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Trauma: Manche durchleben ihr Leiden vielfach

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Trauma nach schwerer Krankheit  

Manche durchleben ihr Leiden vielfach

08.01.2014, 16:39 Uhr | dpa

Trauma: Manche durchleben ihr Leiden vielfach. Trauma: Nach einer schlimmen Krankheit leiden viele an einem Trauma. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach einer schlimmen Krankheit leiden viele an einem Trauma. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Plötzlich fällt das Atmen schwer und schreckliche Erinnerungen kommen hoch. An einem Trauma leiden nicht nur Menschen, die Gewalt erfahren oder einen Krieg überlebt haben. Auch eine schlimme Krankheit kann drastische seelische Folgen haben. Wir erklären, wie ein Trauma entsteht und wie man es behandeln kann.

Viele Betroffene haben Todesangst

"Ein Trauma ist ein überwältigendes Ereignis, verbunden mit extremer Bedrohung wie Lebensgefahr oder Demütigung", erklärt Professor Anke Ehlers vom Department of Experimental Psychology der Universität Oxford. "Etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten haben nach einer lebensbedrohlichen Krankheit eine akute Belastungsreaktion", schätzt Ulrike Schmidt von der Trauma-Ambulanz München am Max-Planck-Institut für Psychiatrie. "Bei fünf Prozent der Betroffenen kann diese später in eine Posttraumatische Belastungsreaktion münden."

Die Flashbacks sind sehr real

Diese äußert sich zum Beispiel durch ein inneres Erstarren, eine innere Taubheit. Viele sind zudem schreckhaft, gereizt und aggressiv, sie können sich nur mit Mühe konzentrieren, schlafen schlecht und leiden unter Alpträumen. Häufig lösen bestimmte Laute oder Gerüche die Erinnerungen aus. "Diese Flashbacks sind so lebhaft, dass es den Betroffenen so vorkommt, als passiere dies alles im Hier und Jetzt. Sie haben wieder Todesangst oder andere starke Gefühle wie Schuldgefühle oder Scham", erläutert Ehlers. Schuldgefühle entstehen oft dadurch, dass die Menschen das Erlebte immer und immer wieder durchgehen und grübeln, wie sie die Krankheit hätten vermeiden können.

Eine Dauer von vier Wochen ist normal

Professor Christine Knaevelsrud von der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie in Freiburg weist darauf hin, dass solche Symptome direkt nach dem Ereignis eine normale Reaktion sind. Doch normalerweise ebben sie nach einigen Wochen ab. Etwa vier Wochen sollte sich der Patient Zeit geben. Die Symptome können aber auch erst nach Monaten auftreten: Im akuten Krankheitsfall schalten Körper, Geist und Seele sowieso auf Notfallprogramm um. Man funktioniert - das Grauen bricht sich erst nach und nach Bahn.

Das Empfinden der Krankheit ist unterschiedlich

Gerade diejenigen, die körperlich wieder gesund sind, meinen, kein Recht auf seelisches Leid zu haben. "Der Schweregrad einer Krankheit oder die Krankheit selbst sind nicht der Punkt", erklärt Knaevelsrud. "Es geht darum, wie ein Mensch die Krankheit erlebt hat." Es hilft nicht, sich zusammenzureißen. "Der Betroffene hat es erlebt. Er weiß, dass er überlebt hat, doch er fühlt es nicht", sagt sie.

Das Erlebnis wird bruchstückartig im Gedächtnis gespeichert

Der Grund dafür ist folgender: "Das Ereignis wird unvollständig verarbeitet und bruchstückartig im Gedächtnis gespeichert", erklärt Ehlers. "Zudem sind die Erinnerungen an die schlimmsten Momente nur unvollständig verbunden mit den Erinnerungen an das, was vorher und hinterher geschah." Das Gedächtnis werde nicht aktualisiert und korrigiert mit dem Wissen, dass alles gut gegangen ist.

Gerüche oder Laute können das Trauma auslösen

Ein Bild kann weiterhelfen: Üblicherweise werden im Gehirn Situationen wie Kleidungsstücke in einen Schrank einsortiert. Im Fall eines Traumas gleicht das Abspeichern einem Kleiderknäuel mit Pullover, Blusen und Hosen (sprich: Gefühle, Geräusche, Gerüche, Menschen, Momente und Gebäude wie die Klinik), das in den Schrank geworfen wird. "Ein Auslöser reicht, um die gesamte Kaskade, also das Kleiderknäuel, hochzuholen", erklärt Knaevelsrud. Auslösende Reize können Gerüche oder Laute sein, die an das Ereignis erinnern.

Depressionen können die Folge sein

"Wenn die Störung nicht behandelt wird, stellen sich oft Folgeprobleme wie Depressionen ein", sagt Ehlers. Selbst von einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen wird in der Literatur berichtet. Daneben haben Betroffene oft Probleme in der Partnerschaft und im Job. Viele betäuben sich mit Alkohol. Lassen die Symptome nach vier Wochen nicht nach oder treten gravierende psychische Symptome auf, sollten Betroffene einen Termin bei einem Therapeuten mit traumapsychotherapeutischer Ausbildung vereinbaren.

Die Vergangenheit wird mit der Gegenwart verknüpft

Dieser Therapeut arbeitet mit der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei muss der Patient sich dem aussetzen, was ihn in seinen Grundfesten erschüttert hat: Er spricht mit dem Therapeuten durch, was genau im Trauma geschehen ist und welche Momente heute noch schmerzhaft sind. "Wir aktualisieren die Momente des Traumas im Gedächtnis durch Verknüpfung mit dem, was der Patient aus heutiger Perspektive weiß oder im Gespräch mit dem Therapeuten herausgefunden hat", erklärt Ehlers. "Wir helfen zudem, Auslöser wie bestimmte sensorische Reize, etwa Farben, Geräusche oder Gerüche, zu erkennen und zu sehen, dass die heutige Situation, in der der Auslöser auftritt, ganz anders ist als im Trauma", sagt sie.

Das Ergebnis: "Man erkennt nicht nur vom Verstand her, dass man es geschafft hat, sondern erfasst es emotional, fühlt es", sagt Schmidt. Auf das Kleiderschrank-Bild übertragen heißt das: Jedes Stück des Kleiderknäuels wird betrachtet, gefaltet und ordentlich weggelegt.

Eine Therapie ist eine Chance

"Es gibt kaum eine seelische Erkrankung, die so gut zu behandeln ist wie eine Posttraumatische Belastungsstörung", sagt Knaevelsrud. Überdies liegt in der Therapie, die die Krankenkassen meist zahlt, auch eine Chance: Lebensüberzeugungen ändern sich, Probleme werden anders gewichtet. "Auch sind viele in der Lage, Alltagsprobleme besser zu bewältigen", sagt Schmidt. "Wir nennen dieses Phänomen 'Posttraumatisches Wachstum'."

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