Sie sind hier: Home > Lifestyle > Gesundheit >

Ein rätselhafter Patient: Unerklärliche Atemnot

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ein rätselhafter Patient  

Atemlos, Tag und Nacht

30.08.2014, 09:28 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Unerklärliche Atemnot. Lungenerkrankungen: Röntgenaufnahme der Lungenflügel. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf Röntgenbildern erkannten Ärzte bei einer Patientin aus Südafrika sonderbare Gewebeansammlungen in der Lunge. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mühsam saugt eine 37-Jährige Zug um Zug Luft in ihre Lungen, das Atmen fällt ihr immer schwerer. Was versperrt dem lebenswichtigen Sauerstoff den Weg in ihren Körper?

Die Atemnot der 37-jährigen Südafrikanerin wird schlimmer und schlimmer. Bereits seit sechs Monaten bekommt sie immer schlechter Luft. Sie fühlt sich müde, kann nachts nicht schlafen, ihr ganzer Körper schmerzt. Obwohl sie so große Probleme beim Atmen hat, muss sie nicht husten.

Die 37-Jährige sucht Hilfe bei Allgemeinmedizinern, die unterschiedliche Therapien ausprobieren: Mal bekommt sie Antibiotika, dann Medikamente, welche die Bronchien erweitern und so das Atmen erleichtern sollen - keine der Behandlungen wirkt. Nach einem halben Jahr geht sie schließlich in die Universitätsklinik der Hauptstadt Pretoria.

Arzt 
So wird die Funktion Ihrer Lunge getestet

So läuft eine spiometrische Untersuchung ab. zum Video

Patientin schnappt angestrengt nach Luft

Bei der Aufnahme messen die behandelnden Ärzte um Prashilla Soma einen normalen Blutdruck. Auffällig ist vor allem die hohe Atemfrequenz, berichten die Mediziner im Fachmagazin "The Lancet". 24-mal pro Minute atmet die Patientin, normal sind acht bis zehn Atemzüge pro Minute. Obwohl sie so angestrengt Luft in ihre Lungen pumpt, kommt sie dabei ohne zusätzlichen Sauerstoff nur auf eine Sauerstoffsättigung von 48 Prozent; bei einem gesunden Menschen würde man Werte knapp unter 100 Prozent erwarten. Trotzdem hören die Mediziner normale Atemgeräusche, die Luft scheint also in die Lunge zu gelangen.

In einer Laboruntersuchung des Blutes fällt ein Wert auf, die sogenannte Laktatdehydrogenase (LDH) ist erhöht. Das hilft alleine allerdings kaum weiter, denn die Menge dieses Enzyms ist bei vielen verschiedenen Krankheiten gesteigert. Es deutet lediglich auf Zellschäden hin.

Eine Substanz, die nicht in die Lunge gehört

Eine Röntgenaufnahme und eine Computertomografie der Lungen bringen die Ärzte bei der Suche nach der Diagnose schließlich weiter: In beiden Untersuchungen sehen die Radiologen eine Substanz in den Lungenflügeln, die dort nicht hingehört, sogenannte Infiltrate. Dahinter kann zunächst vieles stecken, etwa ein fester Tumor oder eine Flüssigkeit. Das Muster, das die Mediziner sehen, gibt ihnen allerdings bereits einen Hinweis auf die Diagnose.

Sie haben den Verdacht, dass die Frau unter der seltenen Alveolarproteinose leidet. Dabei sammelt sich zähe, proteinreiche Flüssigkeit in den Lungenbläschen, den Alveolen, in denen eigentlich der Sauerstoff von der eingeatmeten Luft in das vorbeiströmende Blut übergeht. Beweisen könnten die Ärzte ihren Verdacht, indem sie bei der Patientin einen bestimmten Antikörper nachweisen, doch diese Untersuchung ist in Südafrika nicht verfügbar.

Daher arbeiten sich die Ärzte mit einem Endoskop durch die Luftröhre bis tief in die Lunge hinein vor und entnehmen dort eine Biopsie der Flüssigkeit. Im Labor färben Pathologen die gewonnene Probe ein und weisen so nach, dass es sich um die für die Alveolarproteinose typische Substanz handelt. Sicherheitshalber untersuchen die Ärzte die Biopsie auch auf Krankheitserreger und Hinweise auf bösartige Erkrankungen, sie finden aber nichts.

Therapie der Krankheitsursache ist unmöglich

Die Behandlung der Alveolarproteinose ist aufwendig und frustrierend. Denn eine Therapie der Krankheitsursache ist unmöglich, bis heute ist nicht bekannt, was die Krankheit auslöst. Um die betroffenen Lungenbläschen freizubekommen, müssen die Ärzte die Lunge spülen. Diese sogenannte bronchoalveoläre Lavage wird in einer Vollnarkose durchgeführt, weil große Mengen Spülflüssigkeit in die Lunge gepumpt und wieder abgesaugt werden müssen.

Die Therapie wirkt bei der südafrikanischen Patientin zunächst: Ein Jahr nach der Behandlung, im April 2014, hat die Frau keine Beschwerden mehr. Röntgenaufnahmen zeigen keine Infiltrate mehr in der Lunge. Allerdings gibt es keine Garantie, dass das auch so bleibt. Sollten die Beschwerden erneut auftreten, muss die Lunge wieder gespült werden.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Bruchlandung in Amsterdam 
Fahrwerk bricht beim Aufsetzen zusammen

Bereits im Landeanflug haben die Piloten mit starken Böen zu kämpfen. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Damenmode in knalligen, ausdrucksstarken Farben

Taillierte Steppjacke mit mattem Glanz und Rippstrickkragen. von ESPRIT Shopping

Shopping
Trendige Wohnzimmermöbel in riesiger Auswahl

Wohnwände, Sofas, Couchtische u. v. m. bequem zuhause auswählen & bestellen bei ROLLER.de.

Shopping
Die neuen Kleider für einen blühenden Frühlingsanfang

Endlich kommt wieder die Zeit für leichte Stoffe, zarte Farben und romantische Muster. bei BAUR

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILBabistadouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal