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Sexualassistenz: Liebesdienste für Behinderte

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Sexualassistenz: Liebesdienste für Behinderte

07.02.2011, 16:00 Uhr | Judith Féaux de Lacroix

Sexualassistenz: Liebesdienste für Behinderte. Die Sexualassistentin bietet unter anderem Massagen an. (Foto: Archiv)

Die Sexualassistentin bietet unter anderem Massagen an. (Foto: Archiv)

 

Fast jeder Mensch sehnt sich nach Zärtlichkeit, Körperkontakt und nach Sex. Auch dann, wenn er körperlich oder geistig beeinträchtigt ist. Doch dass Menschen mit einer Behinderung sexuelle Wünsche und Bedürfnisse haben, ist für ihr Umfeld oft schwer vorstellbar. Nina de Vries bricht mit ihrer Arbeit ein Tabu: Die Sexualassistentin bietet Liebesdienste für Behinderte an.

Mit erotischen Massagen fing es an

Nina de Vries ist gebürtige Niederländerin. In ihrer Heimat ließ sie sich zur Masseurin und zur Therapeutin ausbilden, bevor sie nach Potsdam zog. Dort bot de Vries zunächst erotische Massagen an. Sie bekam regelmäßig Anfragen von Männern mit einer körperlichen Behinderung, die sich eine Massage wünschten. "Einer hatte die Beine amputiert, ein anderer war querschnittsgelähmt", erzählt de Vries. Sie zögerte nicht, auch diese Aufträge anzunehmen. Das Treffen mit diesen Männern war anders als mit ihren anderen Kunden: "Ich musste mein Tempo drosseln, das war nicht so eine schnelle Geschichte", sagt die Sexualassistentin. "Für manche war diese Massage die erste lustvolle Erfahrung, die sie gemacht haben."

Sexualassistenz ist keine Prostitution

Mit der Zeit begann de Vries, auch Menschen mit geistiger Behinderung zu betreuen. Heute arbeitet de Vries ausschließlich mit behinderten Menschen - überwiegend Männer, aber auch Frauen. Sie nimmt Aufträge in ganz Deutschland, aber auch in anderen Ländern an. "Ich hätte heute keine Lust mehr auf meine frühere Tätigkeit", sagt die Sexualassistentin. In den Begegnungen mit ihren behinderten Kunden gibt es kaum Smalltalk, kein Geplänkel. "Für mich ist diese Ebene viel echter", sagt die 49-Jährige. Obwohl sie ihre Liebesdienste gegen Bezahlung anbietet, sieht de Vries einen großen Unterschied zur Prostitution. Bei der Sexualassistenz gehe es um bewusste, ganzheitliche Sexualität und Sinnlichkeit. Es handele sich dabei nicht um die auf Geschlechtsmerkmale fixierte, mechanische Sexualität, die man eher in der so genannten „normalen Prostitution“ aber auch in vielen Ehebetten finde. Der Mensch und nicht das Geld stehe bei ihrer Tätigkeit im Vordergrund. "Meine Kunden denken nicht: Jetzt habe ich für zwei Stunden bezahlt, die muss ich ausnutzen", erklärt die Sexualbegleiterin. "Sie haben nicht diese versteckte Gier, die ich bei nicht behinderten Kunden manchmal gespürt habe."

Behinderte entdecken ihren Körper

De Vries lässt sich Zeit bei Klienten, die zwar ein klares Signal gegeben haben, eine sexuelle Assistenz zu brauchen, sich aber nicht verbal äußern können. Sie nähert sich schrittweise an. Manchmal sind mehrere Besuche nötig, bevor es zur ersten intimen Berührung kommt. Dabei hält de Vries ihre eigene Grenzen ein: "Kein Geschlechtsverkehr, kein Oralkontakt", sagt sie. Also auch keine Küsse. Die Sexualbegleiterin massiert ihre Kunden, streichelt sie, bringt sie mit der Hand zum Orgasmus, wenn sie das wünschen. Kognitiv beeinträchtigten Menschen gibt de Vries oft über Handführung eine Anleitung, wie sie ihren Körper entdecken können. Bei weiblichen Klienten zeigt sie Berührungen manchmal an sich selbst, ihre Klientin ahmt sie nach. "Das Wissen darüber, wie man masturbieren kann, ist nicht angeboren, wie vielleicht viele Menschen denken", erklärt de Vries. "Manche meiner Klienten wissen nicht, wie sie sich selbst befriedigen können."

Nicht gelebte Sexualität führt zu Aggressionen

Menschen, die sich nicht verbal äußern können, zeigen ihre Gefühle non verbal - zum Beispiel, in dem Sie ihren Pfleger umarmen. Manchmal werden sie auch aggressiv - gegen sich oder ihr Umfeld. In diesen Fällen wird de Vries um Hilfe gebeten. Die Anfragen an die Sexualassistentin kommen meist von Einrichtungen, zum Beispiel Pflegeheimen, seltener von Angehörigen. "Ich habe mich noch nie selbst an eine Einrichtung gewandt und meine Dienste angeboten", erklärt de Vries. Das Honorar der Sexualbegleiterin müssen die Patienten oder deren Angehörige selbst bezahlen. In den Niederlanden übernimmt manchmal das Sozialamt die Kosten.

"Für mich ist jeder Körper ein Wunder"

De Vries hat keine Schwierigkeiten bei der Begegnung mit ihren Klienten. "Meine therapeutische Ausbildung hat mich gut darauf vorbereitet", sagt sie. "Ich denke seitdem nicht mehr in Kategorien wie "normal" oder "behindert". Für mich ist jeder Körper ein Wunder." Allerdings hat sie sich auch mal überfordert gefühlt. "Einmal habe ich einen Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma besucht", erinnert sie sich. "Er schwankte ständig in seinem Verhalten: In einem Moment war er zärtlich, offen und freundlich, dann plötzlich wurde er übergriffig und beleidigend." Damit umzugehen, erwies sich als schwierig: Nach einigen Versuchen brach sie den Besuch ab. "Aber das kommt eher selten vor", betont de Vries.

Kein Tabuthema

Meist hat sie Freude an den Besuchen bei ihren Kunden. "Es ist schön, jemandem etwas geben zu können", sagt de Vries. "Ich bin froh, dass ich mein Geld mit etwas verdienen kann, das mich herausfordert." Über ihre Erfahrungen spricht die Sexualassistentin in Workshops und Vorträgen. Negative Reaktionen auf ihre Tätigkeit habe sie selten erlebt. "Ich gehe damit unbefangen um, das ist kein Tabuthema für mich", erklärt die Sexualbegleiterin. Auch ihr Partner habe mit ihrer Tätigkeit keine Probleme: "Er begleitet mich sogar auf Workshops." Für Vorbehalte gegenüber ihrem Beruf hat de Vries wenig Verständnis. "Ich bedauere es, in einer Gesellschaft zu leben, die zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten trennt."

Kostenloses Info-Material kann man bei Nina de Vries anfordern: nina_devries@web.de

 
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