15.05.2013, 15:24 Uhr | cme
Zu viel Zucker schadet der Gesundheit - doch sind Honig, Stevia oder Fruchtzucker wirklich besser? Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte bei der DKV Deutsche Krankenversicherung, beantwortet Fragen und gibt Tipps für den Umgang mit Zuckerersatzstoffen.
Der Markt für Zuckerersatz- und Süßstoffe boomt: Fanden die süßen Alternativen zunächst vor allem bei Lebensmitteln für Diabetiker Verwendung, stecken sie heute in vielen Produkten - von Softdrinks über Süßigkeiten bis hin zu Joghurts und Desserts. So hat sich der weltweite Konsum von Zuckerersatzstoffen in den letzten vierzig Jahren mehr als verdreifacht.
Man unterscheidet natürliche Ersatzstoffe, wie zum Beispiel Fructose (Fruchtzucker), Xylit und Sorbit, von künstlichen Süßstoffen, die meist keine Kalorien haben. Die natürlichen Ersatzstoffe kommen unter anderem in süßen Früchten vor. Sorbit wird zum Beispiel als Zuckeraustauschstoff für ‚zahnfreundliche‘ Süßwaren verwendet. "Diese Stoffe schmecken wie Zucker und besitzen eine ähnliche Masse und Süßkraft", erläutert Wolfgang Reuter. "Aber sie liefern weniger Kalorien und haben einen geringeren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.“ Auch die seit 2008 in Deutschland zugelassene Stevia-Süße zählt zu diesen natürlichen Zuckeralternativen.
Fruchtzucker wurde jahrelang in vielen Lebensmitteln eingesetzt - bis einige Studien mit Mäusen zeigten, dass der erhöhte Konsum von Fruchtzucker dick machen kann. Eine ähnliche Wirkung ist bei Menschen zwar bislang nicht bewiesen. Dennoch gilt: Fruchtzucker liefert ähnlich viele Kalorien wie normaler Haushaltszucker. Mit fruchtzuckerhaltigen Getränken, wie Säften oder Schorlen, sollte man daher sparsam umgehen.
Ähnlich verhält es sich übrigens mit Honig: Auch er liefert reichlich Kalorien und ist für die Zähne ebenso schädlich wie Haushaltszucker.
Anders bei Stevia: Der Süßstoff aus der südamerikanischen Pflanze Stevia rebaudiana ist etwa 300 Mal süßer als Zucker, enthält keine Kalorien und verursacht keinen Karies. Trotzdem ist Stevia keine risikofreie Wunderpflanze, die Zucker komplett ersetzt und die Pfunde purzeln lässt. Stevia stand sogar lange Zeit unter Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein. Daher beschränkt sich die Zulassung in Europa auf eine Obergrenze. Die Tageshöchstmenge liegt bei vier Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Daher werden die meisten Lebensmittel mit Stevia mit einem Gemisch verschiedener Süßungsmittel versetzt.
Genussmenschen werden ohnehin kaum begeistert sein. Der Geschmack von Stevia ist gewöhnungsbedürftig. Er erinnert an Lakritz oder kann sogar leicht metallisch sein.
Auch synthetische Süßstoffe, vor allem Aspartam, standen lange in Verdacht, krebsauslösend zu sein. Grundlage für diesen Verdacht ist eine in den 60er Jahren durchgeführte Versuchsstudie mit Ratten, von denen viele an Blasenkrebs erkrankten. „Die Studienergebnisse sind jedoch in dieser Form nicht auf den Menschen übertragbar“, sagt Wolfgang Reuter. „Denn die dort zugeführte Menge an Süßstoffen entspricht in etwa 4.000 Süßstofftabletten oder 20 Kilogramm Zucker pro Tag – eine Menge, die Verbraucher in dieser Dosis in keinem Fall zu sich nehmen könnten.“ In verzehrsüblichen Mengen sei Aspartam also durchaus unschädlich, so der Gesundheitsexperte und verweist dabei auf Studien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
Die Frage, ob Süßstoffe beim Abnehmen helfen können, wird auch unter Experten heiß diskutiert. So gibt es Theorien, dass Süßstoffe dem Gehirn die Aufnahme von Zucker vorgaukeln. Die Folge seien eine erhöhte Insulinproduktion, ein sinkender Glukosespiegel im Blut und damit ein verstärktes Hungergefühl. Das führe dazu, dass man mehr esse und zunehme. Reuter ist allerdings skeptisch: „Trotz zahlreicher Studien zu diesem Thema gibt es keine wissenschaftlichen Belege für eine Gewichtszunahme durch den Konsum von Süßstoffen“, so der Experte. Ein Allheilmittel zum Abnehmen seien Süßstoffe umgekehrt jedoch auch nicht. „Am besten ist eine ausgewogene Ernährung, die Süßes nur in Maßen beinhaltet“, so der Rat des DKV Gesundheitsexperten.
15.05.2013, 15:24 Uhr | cme
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