07.09.2011, 16:02 Uhr | dpa/jlu, dpa
Bei einer Blutvergiftung droht Organversagen. (Quelle: imago)
Eine Blutvergiftung ist tückisch: Die gefährlichen Keime kommen unbemerkt und lösen einen Flächenbrand im Körper aus. Für viele Patienten endet eine Sepsis deshalb tödlich. In Zukunft könnte die Krankheit immer häufiger zuschlagen, meinen Forscher. Auch die Deutsche Sepsis-Gesellschaft warnt vor einer deutlich steigenden Zahl von Fällen.
Zu einer Blutvergiftung kommt es, wenn Bakterien über offenen Wunden in den Körper eindringen. Dadurch entzündet sich die Haut. Wird die Infektion nicht behandelt, breitet sich das Gift der Keime über die Blutbahn aus und erfasst nach und nach alle Organe. Die Folge: Die Sauerstoffversorgung der Organe verschlechtert sich und der Körper kann lebenswichtige Funktionen nicht mehr aufrechterhalten. Deshalb kann es innerhalb weniger Stunden zu einem Versagen von Niere, Lunge, Leber und Kreislauf kommen.
In der zunehmend älteren Gesellschaft werde Sepsis "eines der Mega-Probleme der Zukunft", sagt Tobias Welte, Vorsitzender der Deutschen Sepsis-Gesellschaft. Beängstigend sei die hohe Sterblichkeit von 30 bis 50 Prozent. Vor allem chronische Erkrankungen und der vermehrte Einsatz von Plastikmaterialien wie Kathetern und Beatmungsschläuchen erhöhten das Sepsis-Risiko. "Die Menschen werden eben nicht gesund älter", betont Welte. Begünstigt werde die Erkrankung auch durch sinkende Zahlen bei Pflegekräften.
Hinzu kommt: Immer häufiger werden auch ältere Menschen operiert, die durch ihr Alter anfälliger für eine Sepsis sind. Zudem können Schwerverletzte heute länger am Leben gehalten werden. Diese massiv geschwächten Patienten sind dann häufig von schweren Infektionen betroffen und oft Opfer einer Blutvergiftung.
Gut zwei Drittel der 70.000 deutschen Sepsis-Fälle entstehen im Krankenhaus - sowohl auf der Intensiv- als auch auf der Normalstation, sagt Frank Brunkhorst, Generalsekretär der Sepsis-Gesellschaft. "Von diesen wären rund 20 Prozent potenziell vermeidbar", ergänzt er. Besonders die Personalknappheit wirke sich auf die Fallzahlen aus.
Wichtig bei der Sepsis-Therapie seien vor allem eine schnelle Diagnose und Behandlung, erklärt der Vorsitzende der Global Sepsis Alliance und Direktor der Jenaer Klinik für Intensivmedizin, Konrad Reinhart. "Nur eine Stunde Verzögerung bei der Gabe des richtigen Antibiotikums lässt die Sterblichkeit um sieben Prozent steigen." Werde ein Patient in der ersten Stunde nach dem Auftreten der Symptome behandelt, liege die Überlebenschance bei 80 Prozent, nach einem Tag nur noch bei 10 Prozent. Wichtig sei daher die Entwicklung besserer Diagnostik-Verfahren. Derzeit lässt sich eine Sepsis mit einem Bluttest nachweisen. Fällt dieser positiv aus, muss der Betroffene auf der Intensivstation behandelt werden.
Wichtigstes Mittel gegen Krankenhausinfektionen ist den Forschern zufolge weiterhin die Händedesinfektion. Vollständig vermeiden kann man einer Blutvergiftung aber nicht. Zudem ist es schwer, die Infektion zu erkennen, denn eindeutige Symptome gibt es nicht. Oft ähneln die Beschwerden einer Grippe: Die Erkrankten haben Fieber, atmen schnell und fühlen sich matt. "Wer zusätzlich unter Bewusstseinsveränderungen wie Halluzinationen oder Verwirrtheit leidet, Atemnot und Herzrasen bekommt, hat wahrscheinlich eine Blutvergiftung", sagt der Mediziner. Ein roter Strich, der von der Wunde zum Herz wandert, ist nur selten ein Zeichen für einen Sepsis. "Er deutet lediglich darauf hin, dass sich in den Lymphbahnen eine Entzündung ausbreitet", erklärt Brunkhorst.
Quelle: dpa/jlu, dpa
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