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Tabletten: Nocebo-Effekt macht krank

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Statt Placebo

Nocebo-Effekt: Wenn der Beipackzettel krank macht

23.08.2013, 13:23 Uhr | mm, stw

Tabletten: Beipackzettel können den schädlichen Nocebo-Effekt verursachen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beipackzettel können den schädlichen Nocebo-Effekt verursachen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Placebo-Effekt ist jedem bekannt: Wenn der Patient nur an die Wirkung glaubt, helfen bereits Tabletten aus Zucker. Daher setzen Ärzte gezielt Scheinmedikamente und -therapien ohne Nebenwirkungen und hohe Kosten ein. Allerdings gibt es auch den umgekehrten Mechanismus: Glauben Patienten an den schädlichen Effekt eines Mittels, können sie davon krank werden. Ärzte sprechen dann vom sogenannten Nocebo-Effekt. Dieser kann bereits durch das Lesen des Beipackzettels eintreten. Wir erklären, was dahinter steckt.

Nocebo statt Placebo

"Nocebo" (übersetzt: "Ich werde schaden") wurde die negative Variante des Placebos von den Wissenschaftlern bereits in den 1960ern genannt. Trotzdem ist der Effekt weniger bekannt. Hat ein an sich wirkstofffreies Präparat beim Patienten schädliche Auswirkungen, liegt es wahrscheinlich an seiner Einstellung und den damit verbundenen, negativen Erwartungen. Denn bereits die Angst vor möglichen Nebenwirkungen, die beispielsweise im Beipackzettel vermerkt sind, können dazu führen, dass sie auch wirklich eintreten.

Die Erwartungen des Patienten sind entscheidend

Ärzte stellen immer wieder fest, dass ein Großteil der unerwünschten Wirkungen unter Medikamenten letztendlich auf die Erwartung des Patienten zurückzuführen sind und nicht auf die Substanz selbst. Denn oft entwickeln Patienten Nebenwirkungen zu einem Zeitpunkt, an dem die Dosis eigentlich noch viel zu gering ist, um zu wirken.

Subjektives Schmerzempfinden

Dass die Erwartungen körperliches Befinden und sogar das Schmerzgefühl beeinflussen kann, belegte bereits eine Untersuchung der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Mainz, die den Nocebo-Effekt untersuchten. 38 gesunde Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt und eine Woche lang einem geringen gleichbleibenden Hitzeschmerz ausgesetzt. Einer Gruppe wurde jedoch mitgeteilt, dass der Schmerz im Verlauf der Tests zunehmen würde. Während bei der anderen Gruppe eine Gewöhnung an den Schmerz einsetzte und dieser dadurch abnahm, zeigten die negativen Erwartungen bei den anderen Auswirkungen: Ihr Schmerzgefühl nahm kontinuierlich zu.

Beipackzettel können krank machen

Wie beim Placebo konnten die Forscher die Wirkung in einem bestimmten Hirnareal nachweisen, es handelte sich also nicht nur um Einbildung. Allerdings gibt es noch keine schlüssige Erklärung seitens der Wissenschaft. Eindeutig ist jedoch: Nicht nur Hypochonder reagieren auf die Informationen von Beipackzetteln oder dramatische Berichte aus dem Internet mit körperlichen Leiden - beziehungsweise mit den befürchteten Symptomen. Das könnte an der psychosomatischen Wirkung liegen oder auch daran, dass Angstgefühle vor möglichen Nebenwirkungen zu akutem Stress führen und dadurch wiederum das Immunsystem geschwächt wird.

Doppelblind-Studien zeigen Nocebo-Effekt

Auch bei sogenannten Doppelblind-Studien für die Neuzulassung von Medikamenten beobachten Ärzte den Effekt. Alle Patienten, unabhängig davon, ob sie diesen Wirkstoff oder ein Placebo erhalten, werden bei diesen Studien über mögliche Nebenwirkungen des Wirkstoffes informiert. Das Resultat: Vor allem die Patienten, die ein Placebo verabreicht bekommen haben, klagen häufig über die ihnen zuvor erläuterten Nebenwirkungen.

Aber nicht nur Beipackzettel können den Nocebo-Effekt auslösen. Er soll auch eine Rolle bei negativen Wahrnehmungen im Zusammenhang mit Funkmasten, Elektrosmog oder Atomkraftwerken spielen. So kann allein die Erwartung einer Schädigung tatsächlich Schmerzen oder Beschwerden auslösen.

Schwerwiegende Fehldiagnosen

Die behandelnden Ärzte spielen auch beim Nocebo-Effekt eine wichtige Rolle. Nicht nur Fehldiagnosen und vertauschte Laborergebnisse können schwerwiegende Folgen haben. Ist der Arzt nicht feinfühlig genug und ängstigt seinen Patienten, anstatt ihm Hoffnung zu machen, kann sich das direkt auf den Erfolg der Behandlung auswirken. Denn die innere Einstellung des Betroffenen ist entscheidet, ob und wie die Behandlung wirkt.

23.08.2013, 13:23 Uhr | mm, stw

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