Vitamine
Braucht man im Herbst mehr Vitamine?04.10.2011, 14:48 Uhr | cme
Kaum sinken die Temperaturen, schnieft und hustet es überall. Viele fragen sich: Kann ich mit Vitamintabletten mein Immunsystem stärken? Brauche ich im Herbst eigentlich mehr Vitamine? Wir haben Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) gefragt und klären über verbreitete Vitamin-Irrtümer auf.
"Wer zu wenig Vitamin C aufnimmt, leidet unter einer erhöhten Infektanfälligkeit", sagt Isabelle Keller. Allerdings seien die Menschen hierzulande gut damit versorgt. "Vitamin C ist in Deutschland kein Problem", so die Expertin. Schon eine halbe Paprika, eine Portion Erdbeeren oder ein Glas Orangensaft liefere die empfohlene Tagesmenge. Und wer genug davon hat, dem hilft eine zusätzliche Portion Vitamin C nicht. Neue Studien zeigen, dass die Einnahme des Vitamins keinen zusätzlichen Schutz vor Erkältungen bietet.
Anders die Situation bei Vitamin D: "Es gibt nur wenige Lebensmittel, die nennenswerte Mengen Vitamin D liefern", sagt Isabelle Keller. Dazu zählen beispielsweise fettreiche Fische, Leber, mit Vitaminen angereicherte Margarine und Eigelb. Hier könne tatsächlich eine leichte Unterversorgung entstehen, wenn man sich im Herbst und Winter gar nicht im Freien aufhält und nicht ausgewogen isst. Die meisten Menschen könnten dieses Problem aber mit kurzen täglichen Spaziergängen beheben, da Vitamin D unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Säuglinge, Senioren und Kranke hingegen zählen zu den Risikogruppen, die häufig unterversorgt sind. Säuglinge bekommen daher grundsätzlich im ersten halben Jahr Vitamin D-Tabletten verordnet. Auch Senioren, die kaum im Freien sind sollten Rücksprache mit ihrem Arzt halten, ob die Supplemente sinnvoll sind.
Wer allerdings aus Prinzip im Herbst und Winter Vitamintabletten schluckt, tut sich keinen Gefallen. "Das ist definitiv nicht nötig", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Keller. Das Lebensmittelangebot in Deutschland sei ganzjährig unglaublich groß. "Wir haben die Möglichkeit, uns das ganze Jahr über problemlos mit genügend Vitaminen zu versorgen", so die Expertin. Lediglich in speziellen Lebenssituationen könne eine zusätzliche Einnahme sinnvoll sein. Als Beispiel nennt Keller Schwangerschaft und Stillzeit sowie Phasen der Diät oder Krankheit. Dann solle man aber auf jeden Fall einen Arzt um Rat fragen.
Das Problem: Vor allem fettlösliche Vitamine - also die Vitamine A, D, E und K sowie Beta-Carotin - können bei Überdosierung auch schaden. Bislang gibt es für Vitaminpräparate noch keine verbindlichen Höchstmengen, die den Vitamingehalt in Pillen und Pülverchen begrenzen. "Wir befinden uns da rechtlich in einer Grauzone", sagt Keller. Dem Verbraucher bleibt nur der kritische Blick auf die Packung: Erreicht der Vitamingehalt einer Tablette die empfohlene Tagesdosis oder liegt er sogar darüber, ist Vorsicht geboten. Im Zweifel sollte man die Vitaminpillen lieber im Regal liegen lassen.
04.10.2011, 14:48 Uhr | cme
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