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Masern: Impfung schützt Kinder auch vor weiteren Krankheiten

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Stärkeres Immunsystem  

Masern-Impfung schützt auch vor anderen Krankheiten

08.05.2015, 13:30 Uhr | dpa

Masern: Impfung schützt Kinder auch vor weiteren Krankheiten. Vor Masern kann man sich nur durch eine Impfung schützen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vor Masern kann man sich nur durch eine Impfung schützen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Noch immer stellen Masernepidemien die Weltbevölkerung vor ein großes Problem. Denn eine Virusinfektion kann zu schwerwiegenden, folgenreichen Komplikationen und sogar zum Tode führen. Doch es gibt nach wie vor große Impflücken in der Bevölkerung. Daher kommt es auch in Deutschland immer wieder regional zu heftigen Ausbrüchen. Jetzt haben Wissenschaftler noch ein weiteres Argument gefunden, warum die Masern-Impfung wichtig ist: Sie schützt nicht nur vor einer Ansteckung, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch vor anderen Erkrankungen.

Hinweise hierfür liefere ein Vergleich von Daten zur Kindersterblichkeit vor und nach Einführung der Impfung, berichten Forscher um Michael Mina von der US-Universität Princeton im Fachmagazin "Science". Dafür analysierten sie Gesundheitsdaten aus England, Wales, Dänemark und den USA vor und nach der Einführung der Masern-Impfung.

Masernviren lösen "Immun-Amnesie" aus

Die Einführung der Masern-Impfung vor rund 50 Jahren hatte zu einer Abnahme der Kindersterblichkeit geführt. Der Effekt war sogar größer als zuvor erwartet. Mit der Verhinderung von Masern-Infektionen allein ließ sich dies aber nicht erklären.

UMFRAGE MASERN-IMPFUNG
Das Ziel, Masern in Deutschland auszurotten ist gescheitert: Sollte eine allgemeine Impfpflicht eingeführt werden?

Studien hätten schließlich gezeigt, dass das Masern-Virus das Immunsystem langfristig schwächt, was die Betroffenen so anfälliger für andere Infektionen macht, erklären die Forscher. Eine mögliche Ursache ist demnach, dass wichtige Immunzellen - die Lymphozyten - nach der Masern-Infektion zwar auf die Bekämpfung des Masern-Virus eingestellt sind, andere Keime aber nur schwer abwehren können. Wie die Abwehr gelingt, hat das Immunsystem durch die Masern gewissermaßen vergessen, was die Forscher als Immun-Amnesie bezeichnen.

Michael Mina und seine Kollegen prüften nun, ob und wie lange sich dieser Effekt in der Bevölkerung nachweisen lässt.

Impfung schützt auch vor anderen Keimen

Die Auswertung ergab, dass die Sterblichkeit durch andere Infektionen eng an das Vorkommen von Masern gekoppelt war - und zwar über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren nach einer Masern-Erkrankung. Die Masern-Impfung führe also nicht nur zu einer Herdenimmunität gegenüber diesem Virus, sondern auch gegenüber anderen Keimen, schlussfolgern die Forscher.

Von Herdenimmunität spricht man, wenn sich eine Krankheit in der Bevölkerung nicht ausbreiten kann, weil sehr viele Menschen gegen den Erreger immun sind, etwa aufgrund einer breit eingeführten Impfung.

Masern können zu Gehirnhautentzündungen führen

Masern-Viren sind weltweit verbreitet und extrem ansteckend. Menschen infizieren sich, wenn sie infektiöse Tröpfchen einatmen - etwa, weil ein Erkrankter in der Nähe hustet oder niest. Ungefähr zehn Tage später beginnt die Krankheit mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen oder auch einer Bindehautentzündung. Dann erscheinen die typischen rot-braunen Hautflecken.

In der Regel klingen die Symptome nach einer bis anderthalb Wochen ab. Es kann aber auch zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Durchfall oder der besonders gefürchteten Gehirnentzündung kommen.

Schutz gibt es nur, wenn alle geimpft sind

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich zum Ziel gesetzt, die Masern bis spätestens zum Jahr 2020 weltweit zu eliminieren. Dafür ist in der Bevölkerung eine Immunität von mindestens 95 Prozent der Menschen in allen Altersgruppen nötig. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt es dabei in Deutschland seit Jahren kaum Fortschritte. Immer wieder komme es regional zu größeren Ausbrüchen.

Tod eines Jungen durch Masern

In Berlin wurden seit Oktober 2014 etwa 1200 Masern-Fälle erfasst. Die Zahl der Neuerkrankungen sei inzwischen relativ niedrig, von einem Ende des Ausbruchs könne man aber noch nicht sprechen, hieß es Anfang der Woche vom Landesamt für Gesundheit und Soziales. Von den Erkrankten musste etwa jeder vierte im Krankenhaus behandelt werden. Ein Junge starb an den Folgen der Masern-Erkrankung.

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