04.12.2012, 18:15 Uhr | amr, dpa
Ein niedriger Harnsäurewert ist wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden. Normalerweise wird der Harnsäurespiegel im Blut durch Ernährung und Ausscheidung im Gleichgewicht gehalten. Doch viele Menschen scheiden zu wenig Harnsäure aus. Dadurch steigt die Konzentration im Blut und es kann zu Gichtanfällen kommen. Welche Harnsäurewerte normal sind und wie Sie der Stoffwechselkrankheit Gicht entgegenwirken können.
Harnsäure entsteht, wenn unser Körper Purine abbaut. Purine sind Eiweißverbindungen, die genetische Informationen in sich tragen. Besonders purinreich ist Fleisch, vor allem Innereien. Die Harnsäure wird über die Nieren, den Darm, Schweiß und Speichel ausgeschieden.
Gemessen werden kann der Harnsäurewert durch eine Blutentnahme. Dieser sollte bei Frauen dauerhaft über 2,3 beziehungsweise unter 6,1 Milligramm pro Deziliter sein. Bei Männern liegt die Untergrenze bei 3,6 und die Obergrenze bei 8,2 Milligramm pro Deziliter, so der Berufsverband Deutscher Internisten e.V.. Ein zu niedriger Wert kann auf Lebererkrankungen oder eine Störung im Purinstoffwechsel hindeuten.
Kann der Körper die Purine nicht abbauen, steigt die Harnsäurekonzentration im Körper an - und das kann zu Problemen führen. Nach Angaben des BDI haben in den Industrieländern etwa 20 Prozent der Männer einen erhöhten Harnsäurespiegel. Bei Frauen steigt der Wert meist nach den Wechseljahren an.
Eine zu hohe Konzentration könne dazu führen, dass die Harnsäure auskristallisiert und sich in den Gelenken ablagert, sagt Professor Klaus Krüger vom wissenschaftlichen Beirat des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) in Wiesbaden. Es kommt zu einer Entzündung, die Schmerzen und Schwellungen auslöst. Die Folge seien Gichtanfälle und weitere Erkrankungen wie eine chronische Arthritis oder Nierensteine.
Zu viel Harnsäure lagert sich zunächst im Blut, später dann in den Gelenken ab - meist an den Füßen, Zehen und Fingern. Betroffene leiden dann unter der Stoffwechselkrankheit Gicht. Die Krankheit kommt vor allem dann zum Ausbruch, wenn über Jahre hinweg besonders viel purinreiche Nahrung aufgenommen, also viel rotes Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte, Speck und Hülsenfrüchte verzehrt sowie viel Alkohol getrunken wurde. "Eine purinarme Ernährung wirkt Gicht effektiv entgegen", bestätigt Professor Krüger.
Auch Vitamin C kann Gicht vorbeugen, denn es hemmt Entzündungen und die Bildung von Harnsäure im Körper. Mediziner raten aber, sich bei der Gichtprävention nicht nur auf Vitamin-C-Pillen zu setzen, sondern viel Obst und Gemüse zu essen und sich öfter zu bewegen.
Nach dem ersten Gichtanfall können Monate oder sogar Jahre vergehen, bis eine erneute Attacke auftritt. Dennoch sollte man die Beschwerden nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bleibt der Harnsäurespiegel dauerhaft hoch, kann es nicht nur zu einer Verformung der Gelenke kommen. Auch die Nieren können Schaden nehmen und im Extremfall komplett versagen.
Rund fünf Prozent aller Deutschen leiden an Gicht, die meisten davon sind Männer. Frauen bleiben bis zu den Wechseljahren von der Gicht verschont, da die weiblichen Hormone den Harnsäurespiegel auf niedrigem Niveau halten.
Wenn Sie wissen möchten, wie hoch Ihre Harnsäurekonzentration im Blut ist, können Sie sich testen lassen. Bei der Blutabnahme sollten Sie nüchtern sein und falls nötig, den Arzt auf die Einnahme von anderen Medikamenten aufmerksam machen. Zudem sollte man drei Tage vorher keinen Alkohol und keine Innereien mehr verzehren. Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, was Sie sonst noch beachten müssen. Während einer Fastenkur steigt der Harnsäurespiegel in der Regel stark an. Deshalb wäre ein Test zu dieser Zeit wenig ratsam.
Quelle: amr, dpa
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