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So tückisch ist die Blasenentzündung

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Blasenentzündung  

Warum Blasenentzündungen oft wiederkehren

13.05.2013, 12:21 Uhr | dba, Spiegel Online

So tückisch ist die Blasenentzündung . Blasenentzündung: Viele Frauen werden regelmäßig von Blasenentzündungen geplagt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Frauen werden regelmäßig von Blasenentzündungen geplagt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Lästiges Ziehen im Unterleib, Schmerzen beim Wasserlassen: Viele Frauen werden regelmäßig von Blasenentzündungen geplagt. Jetzt haben Forscher einen Mechanismus entschlüsselt, der die wiederkehrenden Harnwegsinfekte erklären könnte.

Vor allem Frauen sind betroffen

Blasenentzündungen sind im besten Fall nur lästig, schlimmstenfalls wird aus dem Ziehen im Unterleib eine Infektion der Niere. Normalerweise bleibt es bei unangenehmen Beschwerden: Bauchschmerzen, ständiger Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Vor allem Frauen sind von Harnwegsinfekten betroffen. Diese Ungerechtigkeit ist anatomisch begründet: Die weibliche Harnröhre ist wesentlich kürzer und erleichtert den Bakterien den Aufstieg in die Harnblase, wo sie sich gut vermehren können. Zudem mündet die Harnröhre bei Frauen näher am Anus.

Erreger überdauern im Darm

Oft bleibt es nicht beim einmaligen Harnwegsinfekt, viele Frauen müssen immer wieder mit den Beschwerden kämpfen. Auf der Suche nach der Ursache von wiederkehrenden Infektionen haben Wissenschaftler jetzt einen Mechanismus enttarnt, der bei der Behandlung und Vorsorge eine Rolle spielen könnte: Offenbar überdauern die typischen Erreger vom Typ Escherichia coli (E. coli) im Darm der Betroffenen, berichten Swaine Chen und seine Kollegen von der Washington University in St. Louis im Fachmagazin "Science Translational Medicine".

E.-coli-Arten bewegen sich zwischen Harntrakt und Darm

Einige E.-coli-Arten sind demnach in der Lage, sich zwischen dem Harntrakt und dem Darm der Patientinnen zu bewegen. Bisher gingen Biologen davon aus, dass Bakterien sich nur an eine Umgebung anpassen: Erreger, die auf den Harntrakt spezialisiert sind, so die Annahme, verlieren die Fähigkeit, sich auch im Darm festzusetzen.

Doch das Team um Chen identifizierte bei Frauen, die regelmäßig unter Harnwegsinfekten litten, E.-coli-Unterarten, die sowohl im Darm als auch im Harntrakt überleben. Was die Wissenschaftler besonders verblüffte, war die Tatsache, dass bestimmte Bakterien offensichtlich in der Lage sind, Harntrakt und Darm von Patientinnen regelrecht zu übernehmen: Bei einigen Patientinnen wurde eine erneute Blasenentzündung von einer anderen Bakterienunterart ausgelöst als die vorherige - die neuen Bakterien fanden sich anschließend nicht nur im Harntrakt, sondern auch im Darm der Betroffenen.

Nicht alleine die Bakterien im Harntrakt sind entscheidend

In der Praxis könnte das bedeuten, dass es nicht ausreicht, bei einem Harnwegsinfekt nur die Bakterien im Harntrakt der Patientinnen zu untersuchen. Besonders bei Frauen, die regelmäßig unter den Infektionen leiden, könnte auch die Zusammensetzung der E.-coli-Bakterien im Darm eine Rolle spielen, um Wiederinfektionen zu vermeiden, schreiben die Autoren.

Allerdings handelt es sich bei den Ergebnissen der Wissenschaftler nicht um eine große Studie an einer Vielzahl betroffener Frauen, sondern lediglich um die Untersuchung eines möglichen Mechanismus: Mit großem Aufwand untersuchten die Forscher dafür insgesamt 45 verschiedene Unterarten von E. coli aus Stuhl und Urin von vier Patientinnen. Bei zwei Frauen blieben die E.-coli-Unterarten bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten gleich, bei den anderen beiden übernahmen die neuen Erreger sowohl Harntrakt als auch Darmflora.

Verschleppte Erreger lösen Blasenentzündung aus

Die Bakterien, denen es gelang, andere Erreger aus Harntrakt und Darmflora zu vertreiben, hatten sich besser an beide Umgebungen angepasst. Zu diesem Resultat kamen die Forscher anhand von Versuchen an Mäusen. Ursprünglich hatten die Wissenschaftler erwartet, dass sich die Bakterien auf eine der beiden Umgebungen spezialisieren. Bisher galt der Harntrakt als Sackgasse für E.-coli-Bakterien, aus der sie nicht mehr herauskommen, um andere Umgebungen zu bevölkern.

Chen und seine Kollegen werfen jetzt die Frage auf, ob E.-coli nicht doch auch in der Lage sein könnte, vom Harntrakt aus den Darm zu besiedeln. Bewiesen ist diese Theorie aber auch nach den Versuchen der Forscher noch nicht.

Die meisten Blasenentzündungen werden von verschleppten Erregern aus dem Darm ausgelöst. E.-coli gehören zur normalen Darmflora und sind für die Verdauung ebenso wie viele andere Bakterien notwendig.

Herkunft der Erreger muss geklärt werden

Die Forscher empfehlen weiterführende Studien: Darin sollte bei Frauen, die von wiederkehrenden Blasenentzündungen betroffen sind, die Herkunft des Erregers geklärt werden. Kommt die Infektion aus dem Darmtrakt der Patientin? Oder hat sich die Frau zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr mit einer für sie neuen Unterart infiziert?

Anhand künftiger Ergebnisse hoffen die Wissenschaftler, mehr über das Hin- und Herwandern zwischen Darm und Harntrakt der Bakterien zu erfahren. Erst dann könnten Schlüsse für die Vorsorge oder die Behandlung von Harnwegsinfekten gezogen werden.

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