30.10.2012, 16:12 Uhr | Nina von der Bey
Neurologie: Im Schneidersitz können die Beine einschlafen. (Quelle: imago)
Wer kennt das nicht? Nachts auf dem Arm gelegen, morgens kribbelt er und fühlt sich taub an. Oder zu lange im Schneidersitz gesessen und das Bein ist "eingeschlafen". Doch dahinter kann mehr stecken. Wann Sie zum Arzt gehen sollten.
Schuld an den "eingeschlafenen" Gliedmaßen sind meist Durchblutungsstörungen. Doch auch Druckschädigungen und Entzündungen des Gehirns oder Rückenmarks können dahinter stecken. Wenn es anfängt im Bein zu kribbeln, senden die Nervenfasern Warnzeichen an das Gehirn. Im Normalfall reagieren wir, bewegen den Arm oder das Bein einige Zeit und das Taubheitsgefühl verschwindet wieder. Vorbeugen kann man etwa, indem man im Büro öfter die Sitzposition wechselt und möglichst nicht im Schneidersitz oder mit übereinander geschlagenen Beinen zu sitzt. Wird das Kribbeln durch starke Ablenkung oder sehr tiefen Schlaf nicht beachtet, kann es zu motorischen Schädigungen kommen. Der Nerv wird nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Dadurch erhält der Muskel keine Impulse und es kann zu einer Lähmung kommen. Sie ist meist kurzfristig kann aber "wenn man Pech hat, auch monatelang dauern", sagt Neurologe Uwe Meier, Experte bei den Neurologen im Netz.
Wer häufig oder dauerhaft unter kribbelnden Gliedmaßen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Denn dahinter können ein Bandscheibenvorfall, ein Raucherbein, ein Schlaganfall oder Multiple Sklerose stecken. Wichtig ist es, genau darauf zu achten, wo das Kribbeln auftritt und wie lange es anhält. Tritt es plötzlich halbseitig am Arm und Bein auf, sollte man sofort einen Arzt konsultieren, da dies ein Warnzeichen für einen Schlaganfall sein kann.
"Doch auch mit einem anhaltendem Kribbeln sollte man in jedem Fall zum Arzt gehen", rät der Neurologe. Betrifft das Gefühl nur eine Extremität, könnte es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln, der meistens auch mit starken Schmerzen einhergeht. Tritt das Kribbeln an beiden Füßen auf, handelt es sich häufig um Erkrankungen der langen Nervenbahnen, sogenannte Polyneuropathien. Die Leitfähigkeit der Nerven ist gemindert und sie geben nur noch schwache Befehle an die Muskeln weiter. Auch das Schmerzempfinden ist geschwächt. "Polyneuropathien betreffen häufig ältere Menschen oder Zuckerkranke", so Meier. Auch Alkoholsucht oder die Einnahme von bestimmter Medikamenten können Auslöser sein.
Kribbeln an den Gliedmaßen kann außerdem auf Multiple Sklerose hindeuten. Allerdings sind Gefühlsstörungen bei dieser Krankheit sehr unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, ob noch andere Symptome wie zum Beispiel Schwindel, Geh- oder Sehstörungen auftreten. "Multiple Sklerose heißt auch die Krankheit mit den 1000 Gesichtern", sagt Meier. Wichtig ist es deshalb, alle Anzeichen einem Neurologen detailliert zu schildern und umfassende Untersuchungen machen zu lassen.
Außerdem kann eine sogenannte tomakulöse Neuropathie schuld an den eigeschlafenen Gliedmaßen sein. Bei dieser Erbkrankheit sind die Nerven sehr anfällig für Druckstellen. Sind diese einmal da, hinterlassen sie Quetschungen, die langfristige Schäden verursachen. Der Heilungsprozess kann dann viele Wochen andauern. Häufiges nächtliches Kribbeln im Bein könnte auch auf das Restless Legs-Syndrom hindeuten. Dabei spüren Betroffene besonders bei körperlicher Ruhe in den Beinen den Drang, sich zu bewegen. Auch in diesem Fall kann ein Arzt weiterhelfen.
Quelle: Nina von der Bey
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