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Häufigkeit von Operationen unterscheidet sich nach Region

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OP-Häufigkeit in Deutschland  

Cloppenburg geht's an die Mandeln, Augsburg an den Blinddarm

12.09.2014, 15:58 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Häufigkeit von Operationen unterscheidet sich nach Region. Wie oft der Arzt zum Messer greift, hängt von der Region ab.  (Quelle: Faktencheck Gesundheit)

Wie oft der Arzt zum Messer greift, hängt von der Region ab. (Quelle: Faktencheck Gesundheit)

Haben Sie Ihre Mandeln noch? Oder Ihren Blinddarm? Wenn nicht, könnte das auch mit Ihrem Wohnort zu tun haben. Bei der Häufigkeit chirurgischer Eingriffe gibt es in Deutschland große regionale Unterschiede.

Circa 28.000 Defibrillatoren haben Ärzte in Deutschland im Jahr 2012 implantiert. Die Geräte sollen Menschen mit Herzrhythmusstörungen vorm plötzlichen Herztod schützen. Wann der Eingriff angesagt ist, wird in medizinischen Leitlinien klar definiert. Dennoch gibt es in Deutschland große regionale Unterschiede bei der Häufigkeit dieses Eingriffs. Das zeigen von der Bertelsmann Stiftung präsentierte Daten.

Der von der Stiftung in Auftrag gegebene "Faktencheck Gesundheit" thematisiert regionale Unterschiede in der medizinischen Versorgung in Deutschland. Die Defibrillator-Implantation ist ein besonders frappierendes Beispiel: Während in einigen Landkreisen pro Jahr etwa einer von 10.000 Einwohnern diesem Eingriff unterzogen wird, sind es in anderen acht von 10.000. Diese Zahlen beziehen sich auf den Wohnort der Patienten und nicht auf den Ort des Eingriffs. Zudem sind sie nach Alter und Geschlecht standardisiert, sodass demografische Unterschiede allein die Differenz nicht erklären können.

Ähnlich große regionale Unterschiede gibt es laut "Faktencheck" bei der Entfernung der Gaumenmandeln bei Kindern und Jugendlichen sowie bei der Entfernung des Blinddarms oder der Prostata. Unter anderem in Bad Kreuznach, Bremerhaven oder Cloppenburg würden seit Jahren achtmal so vielen Kindern die Mandeln herausgenommen wie anderswo, heißt es.

Bei anderen Eingriffen sind die Unterschiede dem Bericht zufolge zwar geringer, aber immer noch beachtenswert. So werden etwa je nach Kreis lediglich 17 Prozent bis hin zu 52 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt entbunden. Besonders häufig kommt dies in Rheinland-Pfalz vor, eher selten dagegen in den ostdeutschen Bundesländern.

Die regionalen Differenzen bleiben konstant

Seit 2007 beobachtet die Stiftung die Häufigkeit verschiedener Eingriffe in Landkreisen und Städten; die regionalen Differenzen blieben konstant, urteilt sie.

Was die Daten nicht aussagen: Welches Maß an Operationen optimal ist, beziehungsweise ab wann eine Über- oder eine Unterversorgung vorliegt.

Aber: "Große regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung sind ein klares Zeichen für Qualitäts-, Effizienz- und Gerechtigkeitsprobleme", sagt OECD-Direktor Mark Pearson. Die OECD hat die Häufigkeit verschiedener Operationen in 13 Mitgliedstaaten untersucht und ebenfalls deutliche Unterschiede von Land zu Land entdeckt. So werden beispielsweise in Finnland 18 Prozent der Babys per Kaiserschnitt entbunden, während es in Australien, Italien und Portugal rund 35 Prozent sind.

Warum die regionalen Unterschiede existieren, ist nicht vollständig geklärt. Klare medizinische Leitlinien, die festlegen, wann ein Eingriff sinnvoll ist, sollten dabei helfen, die Differenzen zu verringern. Extremwerte zeigen wahrscheinlich auch an, dass Ärzte je nach Region ihre Aufklärungspflicht unterschiedlich wahrnehmen. "Von Ärzten kann man normalerweise erwarten, dass sie über alternative Behandlungsmethoden verständlich und neutral informieren. Dies sollten die Patienten auch einfordern", sagt Mark Pearson von der OECD.

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