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Pille danach bald rezeptfrei in der Apotheke

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Ärzte und Bischöfe üben Kritik  

"Pille danach" bald rezeptfrei in der Apotheke

06.03.2015, 16:23 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

Pille danach bald rezeptfrei in der Apotheke. Die "Pille danach" ist als Notfallverhütung gedacht. Erhältlich ist sie zukünftig auch ohne Rezept in Apotheken. (Quelle: dpa)

Die "Pille danach" ist als Notfallverhütung gedacht. Erhältlich ist sie zukünftig auch ohne Rezept in Apotheken. (Quelle: dpa)

In Deutschland wird es die "Pille danach" bald rezeptfrei in der Apotheke geben. Der Bundesrat billigte am Freitag eine Verordnung, mit dem die beiden derzeit auf dem Markt befindlichen Präparate aus der Liste der verschreibungspflichtigen Arzneimittel zu streichen. Mit der Verordnung wird ein entsprechender Beschluss der EU-Kommission umgesetzt. Nicht nur Bischöfe, auch Ärzte sind besorgt über den Beschluss.

In Deutschland sind ab dem 15. März zwei verschiedene Präparate als "Pille danach" rezeptfrei erhältlich: die Präparate "ellaOne" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA) und "PiDaNa" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG).

Abgabe der "Pille danach" nur in Apotheken

Beide Mittel unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum Geschlechtsverkehr gekommen ist. Je mehr Zeit nach dem ungeschützten Sex bis zur Einnahme des Präparats vergeht, desto weniger wirksam ist die "Pille danach". Deshalb sollen die beiden Medikamente nicht über den Versandhandel, sondern nur in Apotheken abgegeben werden. Damit soll gewährleistet werden, dass die Pille möglichst schnell eingenommen wird, denn der Versand nimmt mehr Zeit in Anspruch.

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Mit dem Versandverbot soll auch gewährleistet werden, dass sich die Frauen in der Apotheke vor Ort beraten lassen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte es wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen lange Zeit abgelehnt, die "Pille danach" zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften von der Rezeptpflicht zu befreien. Er begründete dies bisher unter anderem mit möglichen schweren Nebenwirkungen, aber auch mit dem Festhalten an der ärztlichen Beratung.

Auch Ärzten bereitet die fehlende medizinische Kontrolle bei der Abgabe allerdings nach wie vor Kopfzerbrechen.

"Die Substanz hat es in sich"

Das Unwissen sei groß, sagt Werner Harlfinger. Der Experte ist Kongresspräsident der Frauenheilkundetagung Foko 2015 in Düsseldorf. "Wir Frauenärzte sind in großer Sorge, dass die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und der Abbrüche steigt.". UPA hält der Mediziner sogar für gefährlich. "Die Substanz hat es in sich." Die "Pille danach" gelte als Verhütungsmittel, UPA könne allerdings in großer Menge abtreibende Wirkung haben, erklärt er.

Werde nur eine UPA-Tablette mit der 30-Milligramm-Dosis eingenommen, sei die Einnahme sicher. Aber: "Wenn UPA höher dosiert wird und bereits eine Schwangerschaft vorliegt, kann es zu einem Abort kommen, also zu einer Abtreibung und zu lebensbedrohlichen Blutungen für die Frau."

Für schwere Frauen ungeeignet

Was kaum bekannt ist: Für schwere Frauen sind die beiden Präparate nicht geeignet. Ab 75 Kilogramm lasse die Wirkung von LNG nach, bei über 90 Kilogramm sei auch UPA zur nachträglichen Verhütung nicht mehr geeignet, warnt Harlfinger. "Es dürfte wohl schwierig werden für den Apotheker, nachts durchs Fensterchen einzuschätzen, wie viele Kilos die Frau vor ihm wiegt." Auch wer zu Thrombose neige, dürfe kein LNG verwenden, betont der Berufsverband der Frauenärzte.

Je früher die Einnahme, desto verlässlicher

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa) Je schneller die Pille genommen wird, desto eher kann sie eine Schwangerschaft verhindern. Der Wirkungsgrad der beiden Präparate ist unterschiedlich: UPA für 35 Euro kann bei einer Einnahme zwei Tage nach dem Sex noch etwa jede zweite Schwangerschaft verhindern, das günstigere LNG nur noch jede dritte, wie Frauenärzte erklären. Auch danach muss bis zur nächsten Monatsblutung weiter verhütet werden - und zwar nichthormonell, also mit Kondom.

Am häufigsten von unter 20-Jährigen genutzt

Die Sorge vor Sorglosigkeit geht um. Am häufigsten nehmen 16- bis 20-Jährige die "Pille danach" ein. "Den jungen Frauen wird es jetzt supereinfach gemacht, ich sehe das sehr kritisch", sagt Hebamme Gaby Robes. "Die Frauen haben eine größere Freiheit. Aber es könnte sein, dass damit leichtsinnig umgegangen wird, auch mit Blick auf Sexualität, auf wechselnde Partnerschaften." Und: "Es ist nicht gut, dass der Austausch mit dem Gynäkologen verloren geht, dass die Frau nicht vorher erfährt: Was macht das mit meinem Körper?"

Beschluss soll Entscheidungsfreiheit der Frauen stärken

Die Rezeptfreiheit ist von Brüssel vorgegeben, für die gesamte Europäische Union (EU). In der Politik sehen das viele positiv. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) meint: "Es wird höchste Zeit, dass Frauen in Deutschland genauso selbstbestimmt über den Bezug der 'Pille danach' entscheiden können wie in anderen Ländern der EU."

Auch Studentin Marie hält den Schritt für richtig. "Es hilft, wenn man in einer Notlage ist und Angst hat vor einer Schwangerschaft." Manche junge Frau habe vielleicht Hemmungen, nach einem One-Night-Stand für ein Rezept zum Arzt zu gehen. "Ich weiß nicht, ob ich die 'Pille danach' nehmen würde, aber ich finde es gut, dass Frauen diese Wahlfreiheit bekommen", meint die 20-Jährige.

Risiko der unnötigen Einnahme

Birgit Seelbach-Göbel, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, sagt: "Es wird eine Unmenge von Frauen geben, die die 'Pille danach' einnehmen werden. Leider auch viele, die sie gar nicht brauchen, weil sie vom Zyklus her nicht schwanger werden können." Und: "Es sieht nach Freiheit aus. Aber tatsächlich ist es vor allem ein großer Markt. Und die Pharmaindustrie profitiert."

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