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Kryotherapie: Kältebehandlung soll Schmerzen lindern

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Kryotherapie: Mit minus 110 Grad gegen Schmerzen

27.07.2011, 14:17 Uhr | dpa/ cme, dpa

Kryotherapie: Kältebehandlung soll Schmerzen lindern. Kryotherapie: Kältebehandlung soll Schmerzen lindern. (Foto: dpa)

Kryotherapie: Kältebehandlung soll Schmerzen lindern. (Foto: dpa)

Für viele Menschen ist es kaum vorstellbar: freiwillig einige Minuten bei minus 110 Grad Celsius in Badekleidung herum zu laufen. Genau das tut man aber bei einem Besuch einer Kältekammer. In Kliniken oder Praxen werden sie eingesetzt, um Rheuma- oder Schmerzpatienten Linderung zu verschaffen. Leistungssportler nutzen solche Kammern zum Regenerieren und als Trainingsvorbereitung. Die Wirkung der Kammern ist allerdings umstritten.  

Adrenalinkick bei minus 110 Grad

Als echten Kick mit Adrenalin- und Endorphinschub bezeichnen Kammergänger die Erfahrung bei diesen Temperaturen. Eine unklare Datenlage gibt es darüber, wie medizinisch wirksam das Verfahren ist. "Die Methode kommt ursprünglich aus Japan, sie wurde dann für Rheumapatienten mit Schmerzen in den Gelenken entwickelt", sagt der Mediziner Markus de Marées von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Kälte soll Schmerz und Entzündungen hemmen

Die Kammern sind in der Regel zwei mal zwei Meter groß. Meist nähert man sich den minus 110 Grad über zwei Vorkammern mit zunächst minus 10, dann minus 60 Grad Celsius. "In der kältesten Kammer selbst sollte man schnelle Bewegungen vermeiden. Die meisten gehen dabei langsam im Kreis herum." Dabei besteht stets Kontakt nach außen zu den Therapeuten. Je nach Konzept bleiben die Besucher ein bis drei Minuten in der Kälte. Die Haut kühlt sich demnach auf etwa fünf Grad Celsius ab, die Körpertemperatur bleibt aber in der Regel durch Gegenregulation stabil. Durch die Kälte sollen schmerz- und entzündungshemmende Mechanismen in Gang gesetzt werden.

Vorsichtsmaßnahmen gegen die extreme Kälte

Einiges müssen Nutzer beachten, bevor sie in die Kälte schreiten: Sie müssen die Ohren vor den Minusgraden schützen, Handschuhe und Mundschutz tragen. Anfassen dürfen sie nichts. Haare und Haut müssen komplett trocken sein. Pflaster, Kontaktlinsen und Piercings müssen entfernt werden. Und das Herzkreislaufsystem sollte in Ordnung sein. Bluthochdruckpatienten beispielsweise werde von einem Besuch abgeraten, sagt de Marées.

Kurzfristige Leistungssteigerung möglich

Einige Bundesligavereine haben solch eine Kammer in Betrieb genommen. Auch das Bundesleistungszentrum Kienbaum im Umland von Berlin hat eine im Angebot. Dort regenerieren und trainieren Leistungssportler aller Art. "Wenn Sportler 14 Tage bei uns verbringen, dann nutzen sie die Kammer durchschnittlich vier- bis fünfmal in dieser Zeit", sagt Geschäftsführer Klaus-Peter Nowack. Empfohlen werde die Kältetherapie etwa nach einer intensiven Trainingseinheit, um Muskelbeschwerden zu vermeiden. Auch vor einer größeren Belastung nutzen die Sportler die Kälte. Sie gilt laut de Marées als Möglichkeit zur kurzfristigen Leistungssteigerung.

Kälte lindert Rheuma und Schmerzen

Das Immanuel Krankenhaus Berlin, eine Spezialklinik für Rheumaorthopädie, Rheumatologie und Naturheilkunde, hat seit 1989 mehr als 70.000 Kältetherapien bei ambulanten und stationären Patienten angewendet. Laut Frank Ruppenthal, Leiter der dortigen Physiotherapie, kommt das Verfahren unter anderem für Rheuma- und Schmerzpatienten, Menschen mit Schlafstörungen, Depressionen oder Burn-out-Syndrom sowie für Patienten mit Hauterkrankungen infrage.

Erst in die Kälte, dann bewegen

Bei stationärer Therapie sind die Kosten in das Konzept integriert, ambulante Patienten bezahlen in der Regel 20 Euro pro Sitzung selbst. Wo dies möglich ist, würden tägliche Gänge verordnet, etwa 10 bis 15 Mal gehören zu einem Behandlungszyklus. In der Zeit danach sollten sich die Patienten aktiv bewegen, in speziellen Fällen werde die Schmerzfreiheit zu Physiotherapie genutzt.

Nutzen nicht ausreichend belegt

Zur Kältetherapie gibt es eine Reihe von Studien, der Nutzen und die Wirkung sind jedoch nicht eindeutig. "Die Studienergebnisse sind sehr heterogen", sagt de Marées. So sei die Zahl der Studienteilnehmer oft sehr niedrig, die Verweildauer in der Kammer unterschiedlich, und die Kältetherapie werde teilweise mit Medikamenten oder anderen physikalischen Verfahren kombiniert. Ein schmerzhemmender Effekt sei nachweisbar, schreibt Josef Hermann von der Medizinischen Universität Graz in einem Übersichtsartikel in der "Zeitschrift für Rheumatologie". So könne eine Schmerzfreiheit von bis zu zwei Stunden erreicht werden. Es bleibe aber bislang unklar, ob eine Ganzkörperkältetherapie die Krankheitsaktivität der Rheumatoiden Arthritis günstig beeinflussen könne, heißt es weiter. Ein allgemeiner klinischer Einsatz sei wegen der teilweise hohen Abbruchrate von Studienteilnehmern derzeit nicht gerechtfertigt.

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