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AOK-Krankenhausreport: 19.000 Tote im Jahr durch Behandlungsfehler

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AOK-Krankenhausreport  

Zehntausende Behandlungsfehler im Krankenhaus

24.01.2014, 12:42 Uhr | dpa, AFP

AOK-Krankenhausreport: 19.000 Tote im Jahr durch Behandlungsfehler. Krankenhaus: Zehntausende Behandlungsfehler im Krankenhaus.  (Quelle: riso Gentsch dpa/lsw)

Laut einer aktuellen Studie der AOK sterben mehr Menschen durch Fehler im Krankenhaus als im Straßenverkehr. (Quelle: riso Gentsch dpa/lsw)

Infektionen, falsche Medikamente oder vergessenes OP-Material: Die AOK schlug in den vergangenen Tagen wegen einer neuen Studie Alarm. Demnach beschwerten sich massenhaft Patienten jedes Jahr wegen Verdachts auf Ärzte- oder andere Behandlungsfehler - jeder dritte bekommt Recht. Laut AOK sterben sogar mehr Menschen durch Fehler im Krankenhaus als im Straßenverkehr, 19.000 vermeidbare Sterbefälle sollen es angeblich sein. Doch nun wehrt sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vehement gegen diese Vorwürfe und nimmt den AOK-Report auseinander, wie Spiegel Online berichtet. Die Zahl der vermeidbaren Sterbefällen sei übertrieben.

"Was die AOK da macht, ist ungeheuerlich", so Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Die sehr hohe Zahl von im AOK-Report genannten 19.000 vermeidbaren Behandlungsfehlern in Kliniken sieht er als zu hoch an. "So dürfen die Krankenkassen mit den Kliniken nicht umgehen", äußert er sich gegenüber dem Spiegel.

Die DKG zweifele die Datenbasis der AOK an. Die zugrunde liegenden Daten seien rund zehn Jahre alt, heißt es in einem Schreiben, das dem Spiegel vorliegt. Seitdem habe sich das klinische Risikomanagement geändert und die Annahmen hätten somit keine Gültigkeit mehr.

122 statt 19.000 Tote durch Behandlungsfehler?

Dem AOK-Report stellt die DKG eigene Zahlen gegenüber. Nach diesen hätte es im Jahr 2012 nur 122 Todesfälle gegeben, die auf Behandlungsfehler im Krankenhaus zurückzuführen sind. In dem Rundschreiben heißt es weiter: "Selbst unter der Annahme einer Dunkelziffer von Behandlungsfehlern kommt man bei weitem nicht auf die von der AOK genannten 19.000 Toten."

190.000 Behandlungen mit Problemen

Der AOK-Krankenhausreport analysiert, welchen gesundheitlichen Gefahren Patienten ausgesetzt sind. Hintergrund ist laut AOK, dass etwa bei jeder hundertsten Behandlung ein Fehler passiert. Das wären bei zuletzt rund 18,6 Millionen Klinikfällen pro Jahr knapp 190.000 Behandlungen mit Problemen. 

Die Folgen könnten von gesundheitlichen Beschwerden bis zum Tod reichen. "So sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Fehler im Krankenhaus als durch Unfälle im Straßenverkehr", so die AOK. Im vergangenen Jahr gab es nach einer vorläufigen Bilanz rund 3.300 Verkehrstote.

Jeder dritte Verdacht bestätigt sich

Allein der Medizinische Dienst der Krankenkassen kümmerte sich nach den jüngsten Zahlen 2012 um rund 8.600 Vorwürfe von Patienten gegen Kliniken - und bestätigte fast jeden dritten Verdacht. Insgesamt beanstanden nach Schätzungen rund 40.000 Versicherte pro Jahr ihre Behandlung bei Ärztestellen, Kassen oder direkt vor Gerichten. Die Dunkelziffer gilt bei den Problemen im Klinikablauf als hoch.

Die Bandbreite reicht von Infektionen, die sich Kranke zusätzlich im Krankenhaus holen, über verkehrte Medikamente bis hin zu Einzelfällen von vergessenem OP-Material im Inneren des Patienten. 

Fehler seien vermeidbar

In vielen Fällen seien Fehler vermeidbar, erklärte Max Geraedts,  Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Universität Witten/Herdecke und Mitherausgeber des Reports. Als Beispiel nannte er einen Patienten, der eine Medikamentenallergie erleidet, von dieser Allergie wusste, aber vorher nicht dazu befragt wurde. 

Auch Hygienemängel, die beispielsweise zu entzündeten Operationswunden führen, seien vermeidbar. Einige Krankenhäuser achteten aber nach wie vor nicht auf ausreichende Händedesinfektion, mahnte Geraedts. Jährlich erleiden rund vier Prozent der Patienten eine Krankenhausinfektion, etliche sterben in der Folge.

Organisationsmängel und Einzelfehler als Ursachen

Ärztevertreter weisen immer wieder darauf hin, dass in der Regel nicht einfach Pfusch eines Arztes dahintersteckt. Organisationsmängel, mehr komplizierte Eingriffe und auch der Mut vieler Operateure zum Risiko zählen zu den Ursachen. 

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft unterstrich, die Sicherheitsstandards seien so hoch wie nie. "Sie können sich im internationalen Vergleich sehen lassen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum. "Nie war die Bereitschaft der Krankenhäuser größer, Qualität und Sicherheit weiterzuentwickeln." Allerdings dürften die Kliniken bei der Finanzierung des Mehraufwands nicht alleingelassen werden.

Vergleichsliste zu Behandlungserfolgen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte angekündigt, den Behandlungserfolg stärker zum Maßstab für die Patienten in Deutschland machen zu wollen. Gröhe bezog sich damit auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD. Ein neues Institut soll demnach sämtliche routinemäßig anfallende Daten der Patienten zum jeweiligen Erfolg oder zu Problemen bei den einzelnen Behandlungen auswerten. 

Ziel ist unter anderem eine online einsehbare Vergleichsliste zu Behandlungserfolgen der Krankenhäuser. Schlechte Qualität soll durch Abschläge bei der Finanzierung bestraft werden.

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