dürfen nur Mitglieder eines Verbandes tragen, andere werden nur in einzelnen Anbaugebieten vergeben. Das macht die Sache nicht leichter. 

Das Weingesetz schafft Verwirrung

Noch immer gültig sind die Güteklassen des Weingesetzes von 1971 - etwa Qualitätswein, Prädikatswein, Kabinett, Spät- und Auslese. Doch die sind kein Maßstab für gute Qualität, denn ihnen liegt vor allem der Restzuckergehalt des Weins zugrunde. Ein als Spätlese klassifizierter Wein muss demnach deutlich mehr Restzucker enthalten als ein Qualitätswein - wie er an- und ausgebaut wurde oder ob er auf einem besonders günstig gelegenen Weinberg gewachsen ist, belegt diese Klassifikation nicht. Das hat zur Folge, dass grottenschlechte Auslesen ebenso zu haben sind wie fantastische Qualitätsweine.

Viele Zeichen für guten Wein

Mittlerweile konkurrieren zudem über ein dutzend Zeichen, Siegel und Begriffe um die Gunst der Kunden. Darunter sind "Erste Lage“ und "Großes Gewächs“ des Verbandes Deutscher Prädikatswinzer (VdP), das "Erste Gewächs“ des Rheingauer Weinbauverbandes, "Selection“ und "Classic“ des Deutschen Weininstituts, die Prämierungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG, das bundesweite "Hochgewächs“ und viele regionale Bezeichnungen wie "Charta Rheingau“, "Riesling S“ des Anbaugebietes Mosel, "DC Pfalz“ oder "RS Rheinhessen Silvaner“.

Die "Große Lage“ setzt sich durch

Durchgesetzt haben sich allerdings nur sehr wenige Bezeichnungen - etwa das vom VDP erarbeitete Konzept von Großer Lage und Großem Gewächs. Demnach ist eine "Große Lage“ die deutsche Übersetzung für das französische "Grand Cru“. Damit sind einzelne, streng abgrenzte Weinbergsparzellen definiert, die dem Wein aufgrund der Bodenbeschaffenheit, der Sonneneinstrahlung und dem Mikroklima besonders gute Wachstumsbedingungen bieten. Sie wurden Anfang 2000 von Expertenteams in den Anbaugebieten nach umfassenden Kriterien bestimmt. Aus einer "Großen Lage“ entstehen entweder trockene "Große Gewächse“ (GG), oder, mit mehr Restsüße, eine Große Lage Spätlese oder Auslese. Doch nur etwa 200 Winzer gehören dem Verband an, die etwa vier Prozent aller Weinbergsflächen bearbeiten - und nur sie dürfen diese Bezeichnung auf die Flasche bringen. Denn sie verpflichten sich zudem zur schonenden Handlese, zu ökologischem Traubenanbau und reduzierten Ernteerträgen.  

Eigenmarken ohne juristischen Status

Doch trotz strenger Kriterien bleibt die Sache verwirrend: Die Große Lage und das Große Gewächs sind derzeit nur geschützte Eigenmarken des VdP. Sie haben sich zwar bundesweit faktisch durchgesetzt, sind aber ohne jeden juristischen Status. "Zurzeit weingesetzlich noch nicht zugelassen“ ist daher auf den Etiketten zu lesen.

Bio-Weine mit eigenen Labels

Die verschiedenen Bio-Verbände wie Bioland, Demeter und oder Ecovin führen eigene Labels, um dem Verbraucher auf einen  Blick erkennbar zu machen, dass ausschließlich Trauben aus biologischem Anbau verwendet wurden. Doch auch diese Siegel unterscheiden sich - je nach dem, was die Anforderungen den Winzern vorschreiben.

Ein Ende der Siegelitis ist nicht abzusehen

Als wäre dies nicht schon verwirrend genug, erlaubte Ende Oktober das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (OVG) in Koblenz nach langem Rechtsstreit einem Winzer die Nutzung der Begriffe Réserve, Grande Réserve und Privat-Reserve für Wein eines selbst gesetzten, gehobenen Qualitätsstandards - etwa mit begrenztem Ernte-Ertrag, einem hohen Most­gewicht und mehrjähriger Lagerdauer. Die Gefahr einer Irreführung der Verbraucher bestehe nicht, und der in Frankreich populäre Begriff "Réserve“ sei europarechtlich nicht geschützt. Nun blühen dem Weinfreund möglicherweise wieder neue Qualitätsbegriffe, die wieder das Besondere kennzeichnen. Dass sie sich durchsetzen, ist ob der Siegelitis beim deutschen Wein kaum zu erwarten. Es gibt schließlich schon zu viel ganz Besonderes.

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