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Schlaganfall: Frau filmt eigene Lähmung

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Ein rätselhafter Patient  

Frau filmt eigene Lähmung

01.07.2014, 13:16 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Schlaganfall: Frau filmt eigene Lähmung. Stacey Yepes filmt ihre eigene Lähmung. (Quelle: Youtube / UHN Toronto)

Nachdem Ärzte Stacey Yepes' Symptome mit Stress begründen, filmt sie ihre eigene Lähmung. (Quelle: Youtube / UHN Toronto)

Zweimal hintereinander ist Stacey Yepes' linke Körperhälfte plötzlich gelähmt. In beiden Fällen ist der Spuk schnell wieder vorbei, Ärzte begründen die Symptome mit Stress. Beim dritten Mal filmt sich die Frau selbst - und die Mediziner werden aktiv.

Als Stacey Yepes es sich endlich auf ihrem Sofa gemütlich gemacht hat, um fernzusehen, wird ihre linke Körperhälfte plötzlich taub. Auch ihre linke Gesichtshälfte kann die 49-Jährige kaum bewegen. Als sie einen Anruf beantwortet, spricht sie verwaschen und schwerfällig. Yepes glaubt, sie hat einen Schlaganfall. Aber nach fünf Minuten ist alles vorbei.

Trotzdem geht sie ins Krankenhaus. Alle Untersuchungen sind unauffällig und die Ärzte meinen, Stress habe ihre Symptome ausgelöst. Mit ein paar gut gemeinten Ratschlägen schicken sie die Frau wieder nach Hause.

Rätselhafter Anfall 
Frau filmt mit Handy eigene Lähmung im Gesicht

Als Stacey Yepes im Auto nach Hause fährt, wird ihre linke Körperhälfte plötzlich taub. Video

Überzeugt ist Yepes nicht. "Es stimmt, ich hatte einige Nächte schlecht geschlafen, und mein Job ist auch ziemlich stressig", sagt die Rechtsreferentin. "Trotzdem war ich ziemlich sicher, dass die Symptome von einem Schlaganfall kamen." Auf dem Weg nach Hause hat sie erneut ein Taubheitsgefühl in der linken Körperhälfte. Wieder verschwindet es nach ein paar Minuten, als wäre nichts geschehen.

"Ich weiß nicht, wieso mir das passiert"

Am nächsten und übernächsten Tag geht Yepes zur Arbeit - mit einem unguten Gefühl. Als sie zwei Tage nach dem ersten Ereignis mit ihrem Auto nach Hause fährt, passiert es plötzlich wieder: Ihre linke Körperhälfte ist taub und schwer. Geistesgegenwärtig lenkt die Frau ihren Wagen an den Straßenrand, greift sich ihr Handy und filmt sich selbst. "Meine Zunge fühlt sich taub an", sagt sie mit verwaschener Sprache in die Kamera, "ich weiß nicht, wieso mir das passiert."

Auch dieses Mal verschwinden Lähmungen und Taubheitsgefühl wieder weitgehend. Yepes geht jetzt in ein anderes Krankenhaus. Nachdem die Ärzte ihr zugehört und sich das Video-Selfie angesehen haben, glauben auch sie an eine Durchblutungsstörung im Gehirn und schicken ihre Patientin in das Krembil Neuroscience Center (KNC) des Toronto Western Hospitals in der kanadischen Stadt Toronto. Auf der Webseite des Krankenhauses stellt die behandelnde Ärztin Cheryl Jaicobin die Fallgeschichte von Stacey Yepes und das Video vor.

Die Experten am KNC haben nach den Schilderungen sofort eine Verdachtsdiagnose: Stacey Yepes hatte vermutlich mehrere sogenannte transitorisch ischämische Attacken (Tia). Dabei handelt es sich ebenso wie beim Schlaganfall um Durchblutungsstörungen im Gehirn. Im Gegensatz zum Hirninfarkt bilden sich die Symptome aber innerhalb von 24 Stunden wieder komplett zurück.

Gerade deshalb sind Tias unter Umständen besonders gefährlich: Verschwindet eine Lähmung von allein wieder, suchen nicht alle Betroffenen sofort Hilfe im Krankenhaus, weil sie die Gefahr unterschätzen. Eine Tia aber ist häufig Vorbote eines Hirninfarkts: Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (S. 27) folgt einer Tia in mehr als jedem viertem Fall ein Schlaganfall mit bleibenden Einschränkungen.

Die Ursachen für die Durchblutungsstörungen sind indes die gleichen: Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, Übergewicht und erhöhte Blutfettwerte verkalken und verengen die Arterien. Setzt sich ein Blutgerinnsel dauerhaft fest, werden die dahinterliegenden Gehirnregionen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und die Nervenzellen sterben ab.

Verkalkte Arterien, Herzrhythmusstörungen

Wer eine Tia erleidet, muss also auf Risikofaktoren durchgecheckt werden. Lässt sich auf Computertomografie-Aufnahmen vom Kopf ein Schlaganfall nachweisen? Wie hoch sind der Blutdruck und der Cholesterinspiegel? Gibt es Verkalkungen in den Arterien, insbesondere in den Halsschlagadern? Hat der Patient Herzrhythmusstörungen, die die Bildung von Blutgerinnseln befördern? Gibt es Störungen bei der Blutgerinnung? Und liegen andere Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes vor?

Normalerweise dauern diese Untersuchungen mehrere Tage, die der Patient im Krankenhaus verbringt. Am KNC in Toronto haben die Ärzte ein System geschaffen, in dem alle Untersuchungen an einem Tag gemacht werden. Bei Yepes sind die Arterien verkalkt und durch Plaques verengt. Im CT ist ein kleiner Schlaganfall zu erkennen, der erklären kann, warum ihr linker Arm noch etwas beeinträchtigt ist.

"Ich dachte, ich würde gesund leben", sagt Yepes. Sie ist schockiert, dass sie in einem so relativ jungen Alter einen Schlaganfall erlitten hat. Ärztin Cheryl Jaicobin dagegen kennt das: "Ein Schlaganfall kann einen in jedem Alter treffen, auch wenn man nur wenige Risikofaktoren hat", sagt die Neurologin. "Es gibt aktuelle Studien, die darauf hinweisen, dass die Zahl der Schlaganfälle im jungen Alter zunimmt." Verantwortlich dafür könnte die veränderte Lebensweise mit weniger Bewegung und zu viel Essen sein.

Auch Stacey Yepes sagt in der Rückschau: "Ich hatte mit zwei Jobs viel Stress, kaum Zeit für Sport und habe oft zwischendurch gegessen." Unter Anleitung von Experten hat sie ihre Lebensweise und Ernährung mittlerweile offenbar umgestellt. Ihr Appell: "Wenn du denkst, du hast einen Schlaganfall, zögere nicht. Geh ins Krankenhaus und lass dich durchchecken."

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