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"Der Dialyse-Termin ist wie Zähneputzen"

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Organspende  

"Der Dialyse-Termin ist wie Zähneputzen"

14.08.2012, 13:17 Uhr | dapd, dapd

"Der Dialyse-Termin ist wie Zähneputzen". Patientin mit einer kranken Niere an der Dialyse. (Quelle: dapd)

Patientin mit einer kranken Niere an der Dialyse. (Quelle: dapd)

Kristina Gaethje lächelt. Sie ist an ein Dialysegerät angeschlossen und muss nun vier Stunden Geduld haben, bis die sogenannte Blutwäsche beendet ist. Links und rechts von ihr sowie gegenüber liegen ebenfalls Patienten im Nieren- und Hochdruck-Zentrum Kiel. Alle teilen das Schicksal einer Niereninsuffizienz.

Nur eine Woche nach der Geburt ihres Sohnes 2004 erhielt die 35 Jahre alte Kielerin die niederschmetternde Nachricht ihrer nicht mehr leistungsfähigen Niere. "Ich habe eine Woche lang nur geheult", sagt sie. Mehrere Monate lang musste sie anschließend in die Klinik. Zugleich war sie aber froh, dass der Junge ohne Nierenleiden auf die Welt gekommen ist.

Sechs bis sieben Jahre Wartezeit für Spenderniere

Die Mutter steht auf der Warteliste für eine Spenderniere. Erwachsene bis zum 65. Lebensjahr müssten in der Regel sechs bis sieben Jahre auf ihr Ersatzorgan warten, sagt ihr behandelnder Nephrologe Tilman David-Walek. Kristina Gaethje weiß, dass sie eigentlich bald "dran" sein muss.

Unterstützung aus der Familie hat ihr geholfen, das gesundheitliche Handicap bei drei regelmäßigen Dialyse-Besuchen pro Woche zu meistern und das Warten auf das neue Organ zu ertragen. Ihr Ehemann ist Organspendeausweisträger, ihre Schwester muss sie noch überzeugen. Eine Arbeitskollegin hat seit elf Jahren einen Spenderausweis. "Die ist nach dem Organspendeskandal nun total verunsichert", sagt Gaethje.

Verunsicherung nach Organspende-Skandal

"Ich verstehe nicht, dass es da keine Kontrollen gegeben haben soll. Vielleicht müssen nur Externe statt Mediziner Aufsicht und Prüfung des Vorgangs in den Händen haben", sagt sie. Die Kielerin ist eine von derzeit rund 120 Patienten, die für eine Nierenersatztherapie das Nieren- und Hochdruck-Zentrum aufsuchen.

"Für uns ist eine Diskussion über nötige vier oder sechs Augen bei einem anstehenden Transplantationsvorgang weltfremd. Wir als Nierenexperten sitzen immer mit am Tisch neben drei, vier anderen Medizinern", sagt ihr Arzt David-Walek. Er verweist darauf, dass nicht alle Patienten "transplantabel" und damit "operabel" sind. Chronische Entzündungen, eine Tumorerkrankung, Schlaganfallpatienten vertragen sich beispielsweise nicht mit einer Transplantation.

Was viele nicht wissen: Eine Nierenschwäche bis hin zum Nierenleiden ist immer häufiger auch eine Folge der Volkskrankheiten Bluthochdruck und Diabetes, sagt der Experte. Laut David-Walek ist eine Transplantation für Krankenkassen der billigere Behandlungsweg gegenüber den Dialyseverfahren.

Nierenversagen ist tödlich

Wäre die Schweizerin Renata Manzetti 2009 nicht zur Routine-Vorsorgeuntersuchung gegangen, hätte es bei ihr mit einem plötzlichen Nierenversagen enden können. Die 67-Jährige, die seit 44 Jahren in Deutschland lebt, erfuhr ihre Diagnose, als sie noch in Wiesbaden lebte. Inzwischen ist sie in Kiel genauso zu Hause wie im Nieren- und Hochdruck-Zentrum.

"Der Dialyse-Termin ist wie das tägliche Zähneputzen"

Sie kann während ihres Behandlungsaufenthalts Fernsehen schauen, ein Buch lesen oder ihre eigene Musik mit Kopfhörern mitbringen. Sie hat sich an das Prozedere gewöhnt. "Der Dialyse-Termin ist wie das tägliche Zähneputzen - es gehört inzwischen zu meinem Leben und Alltag dazu", sagt die siebenfache Großmutter. Sie steht ebenfalls auf der Warteliste für eine Spenderniere.

Oberhalb des 65. Lebensjahres ist die Wartezeit geringer und liegt laut David-Walek bei durchschnittlich zwei Jahren. "Bei mir in der Familie sind alle Organspender", sagt die Schweizerin. Sie war schockiert über den Organspendeskandal, möchte das Geschehene aber richtig einordnen. "Das sind doch nur Einzelfälle", sagt sie.

Nach Ansicht der Patientin wird seitdem viel strenger geprüft und kontrolliert. "Und genau das sollte doch ein Grund sein, das Vertrauen in der Bevölkerung wieder herzustellen", sagt sie. Gemäß der Statistik muss sie wohl auch nicht mehr allzu lange auf ihr Spenderorgan warten.

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