07.01.2013, 10:45 Uhr | cme
Detox-Kuren liegen im Trend. (Quelle: imago)
Es klingt nach Frühjahrsputz für den Körper: So genannte Detox-Kuren sollen Giftstoffe aus dem Körper spülen, den Körper entlasten und neue Energie bringen. Um das zu erreichen, verzichten Detox-Anhänger auf Süßigkeiten, Fleisch und Alkohol und versuchen, die Entgiftung mit Darmspülungen, Salzbädern oder Spezialprodukten zu fördern. Doch kann das wirklich funktionieren? Wir haben Professor Thomas Zilker, Leiter der Toxikologie an der TU München befragt.
Im Frühjahr werden wieder überall Detox-Präparate angeboten, von Darmspülungen über Salzbäder und pflanzliche Mittel bis hin zu kompletten Detox-Kuren. Die Produkte haben eins gemeinsam: Sie versprechen Hilfe bei der Entgiftung des Körpers. Doch laut Thomas Zilker ist das völliger Unsinn: "Der Körper detoxifiziert sich permanent selbst", sagt der Toxikologe. "Wenn der Körper Gifte in nennenswerten Mengen speichern würde, würden wir das nicht überleben", so der Experte.
Unser Körper wird zwar täglich mit zahlreichen giftigen Substanzen konfrontiert. Die meisten Stoffe stammen jedoch aus dem eigenen Stoffwechsel, daneben gelten auch Medikamente und Alkohol als potenziell schädlich. Umweltgifte aus dem Essen und der Luft machen dagegen nur einen kleinen Teil der Schadstoffe aus. Unter normalen Umständen verfügt der Körper über ausgeklügelte Mechanismen, um die Giftstoffe zu entsorgen. Den größten Teil der Entgiftung übernehmen Leber und Nieren. Die Leber baut beispielsweise Alkohol, Medikamente und auch einen Teil der Umweltgifte ab. Andere Substanzen werden über Niere und Urin ausgeschieden.
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Doch wie sollen die Detoxmittel überhaupt wirken? Ein Teil der Mittel wirkt abführend, andere sollen die Urinproduktion steigern. "Früher nahm man an, dass Abführmittel die Giftstoffe aus dem Körper schwemmen", sagt Zilker. Studien hätten aber gezeigt, dass sowohl Abführmittel als auch Diuretika - also harntreibende Mittel - die Ausscheidung der Giftstoffe nicht erhöhen. Stattdessen würde der Urin beziehungsweise der Stuhl einfach nur verdünnt. "Das Gift geht leider nicht schneller raus", so der Toxikologe.
Noch weniger Sinn machen dem Experten zufolge Salz- oder Saunabäder, die über die Haut entgiften sollen. "Über den Schweiß wird nur ein sehr geringer Anteil an Giftstoffen ausgeschieden", sagt Zilker. Das ändert sich auch nicht, wenn man die Schweißproduktion erhöht.
Ein Teil der Detox-Kuren funktioniert ähnlich wie das Fasten: Durch eine verringerte Fett- und Kalorienaufnahme sollen das Gewicht reduziert und Schlacken ausgeschwemmt werden. Doch auch das stimmt nur bedingt. Tatsächlich baut der Körper während einer Fastenkur Fettgewebe ab. Doch als Folge entstehen laut Zilker vermehrt schädliche Fettabbauprodukte, die den Körper eher be- als entlasten. Wer sich durch das Fasten besser fühlt, dann aus dem Grund, dass man Gewicht verliert und Blutdruck und Blutzuckerwerte sinken.
Quelle: cme
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