20.11.2012, 15:42 Uhr | ag
Zeitlupenartige Bewegungen, eine zitternde Hand, ein Bein, das beim Gehen am Boden entlang schleift: Fast jeder kennt die motorischen Symptome von Morbus Parkinson. Allerdings hat die Krankheit viele Gesichter und kann auch mit nicht-motorischen Störungen beginnen. Wir sagen Ihnen, hinter welchen Symptomen sich Parkinson verbergen kann.
Parkinson ist eine langsam fortschreitende, neurologische Erkrankung, bei der die Symptome nicht eindeutig zu erkennen sind. Dabei zerfallen Zellen des Mittelhirns. Sie produzieren dann kein Dopamin mehr, mit dessen Hilfe der Körper normalerweise Bewegungen steuert. Doch schon früher lässt sich die Erkrankung an vielen Kleinigkeiten wie Schulterschmerzen, Schlafstörungen oder Verstopfungen erkennen, erläutert Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. Die Beeinträchtigung des Geruchssinns könne vier bis sechs Jahre vor den ersten motorischen Störungen wie Zittern auftreten. Frühe Anzeichen seien auch depressive Verstimmungen und eine verminderte psychische und physische Belastbarkeit.
Bei rund 70 Prozent der Parkinsonerkrankten treten psychische Symptome auf. Etwa ein Viertel der Betroffenen kann demnach eine Depression entwickeln - oft sind depressive Verstimmungen sogar das einzige Anfangssymptom der Erkrankung. Auch Schlafstörungen, kognitive Störungen sowie Probleme mit Magen und Darm begleiten die Patienten. Daher ist es besonders wichtig, dass die Therapie auch die Behandlung dieser Symptome mit einschließt.
Summieren sich viele Anzeichen, sollte ein Neurologe aufgesucht werden. Je mehr dieser weiß, umso besser kann er die Therapie auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten abstimmen. Die Parkinsonmedikamente stehen dabei in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung - von Tabletten über Injektionen bis hin zu Wirkstoffpflastern, die das Medikament kontinuierlich an den Körper abgeben. Je nach Krankheitsbild kann es auch sinnvoll sein, Tabletten, Injektionen und Pflaster zu kombinieren. Wichtig ist, dass die Therapie über 24 Stunden erfolgt und ein möglichst konstanter Wirkstoffspiegel gewährleistet ist .
Bislang wird Parkinson meist erst erkannt, wenn deutliche Symptome wie Zittern oder Gangstörungen auftreten. Dann sind in der Regel etwa 80 Prozent der Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn abgestorben. Eine frühe Diagnose könne zwar die Therapie nicht wesentlich verbessern, da es keine Möglichkeiten zur Frühbehandlung gebe, sagt der Wiener Parkinson-Experte Dr. Dieter Volc. Allerdings können in diesem Fall früher Medikamente gegeben werden. Zudem sei für Patienten das frühe Wissen über die Krankheit von Vorteil. "Man plant sein Leben anders, wenn man mit 55 weiß, dass man mit 75 an den Symptomen leiden wird", so der Neurologe.
Durchschnittlich sind Betroffene 55 Jahre alt, wenn sie die Diagnose erhalten. Nur fünf bis zehn Prozent der Erkrankungen treten vor dem Alter von 40 Jahren auf. Die neurologische Krankheit ist nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die das fehlende Dopamin ausgleichen können und im Körper eine ähnliche Wirkung haben bzw. im Organismus zu Dopamin umgewandelt werden. Zudem besteht die Möglichkeit operativ eine Stimulationselektrode in das Gehirn einzusetzen. Auch Krankengymnastik sowie eine Sprach- und Schlucktherapie können sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Deutschlandweit leiden nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung e.v. zwischen 240.000 und 280.000 Menschen an Parkinson.
Quelle: ag
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