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Bourbon-Erreger entdeckt: zu spät für den Patienten

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Was hat die Zecke übertragen?  

Ärzte entdecken unbekannten Erreger - zu spät für den Patienten

22.02.2015, 17:49 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Bourbon-Erreger entdeckt: zu spät für den Patienten. Häufig führen Zeckenbisse zu bakteriellen Infektionen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Häufig führen Zeckenbisse zu bakteriellen Infektionen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach einem Zeckenstich leidet ein älterer Mann unter Fieber und Schmerzen, ein Antibiotikum schlägt nicht an. Sein Zustand verschlechtert sich rapide. Erst die US-Seuchenschutzbehörde kommt der Ursache auf die Spur.

Der Mann aus Kansas arbeitet häufiger im Garten, er ist über 50. Im Frühjahr 2014 fängt er sich dabei mehrere Zecken ein. Einen der Parasiten entdeckt er erst, als sich das Tierchen an seiner Schulter schon mit Blut vollgesaugt hat.

Antibiotikum bringt keine Linderung

Wenige Tage später fühlt er sich schwach, ihm ist übel, er hat Durchfall. Tags darauf kommen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost hinzu. Der Arzt verschreibt ihm das Antibiotikum Doxycyclin - basierend auf der Vermutung, dass sich der Mann durch den Zeckenbiss eine bakterielle Infektion zugezogen hat.

Doch das Mittel bringt keine Besserung. Am folgenden Tag, dem vierten seit Beginn der Symptome, ist der Mann kaum ansprechbar, er wird in eine Klinik eingeliefert. Inzwischen hat der Patient einen Ausschlag im Rumpfbereich. Die Ärzte stellen fest, dass die Zahl seiner weißen Blutkörperchen und Blutplättchen verringert ist, auch seine Natrium- und Kaliumspiegel sind zu niedrig, einige Enzymwerte sind erhöht.

Ausschlag auf dem ganzen Körper

Die Mediziner setzen die Antibiotikumgabe fort, doch der Zustand des Patienten verbessert sich nicht. Seine Temperatur ist erhöht, er fühlt sich schlecht und hat keinen Appetit. Tests auf mehrere von Zecken übertragene Krankheiten sind negativ. Weder hat der Mann Rocky-Mountains-Fleckfieber, noch leidet er unter Lyme-Borreliose oder Erlichiose. Q-Fieber, Brucellose, Tularämie sowie Tests auf verschiedene Pilze liefern ebenfalls kein positives Ergebnis.

Am achten Krankheitstag wird der Patient in ein Spezialzentrum verlegt. Inzwischen hat er Fieber mit einer Temperatur bis zu 39,4 Grad. Der Ausschlag findet sich auf Brust, Bauch und Rücken. In seinem Gaumen, an Armen und Beinen sehen die Ärzte sogenannte Petechien, rote Pünktchen, die auf Blutungen in den kleinsten Gefäßen zurückgehen. In beiden Lungenflügeln ist beim Atmen ein Rasseln zu hören. Die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung wichtig sind, ist weiter gesunken.

Tags darauf nehmen die Atembeschwerden derart zu, dass der Patient beatmet werden muss. In der Lunge und im gesamten Brustraum hat sich Flüssigkeit angesammelt.

Patient stirbt nach mehreren Reanimationen

Der Mann kommt auf die Intensivstation, wo er weiter beatmet wird und zusätzlich Medikamente erhält, die gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern wirken. Doch nun versagen seine Nieren und sein Herz.

Nach mehreren Reanimationen fällt die Entscheidung, die Behandlung zu beenden. Der Mann stirbt kurz darauf, elf Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Bourbon-Erreger entdeckt

Blutproben des Patienten gehen an die US-Seuchenschutzbehörde CDC, wo Forscher unter anderem nach dem seltenen, von Zecken übertragenen Heartland-Virus suchen. Sie entdecken jedoch etwas anderes: Virus-Erbgut, das zu keinem bekannten Erreger passt. Im Labor züchten sie die Viren an und gleichen das Erbgut mit dem anderer Viren ab.

Der bis dahin unbekannte Erreger gehört zur Gruppe der Thogotoviren, berichten die Forscher der CDC um Olga Kosoy gemeinsam mit Kollegen von der Universität und Gesundheitsbehörde von Kansas. Mehr als sechs Untergruppen dieser Viren sind bekannt, zwei davon können nach heutigem Wissensstand Erkrankungen beim Menschen auslösen, schreiben die Forscher im "EID Journal" . Beschrieben sind wenige Fälle aus Europa, Afrika und Asien. Die Wissenschaftler schlagen vor, den neu beschriebenen Erreger nach dem County zu benennen, in dem er erstmals aufgetreten ist: Bourbon.

Ob tatsächlich das Virus zum Tod des Patienten geführt hat, lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Die hohe Viruslast in Blutproben, die zwei Tage vor seinem Tod entnommen wurden, deutet nach Ansicht der CDC-Forscher darauf hin. Ebenso ist noch unklar, ob das Virus durch die Zecken übertragen wurde. Die CDC weist aber darauf hin, dass es generell sinnvoll ist, sich durch entsprechende Kleidung, Verhaltensmaßnahmen und Anti-Zecken-Mittel vor den Parasiten zu schützen.

Weitere Untersuchungen sollen jetzt zeigen, wie weit der Erreger in den USA verbreitet ist.

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