10.08.2011, 10:16 Uhr | jlu/t-online
Egal ob als Saft, Kapseln oder Tabletten: Cranberrys gelten als natürliches Heilmittel bei einer Blasenentzündung. Allerdings wird die Wirkung der roten Beeren offenbar überschätzt, wie eine aktuelle Studie aus den USA zeigt. Doch auch bei anderen Präparaten mit pflanzlichen Inhaltsstoffen konnte die vermeintliche Heilwirkung auf die Gesundheit mittlerweile widerlegt werden.
Für ihre Studie untersuchten Wissenschaftler der University of Michigan 319 Frauen zwischen 18 und 24 Jahren, die an einer akuten Blasenentzündung litten. Bei der Auswahl der Probandinnen achteten die Forscher darauf, dass sich die Frauen im Alter, der Häufigkeit von Blasenentzündungen, sexuellen Kontakten und Verhütungsmethoden ähnelten. Rund die Hälfte der Probandinnen trank zweimal am Tag etwa 200 Milliliter Cranberrysaft, den übrigen Frauen gaben die Forscher ein Placebo-Getränk. Beide Gruppen nahmen ihr Getränk entweder über ein halbes Jahr lang ein oder so lange, bis die nächste Infektion auftrat.
Das Ergebnis: 20 Prozent der Frauen, die Cranberrysaft tranken, bekamen eine Blasenentzündung. In der Placebo-Gruppe erkrankten hingegen nur 14 Prozent. Außerdem ergab die Studie, dass der Saft auch auf die Dauer der Infektion keinen Einfluss hat. Die Untersuchungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift "Clinical Infectious Diseases" erschienen.
Auch gegen Prostatabeschwerden sind zahlreiche Medikamente auf dem Markt, deren natürliche Inhaltsstoffe Linderung versprechen. Das Magazin "Öko-Test" wollte wissen, ob die Präparate helfen und hat 40 rezeptfreie Prostatamittel ins Labor geschickt. Das Ergebnis: Die Hälfte der Mittel konnte nicht überzeugen. Denn sie helfen nur gegen eine Reizblase, eine vergrößerte Prostata können sie dagegen nicht verkleinern. Schlechte Noten gab es beispielsweise für die Präparate "Granufink Prosta Kapseln" von GlaxoSmithKline, "Doppelherz aktiv Sabal-Kürbiskapseln Prosta" von Queisser und "Prostamed Kautabletten" von Dr. Gustav Klein: Die Wirkstoffe Kürbissamen und Sägepalmenfrüchte seien zu niedrig dosiert, so "Öko-Test". Eine Wirksamkeit sei deshalb nicht ausreichend belegt.
Ähnliches stellten amerikanische Wissenschaftler von der University of Pittsburgh für die Wirkung von Gingko-Präparaten fest: Sie haben keinen nachweisbaren positiven Effekt auf die geistige Leistungskraft älterer Menschen. In ihrer Studie verglichen die Forscher die Hirnfunktion von 3000 Probanden zwischen 72 bis 96 Jahren. Die Hälfte der Studienteilnehmer nahm zweimal täglich 120 Milligramm Ginkgo-Extrakt ein. Die andere Gruppe bekam ein Scheinmedikament. Spezielle Gedächtnis-Tests sowie Untersuchungen zu Sprache und Aufmerksamkeit ergaben keinen Unterschied zwischen den mit Ginkgo behandelten Patienten und der Placebo-Gruppe.
Auch Echinacea-Mittel halten nicht, was sie versprechen, so das Ergebnis einer weiteren Studie der Universität von Virginia. Laut dem Studienleiter Ronald B. Turner haben Extrakte des schmalblättrigen Sonnenhuts keine klinische Wirkung bei Erkältung: Die Präparate könnten einem Schnupfen weder vorbeugen, noch den Krankheitsverlauf verkürzen, sagen die US-Forscher. Für die Untersuchung infizierten sie über 400 Probanden mit Rhinoviren, einem Erreger, der Schnupfen auslöst. Vor, beziehungsweise während der Infektion bekamen die Studienteilnehmer entweder ein Echinacea-Mittel oder ein Placebo-Medikament. Das Ergebnis: Beide Präparate zeigten keine Wirkung.
Quelle: jlu/t-online
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