10.08.2011, 10:17 Uhr | dpa/jlu, dpa
Der Selbstmord von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke im Jahr 2009 schockte ganz Deutschland. Doch aus Sicht von Experten sind Depressionen noch immer ein Tabuthema. Die Folge: Nur etwa jede achte Depression wird richtig behandelt, häufig bleibt die Krankheit auch unerkannt. Ob auch Sie an einer Depression erkranken könnten, können Sie selbst feststelle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Test entwickelt, der das Depressionsrisiko einschätzt. Testen Sie hier, ob auch Sie Anzeichen einer Depression zeigen.
In Deutschland leiden schätzungsweise vier Millionen Menschen unter Depressionen, die behandelt werden müssen. "Depressive Störungen werden fälschlicherweise immer noch als Charakterschwäche oder geringe Motivation interpretiert", sagt Professor Detlef Dietrich vom AMEOS Klinikum in Hildesheim. Deshalb wissen nur rund 40 Prozent der Patienten, dass sie betroffen sind. "Hiervon wird wiederum nur ein Drittel richtig und lange genug behandelt", sagt der Arzt. Dies ist aber wichtig: "Vor allem zu Beginn der medikamentösen Therapie mit Antidepressiva heißt es durchhalten und Geduld haben. Denn die Wirkung setzt erst nach zwei bis drei Wochen ein." Der Erkrankte braucht deshalb viel Unterstützung durch den Arzt und sein persönliches Umfeld. Vor allem die Kombination von Medikamenten und einer Psychotherapie sei erfolgversprechend und schütze vor Neuerkrankungen.
Dass immer mehr Deutsche unter einer Depression leiden, führt Dietrich teilweise auf immer mehr Stress, Unsicherheit und Leistungsdruck am Arbeitsplatz zurück. Sei jemand entsprechend veranlagt, könne dies zu einer Depression führen. "Man darf aber auch nicht vergessen, dass auch Arbeitslosigkeit ein sehr starker depressionsauslösender Faktor ist", betont der Mediziner. Eine Arbeit, die Spaß mache und Sinn stifte, sei hingegen eine Art Antidepressivum.
"Die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten werden noch viel zu selten genutzt", beklagt Dietrich. Der Grund: Viele Betroffene gehen mit ihrer Krankheit gar nicht erst zum Arzt. "Wer Hilfe braucht, sollte sich zunächst an seinen Hausarzt wenden, der ihn dann gegebenenfalls an einen Facharzt überweist", empfiehlt der Experte. Hinzu kommt: "Depressionen werden oft von Ängsten, sozialem Rückzug, Antriebsstörungen und Interesselosigkeit begleitet", sagt Dietrich. Deshalb sollten vor allem Freunde und Familie einen Arztbesuch anregen.
10.08.2011, 10:17 Uhr | dpa/jlu, dpa
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