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Fazialisparese: Ist es Gesichtslähmung oder etwa doch Schlaganfall?

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Fazialisparese  

Ist es Gesichtslähmung oder etwa Schlaganfall?

17.04.2014, 08:39 Uhr | dpa

Fazialisparese: Ist es Gesichtslähmung oder etwa doch Schlaganfall?. Wenn die Gesichtsmuskeln plötzlich erschlaffen, sollten die Ursachen hierfür sofort von einem Arzt geklärt werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn die Gesichtsmuskeln plötzlich erschlaffen, sollten die Ursachen hierfür sofort von einem Arzt geklärt werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn die Gesichtsmuskeln auf einer oder beiden Seiten plötzlich versagen, geschieht das oft ohne erkennbaren Grund. Die Lähmung des Gesichtsnervs, medizinisch Fazialisparese, ist eine der häufigsten Nervenverletzungen und kann jeden treffen. Da die Symptome der Krankheit auch auf einen Schlaganfall hinweisen können, sollten die Betroffenen möglichst schnell in einer Klinik untersucht werden.

Eben noch saß Horst Thiede aus Wiesbaden vergnügt im Sessel, da sieht seine Frau ihn an und bekommt einen Riesenschreck: "Die ganze rechte Seite hing und war schief", erzählt Karin Thiede. Ihr erster Gedanke: Schlaganfall. Mit Blaulicht ging es in die Klinik. Die Diagnose lautete Fazialisparese, eine Lähmung des Gesichtsnervs.

Der Gesichtsnerv bestimmt die Mimik

Folgendes Problem liegt zugrunde: "Der Nervus facialis tritt aus dem Hirnstamm, verlässt die Schädelbasis im Bereich des Felsenbeins hinter dem Ohrläppchen, läuft durch die Speicheldrüse und verteilt sich dann fächerförmig in feinen Verästelungen über das Gesicht", erklärt Günther Thayssen, Facharzt für Neurologie und Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der Gesichtsnerv ist der siebte von zwölf Hirnnerven und für die mimische Muskulatur zuständig. Er versorgt einen Teil der Speicheldrüsen sowie die Tränendrüsen und sorgt dafür, dass man vor allem im vorderen Bereich der Zunge schmecken kann. All das funktioniert nicht mehr oder fällt zum Teil aus, wenn der Nerv geschädigt wird.

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Unterschieden wird zwischen einer zentralen, einer peripheren und einer idiopathischen Fazialisparese. Die zentrale Parese entsteht durch eine Verletzung im Gehirn. "Grund kann ein Schlaganfall sein, aber auch eine Schädelverletzung, ebenso Tumore oder Entzündungen im Gehirn", nennt Thayssen einige Beispiele. Bei der peripheren Parese ist ein Teil des Nervs betroffen beziehungsweise entzündet. Bei etwa zwei Drittel der Fälle lässt sich keine Ursache finden - Mediziner sprechen dann von einer idiopathischen Parese. Sie kommt meist aus heiterem Himmel und kann jeden Menschen treffen. 

Diagnose muss zunächst Schlaganfall ausschließen

Bei den Betroffenen führen die Symptome meist zu Beunruhigung. Dass viele sofort an einen Schlaganfall denken, ist kein Wunder. Häufig tritt die Lähmung auf einer Seite auf. Stirnrunzeln oder Naserümpfen ist kaum möglich, das Augenlid kann nicht geschlossen werden, und der Mundwinkel hängt herab. "Manch einer hat Missempfindungen an der Wange oder ein Druckgefühl am Ohr", berichtet Prof. Josef G. Heckmann von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin. Ebenso könnten Störungen des Geschmacksinns auftreten oder eine Überempfindlichkeit bei Geräuschen. Wer diese Symptome feststellt, sollte umgehend den Notarzt rufen. "Ein Laie kann nicht erkennen, ob es ein Schlaganfall oder eine Fazialisparese ist", sagt Thayssen. 

Ärzte untersuchen daher zuerst, ob der Patient einen Schlaganfall hatte. Wenn nicht, suchen sie Schritt für Schritt die Ursache. Um etwaige Verletzungen, Tumore oder Blutungen im Hirn zu finden, bekommt der Patient eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT). Weiter werden unter anderem Muskeln getestet, ein Blutbild gemacht, Nerven auf ihre Erregbarkeit getestet und nach Störungen im Ohr geforscht. 

Lumbalpunktion deckt Entzündungen auf

"Ebenso wird Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit bei einer Lumbalpunktion entnommen und untersucht", erklärt Heckmann. So könne man Bakterien, Tumorzellen oder Entzündungen auf die Spur kommen. Die Lähmung kann Folge einer Borreliose oder einer Infektion mit dem Herpes-Zoster-Virus wie bei einer Gürtelrose sein. Finden die Ärzte eine Ursache, behandeln sie die Grunderkrankung. Wird nichts gefunden, heißt das noch lange nicht, dass die Parese keinen Grund hat. "Es wird unter Experten diskutiert, ob ein reaktiviertes Herpes-simplex-Virus die Lähmung auslösen kann", sagt Heckmann. Wahrscheinliche Ursache sei eine Entzündung in einem Teil des Nervs, die zu einem Ödem im Nervenkanal führt. "Wir wissen, dass der Nerv geschwollen ist und die Durchblutung dadurch vermindert sein kann."

Bei Behandlung gute Heilungschancen

In jedem Fall sollte eine Gesichtslähmung behandelt werden. Kann das Lid nämlich nicht geschlossen werden, trocknet die Hornhaut des Auges aus und kann sich entzünden. "Daher sollte der Betroffene das Auge fleißig mit einer Dexpanthenol-Augensalbe pflegen", rät Heckmann. Über Nacht werde das Auge durch einen Uhrglasverband geschützt. Überdies müssen etwa zehn Tage lang Kortisontabletten eingenommen werden, wobei die Dosis mit zweimal 25 Milligramm am Tag laut Heckmann recht gering ist. Viele Betroffene und Physiotherapeuten schwören ergänzend auf Gesichtsmassagen und Mimikübungen. 

Die Prognosen einer Gesichtslähmung sind günstig: "80 Prozent der idiopathischen Fazialisparese bilden sich binnen einiger Wochen vollständig zurück", sagt Thayssen. Nur selten dauert die Heilung Monate bis Jahre oder die Parese heilt nur teilweise oder gar nicht. In dem Fall muss über eine Operation nachgedacht werden, vor allem, um das Augenlid wieder schließen zu können.

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