15.06.2011, 11:08 Uhr | lac
Im Hähnchenfleisch können gefährliche Keime lauern. (Foto: imago)
Tiefgefrorenes Hähnchenfleisch gibt es in jedem Supermarkt zu kaufen. Doch nicht immer kann man das Fleisch bedenkenlos genießen: Reporter des Fernsehmagazins "Panorama Nord" (NDR) haben Tiefkühl-Geflügel getestet - und im Auftauwasser gefährliche MRSA-Keime (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) entdeckt. Diese Bakterien sind multiresistent gegen Antibiotika und deshalb schwer zu bekämpfen.
Das getestete Hähnchen war für 2,65 Euro im Lebensmittelhandel zu haben. So billiges Fleisch stammt höchstwahrscheinlich aus der Massentierhaltung - und dort ist das Risiko der Übertragung von MRSA-Keimen Experten zufolge besonders hoch. Denn auf engem Raum wandern die Keime leicht von einem Tier zum anderen, wie Veterinärmediziner Hermann Focke in dem Fernsehbeitrag erklärt. Um die Tiere vor Krankheiten zu schützen, werden sie ständig mit Antibiotika behandelt. Dadurch können sich jedoch multiresistente Erreger entwickeln, bei denen Antibiotika wirkungslos bleiben. Diese MRSA-Bakterien sind vom Tier auf den Menschen übertragbar - und können ihn todkrank machen, sagte der Chirurg Dr. Burkhard Kursch gegenüber "Panorama Nord".
Der Produzent des getesteten Hähnchens räumte auf Nachfrage der Reporter ein, dass sich im Fleisch multiresistente Keime befänden. Er wies aber daraufhin, dass keine Gefahr für den Menschen bestehe, wenn das Fleisch gut durchgegart werde. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hält den Verzehr erhitzten Fleisches für unbedenklich. Ein Infektionsrisiko gibt es dennoch: bei der Zubereitung. Der Mikrobiologe Wolfgang Witte erklärte im Interview mit "Panorama Nord", dass der Erreger über winzige Schnittwunden an den Händen vom Fleisch in den menschlichen Körper gelangen könne. Wer sicher gehen wolle, solle bei der Zubereitung von Fleisch deshalb lieber Einmalhandschuhe tragen. Denn der MRSA-Fund im Hähnchen ist kein Einzelfall: Das RKI hatte im vergangenen Jahr selbst Tiefkühl-Geflügel untersucht und in einem Drittel der Proben die multiresistenten Keime entdeckt.
MRSA-Keime kommen auch in Krankenhäusern vor. Patienten, die stationär behandelt werden, fangen sich bei dieser Gelegenheit oft diese multiresistenten Krankenhauserreger ein und leiden an schwerwiegenden Folgeinfektionen, die manchmal sogar tödlich verlaufen. Experten äußerten in der Sendung die Sorge, dass MRSA-Bakterien von Tieren auch in Krankenhäuser eingeschleppt werden könnten. Dies wäre fatal: Denn Erreger können voneinander lernen, die Entwicklung weiterer Resistenzen wäre denkbar. Thomas Fein, Facharzt für Allgemeinmedizin, befürchtet gar eine "mikrobiologische Apokalypse": Wenn sich MRSA-Keime immer weiter ausbreiten, sei eine Behandlung von Infektionskrankheiten mit Antibiotika irgendwann nicht mehr möglich.
15.06.2011, 11:08 Uhr | lac
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