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Magersucht: Ex-Model Isabelle Caro kämpft gegen Magersucht

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Magersucht:

Der Knochenjob - ein Model im Körperwahn

28.12.2009, 15:03 Uhr | Barbara Hans, Spiegel-Online

 

Magersucht: Dieses schockierende Plakat zeigt das Model Isabelle Caro mit 25 Kilo Körpergewicht. (Foto. Reuters)Magersucht: Dieses schockierende Plakat zeigt das Model Isabelle Caro mit nur noch 25 Kilo Körpergewicht. (Foto. Reuters)

"Ich sah aus wie eine Leiche": Der Kult um Magermodels dominierte die Modeszene der 2000er - und Isabelle Caro wurde zum Symbol eines kranken Schönheitsideals, das Fett als mangelnde Willensstärke verteufelte. Heute kämpft die Französin gegen Magersucht. Doch dem Wahn entkommt sie nicht. Wäre die Sucht, unter der sie leidet, ein Tier, so wäre dieses Tier eine Ratte, sagt Isabelle Caro: "Ein Nager, der fortwährend an Dir knabbert, Dich beißt und Dir weh tut und Dich irgendwann auffrisst." Als die Ratte fast nichts mehr von ihr übrig gelassen hatte, sie dem Tod näher war als dem Leben, zog Isabelle Caro sich aus.

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Mit 25 Kilo Körpergewicht nackt vor der Kamera

Angeblich nur 25 Kilo leicht, ausgemergelt, ein Körper blass und fleischlos, die Haut durchsichtig wie Pergament und schuppig wie bei einem Fisch. Ungeschminkt posierte die Französin vor der Kamera des Starfotografen Oliviero Toscani. Der Italiener hatte in den achtziger und neunziger Jahren mit seinen Werbekampagnen für die Bekleidungsfirma Benetton für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte Toscani einen Aidskranken im Sterbebett gezeigt, zum Tode verurteilte Verbrecher und getötete Soldaten. 2007 inszenierte er Isabelle Caro. Die damals 25-Jährige hatte sich für eine Dokumentation eine Woche lang von einem französischen Fernsehsender filmen lassen. Toscani wurde auf die junge Frau aufmerksam und zeigte ihren knochigen, sehnigen Körper schließlich auf Plakaten, die so groß waren wie Hauswände.

Plakat mit Schockeffekt

Pünktlich zur Mailänder Modewoche 2007 starrten Caros hellblaue Augen weit aufgerissen aus den tiefen Höhlen ihres verzerrt wirkenden Gesichts auf die Besucher der italienischen Schauen hinab. Die Parallele zu Edvard Munchs Bild "Der Schrei" war durchaus beabsichtigt. "No Anorexia", "Keine Magersucht" war auf dem Plakat zu lesen. Es wurde zum Sinnbild einer Zeit, die geprägt war von kranken Körperwelten, von einem Schönheitsideal, das Fett als Inbegriff mangelnder Willensstärke verteufelte und herausstehende Beckenknochen als ästhetisches Ideal und Sinnbild der Selbstdisziplin pries.

"Ich bin mehr als eine Gewichtsangabe"

Einen Abzug der Fotos besitze sie nicht, sagt Caro im Gespräch mit "Spiegel Online". "Aber man kann sie ja schnell im Netz finden." Seit sie für Toscani vor der Kamera stand, ist die Magersucht ihr Beruf. Ein Job, den sie lieber heute als morgen an den Nagel hängen würde, wenn sie nur könnte. Doch sie kann nicht. In der U-Bahn sprechen sie die Menschen an oder im Bus. Ob sie nicht die Magersüchtige sei, wollen sie wissen. Ihren Namen kennen sie nicht. Caro erträgt die Fragen, geduldig, die Krankheit ist zu ihrer Mission geworden. Sie ist es gewohnt, nach ihrem Gewicht gefragt zu werden, wie andere nach ihrem Geburtstag. Ganz so, als gäbe es ein Recht darauf, zu wissen, wie viele Kilo sie vom Tod trennen. "Ich bin mehr als eine Gewichtsangabe, eine Zahl. Ich bin mehr als eine magersüchtige Person. Aber so kennt mich das Publikum, insofern ist es in Ordnung."

Sie kommt nicht von der Rolle der Todkranken weg

Caro hat dem Magerwahn Gestalt gegeben, sie hat der Sucht ihr Gesicht geliehen - jetzt gehört es ihr nicht mehr. Ihr Konterfei ist immer das der Krankheit, die sich festbeißt und nicht mehr loslässt. Caro wäre heute gern eine angesehene Schauspielerin, sie würde sich die Rollen, die sie zu spielen hat, gern aussuchen. Doch auch auf der Bühne hat sie keine Wahl: Sie ist die Todkranke, die Drogensüchtige, die Leiche.

Mit dem Fotografen zerstritten

Wenn man sie nach ihrem heutigen Leben fragt, dann erzählt sie, dass sie im letzten Luc-Besson-Film mitgespielt hat, dass sie jetzt stolze 42 Kilo wiegt. Zuletzt war sie Teil einer Installation bei einer Kunstausstellung. Und sie schreibt ein zweites Buch. Das erste war autobiografisch und beschrieb ihren Weg in die Magersucht. Es ist ihr Lebensthema, es nagt und nagt. 700 Euro zahlte Toscani laut Caro als Gage. Das Verhältnis der beiden ist schlecht, sie werfen sich gegenseitig vor, das Thema Magersucht instrumentalisiert zu haben - um sich selbst in die Öffentlichkeit zu katapultieren. Doch während Toscani sich längst anderen Themen zugewandt hat, kann Caro ihren Körper nicht beiseite legen wie ein entwickeltes Negativ.

Ex-Magermodel erklärt der Magersucht den Krieg

Als "Starlet der Magersucht" hat der Fotograf die Französin einst bezeichnet - weil sie sich für seinen Geschmack zu sehr in der Öffentlichkeit produzierte. "Er hätte es besser gefunden, wenn ich still geblieben wäre." Still wie die Gegenstände, die er sonst in Szene setzt. Doch Caro ist kein Objekt, das man inszeniert, um zu provozieren und anschließend ad acta legt. Sie ist eine Perfektionistin - und was sie macht, macht sie richtig. Sie spielte unter anderem Geige bis zur Perfektion, bestand später locker das Abitur, studierte. Nun hatte sie der Magersucht den Krieg erklärt. Und Krieg führt man nicht im Stillen.

Sinnbild für die Verlogenheit der Modeindustrie

Beim Casting sei man noch nett zu ihr gewesen, "aber beim Fotoshooting war die Stimmung so kalt. Toscani hat nicht versucht, mich zu unterstützen, obwohl die Situation für mich so schwierig war." Rückblickend sagt sie, Toscani habe sie und die Krankheit nur benutzt, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen: "Er hat das nur für sich gemacht, für kommerzielle Zwecke. Ich war sehr enttäuscht, fühlte mich bloßgestellt und ausgenutzt." Die Plakate dienten auch als Werbung für das venezianische Modelabel "Nolita". Das Bild der ausgemergelten Caro versinnbildlicht die Verlogenheit der Modeindustrie, die den Magerwahn verbal verteufelt und ihn auf dem Laufsteg in Szene setzt.

Isabelle Caro will aufklären

Sie habe immer nur auf das Leid der Magersüchtigen aufmerksam machen wollen, das sei ihr eine "Herzensangelegenheit", sagt Caro. "Für die Betroffenen würde ich das auch aus heutiger Sicht noch einmal machen, auch wenn es für mich persönlich sehr schwierig war, mit der Aufmerksamkeit umzugehen." Wenn die heute 27-Jährige erzählt, betont sie immer wieder, dass es ihr nicht um sich, sondern die Sache geht. Die Sätze klingen gut und bedeutungsschwer. "Ich hatte die Pflicht, die Menschen aufzuklären und den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Viele Mädchen haben sich mit mir identifiziert, ich hatte eine Vorbildfunktion. Ich hatte keine Wahl außer gesund zu werden. Ich musste kämpfen." Der Kampf gegen die Krankheit, gegen die Ratte, ist ihr Mantra geworden. Gebetsmühlenartig wiederholt sie die immergleichen Sätze.

"Beschämend: Ich sah aus wie eine Leiche"

Caro kennt die Argumente ihrer Kritiker, die ihr Geltungssucht vorwerfen und betonen, die Aufnahmen hätten für erkrankte junge Frauen eben keine abschreckende Wirkung, sondern Vorbildcharakter. "Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich mich inszenieren wollte. Für mich war es peinlich und beschämend, mich so zu zeigen. Ich sah aus wie eine Leiche", sagt Caro - und setzt nach mit einer ihrer Kalenderblatt-Weisheiten, die so glatt sind und so rund, dass man nichts einwenden kann: "Die Kritik hat mich stärker gemacht. Die Leute, die mich kritisiert haben, haben nur meine Kämpfernatur gestärkt."

"Jemand muss zeigen, was Magersucht wirklich bedeutet"

Toscanis Sicht der Dinge ist recht einfach. Dem amerikanischen Sender CNN sagte der Fotograf, die dünnen Models und anorektischen Stars würden Jugendliche zu krankhaftem Essverhalten animieren: "Jemand muss doch zeigen, was Magersucht wirklich bedeutet."

Weiter zu Teil 2:
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