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Weinkeller oder Weinkühlschrank: Wie lagert man Wein richtig?

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Weinkeller oder Weinkühlschrank: Wie lagert man Wein richtig?

04.01.2011, 09:14 Uhr | dapd, dapd

Weinkeller oder Weinkühlschrank: Wie lagert man Wein richtig?. Weinkeller oder Weinkühlschrank: Wie lagert man Wein richtig? (Foto: imago)

Weinkeller oder Weinkühlschrank: Wie lagert man Wein richtig? (Foto: imago)

Ausgereifte Weine bekommt man im Handel nur selten. Deshalb kaufen Weinliebhaber junge, edle Weine, die noch weit von ihrem eigentlichen Potenzial entfernt sind und gelagert werden müssen. Bei fachgerechter Lagerung sind gute Exemplare noch über Jahre und Jahrzehnte haltbar. Aber wie lagert man Wein richtig? Hier finden Sie Lagertipps.

Wo findet man optimal Lagerbedingungen?

"Traditionell heißt es 'Wein gehört in den Keller'. Das liegt aber auch daran, dass es früher keine andere Lagermöglichkeit gab", erklärt Johannes Steinmetz, Leiter Schulungsbereich der Deutschen Wein- und Sommelierschule in Koblenz. Heute könne man optimale Lagerbedingungen auch technisch erzeugen. "Viele moderne Keller bieten auch gar keine guten Lagerbedingungen für Wein mehr", ergänzt der Experte.

Wein mag es kühl und feucht

Wichtig sei nämlich, dass der Wein bei konstant niedriger Temperatur und ebenfalls gleichbleibender hoher Luftfeuchtigkeit gelagert werde. "Ideal sind Temperaturen zwischen zehn und zwölf Grad und eine Luftfeuchtigkeit von über 75 Prozent." Das ist in den trockenen, meist geheizten Neubaukellern nicht gegeben. "Da ist oft ein Weinkühlschrank die bessere Alternative", sagt Steinmetz.

Welcher Schrank ist der Richtige?

Im Handel gibt es Schränke für verschiedene Anforderungen. In Lagertemperaturschränken kann man die Flaschen langfristig in der optimalen Temperatur aufbewahren. Hier können jedoch Rot- und Weißweine nicht gemischt werden, da sich nur eine Temperatur einstellen lässt. In Mehrzonenklimaschränken dagegen ist Platz für unterschiedliche Weine: "Oben, wo es am wärmsten ist, liegen die Rotweine, weiter unten die Schaum- und Süßweine und ganz unten, an der kältesten Stelle, die gehaltvollen Weißweine."

Temperatursprünge sind Gift für edle Weine

Im Keller seien Temperaturschwankungen ein Risiko für den Wein, erläutert der Sommelier: "Temperatursprünge mag der Wein gar nicht. Erwärmt er sich, dehnt er sich aus, kühlt er ab, zieht er sich wieder zusammen und saugt Sauerstoff an." Dies ist besonders bei Weinen, die mit Naturkorken versehen sind, ein großes Problem. Weine mit Schraub- oder Glasverschlüssen sind hier besser geschützt. Sie müssen auch nicht mehr liegend aufbewahrt werden. Dennoch spreche vieles für Naturkorken. Er ermögliche die weitere Entwicklung des Weines auf der Flasche: "So können Weine mit Individualität und Charakter entstehen, etwas Einmaliges und Unaustauschbares eben."

Das Küchenregal taugt nur für den Tagesbedarf

Unabhängig vom Verschluss sollte Wein auf keinen Fall langfristig bei Temperaturen über 20 Grad aufbewahrt werden, denn das beeinträchtige die Weinentwicklung. "Das Weinregal in der Küche oder im Wohnzimmer mag romantisch und stimmungsvoll sein - für den Wein ist es langfristig nicht das richtige, das ist eher was für den Tagesbedarf", sagt Steinmetz. Es spreche aber nichts dagegen, den Wein für ein Essen oder einen gemütlichen Abend mit Gästen in der Küche zwischenzulagern: "Der Weißwein kann dann in den Kühlschrank, der Rotwein in ein Zimmer mit nicht zu hoher Zimmertemperatur."

Licht und Gerüche beeinträchtigen die Qualität

Auch Gerüche können dem Wein schaden. "In einem Ölkeller sollte man Wein nicht unterbringen, auch nicht zusammen mit Farben, Lacken oder Zwiebeln lagern." Ebenso wenig mögen die edlen Tropfen Helligkeit: Das gelte vor allem für feinfruchtige Weißweine. Den Wein einfach in den Kisten zu lassen, sei aber, zumindest bei Pappkartonagen, auch keine Ideallösung: "Wenn die länger in einem feuchten Keller liegen, fangen sie an zu modern, und dann sind wir wieder beim Problem Geruchsbeeinträchtigung." Man kann sich aber in hellen Kellern mit schwarzen Abdeckfolien behelfen.

Die ideale Lagerstätte für Wein: ein Gewölbekeller

Als traditionelle - und nach wie vor ideale - Lagerstätte für Weine gilt der Erd-Gewölbekeller. "Das Gewölbe unterstützt die Luftzirkulation", erläutert Eva Lindner, deren Familienunternehmen in Cham sich auf den Bau von Gewölbekellern spezialisiert hat. "Bei geraden Decken bleibt die warme Luft oben hängen, in einem Gewölbe mit entsprechendem Zu- und Abluftsystem zirkuliert sie und es findet ein ständiger Luftaustausch statt." Zudem herrscht in Kellern, die von beiden Seiten und von oben von Erdreich umgeben sind, ein konstantes Klima mit ganzjährigen Temperaturen von sechs bis zehn Grad. Liegt der Keller unter in einem freistehenden Haus, sind noch Temperaturen von etwa zwölf Grad erreichbar - zur Lagerung von Obst und Gemüse zu warm, für Wein aber optimal.

Stilvolles Ambiente und ideale Lagerbedingungen

Ein solcher Lagerkeller müsse aus Materialien gebaut werden, die Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben können, ideal seien Ziegel. "Das funktioniert nach demselben Prinzip wie Hydrokultur bei Pflanzen: Die Wände und der Boden speichern Feuchtigkeit und geben sie bei Bedarf wieder ab", erklärt Lindner. So besteht auch keine Schimmelgefahr, wie man sie aus anderen Natursteinkellern kenne, deren Wände bei Temperaturschwankungen zu schwitzen beginnen. Mit einem schrägen Eingang versehen, könne der Erdkeller komplett im Grundstück "versenkt" werden, so dass keine Fläche verloren gehe. "Wer in einer Hanglage wohnt, kann den Keller auch in den Hang setzen", rät Lindner. Ein solcher Gewölbekeller biete nicht nur ideale Lagermöglichkeiten, sondern auch ein stilvolles Ambiente, die guten Tropfen zu genießen - und Stromausfälle oder technische Pannen können den edlen Weinen nichts anhaben.

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