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Pilotprojekt "Post Persönlich": Postboten zu Kontrollbesuch bei Senioren

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Projekt "Post Persönlich"  

Wenn der Postbote zur Krankenvisite klingelt

29.06.2014, 11:07 Uhr | dpa

Pilotprojekt "Post Persönlich":  Postboten zu Kontrollbesuch bei Senioren . "Post persönlich" soll Postzustellung und Krankenbesuch verbinden.  (Quelle: dpa)

"Post persönlich" soll Postzustellung und Krankenbesuch verbinden. (Quelle: dpa)

Wenn der Postbote ohnehin jeden Tag vorbeikommt, warum schaut er nicht gleich nach, wie es hilfsbedürftigen Hausbewohnern geht? Die Deutsche Post macht aus dieser Idee ein Pilotprojekt, aber es gibt auch Bedenken.

Dass Menschen nach einem Schwächeanfall oder Sturz tagelang hilflos in ihrer Wohnung liegen, passiert immer wieder. Die Deutsche Post will das ändern und startet in Mülheim und Gelsenkirchen im Juli das bundesweit einmalige Pilotprojekt "Post Persönlich".

Wer sich anmeldet, bekommt neben der Briefzustellung auch einen Kontrollbesuch vom Postboten. Der Zusatzservice richte sich nicht nur an ältere Menschen, sondern an alle Hilfsbedürftige in jedem Alter, sagte Postsprecher Rainer Ernzer.

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Postzusteller wird Verbindung zur Hilfsorganisation

Die Idee: Der Zusteller erkundigt sich an der Haustür nach dem Wohl der Kunden. Sollten die Bewohner Hilfe benötigen oder nicht die Tür öffnen, verständigt der Postbote die Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Hilfsorganisation kümmert sich als Kooperationspartner um die medizinische Versorgung. Im Notfall wird auch der Rettungsdienst gerufen.

Keine medizinische Begutachtung, aber menschliche Note

Die Zusteller ersetzten keine Altenpfleger, betonte die Post. "Der Postzusteller macht keine medizinische Begutachtung", sagt Ernzer. Vielmehr solle den Kunden und Angehörigen Sicherheit geboten werden, ähnlich wie bei einem Hausnotruf-System, aber mit persönlicher Note. Das kostet den Abonnenten um die 40 Euro im Monat.

Allerdings wird die Zusatzleistung nicht täglich angeboten: Je nach Wunsch kann der Service von Dienstag bis Freitag oder bis Samstag gebucht werden. Am Sonntag und Montag klingelt der Bote nicht.

Kritik: "Frechheit" und "Bauernfängerei"

Als "Frechheit" und "Bauernfängerei" kritisiert die Deutsche Stiftung Patientenschutz das Angebot. Mit 40 Euro liege es doppelt so hoch wie bei herkömmlichen Hausnotrufdiensten, sagt der Vorstandsvorsitzende Eugen Brysch. "Mit der Vertrauensstellung Postbote, der für viele einsame Senioren der einzige menschliche Kontakt am Tag ist, soll schnelle Kasse gemacht werden." Andere Anbieter erkundigten sich täglich - auch am Wochenende.

Kein Extra-Geld, aber mehr Zeit für den Boten

Auch für die Zusteller birgt das Konzept Herausforderungen: Zusätzliches Geld sollen sie nach Gewerkschaftsangaben für ihren Dienst nicht bekommen, allerdings ein Extra-Zeitfenster. "Ein bis zwei Minuten pro Kunde sind bislang als Zeitansatz eingeplant. Aus unserer Sicht ist das realitätsfern, um diesen Service zu gewährleisten", sagt der Sprecher der Fachgewerkschaft der Post DPVKOM Maik Brandenburger.

Testphase soll Erfahrungswerte bringen

Die Post glaubt hingegen, dass die Zeitansätze ausreichend sind und bezeichnete den Preis als "angemessen". Postsprecher Ernzer betonte aber auch, dass es sich um eine Testphase handelt, in der zunächst Erfahrungswerte gesammelt werden müssten.

Zahlreiche Kundenanfragen lägen bereits vor. Eine genaue Angabe wollte das Unternehmen nicht machen. Das Projekt "Post Persönlich" läuft zunächst bis September. Wenn es gut angenommen wird, ist eine Ausweitung geplant.

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