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Viagra für Frauen: Ann-Marlene Henning kritisiert Flibanserin

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"Pink Viagra" ist großer Eingriff in den Körper

19.08.2015, 16:25 Uhr | dpa

Viagra für Frauen: Ann-Marlene Henning kritisiert Flibanserin. "Pink Viagra" ist ein großer Eingriff in den Körper. Die Sexologin Ann-Marlene Henning kritisiert die neue Lustpille für die Frau. (Quelle: dpa)

Die Sexologin Ann-Marlene Henning kritisiert die neue Lustpille für die Frau. (Quelle: dpa)

Die erste Lustpille für Frauen ist in den USA auf dem Markt. Sie soll Frauen zu einem erfülltem Sexleben verhelfen. Doch Deutschlands bekannteste Sex-Expertin Ann-Marlene Henning kritisiert das Präparat heftig.

Die Sex-Expertin und Autorin Ann-Marlene Henning sieht in "Pink Viagra" keinen Grund zur Freude für Frauen. "Wer möchte denn freiwillig ein Psychopharmakon einnehmen, um mehr Lust zu haben? Das ist so ein Eingriff in den Körper", sagte Henning der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie gibt in der TV-Doku "Make Love" (ZDF) und in ihrer Praxis Paaren Tipps für ein besseres Liebesleben.

Pille soll die Lust steigern

Die US-Arzneibehörde Food and Drug Administration (FDA) in Washington hatte am Dienstag (Ortszeit) das Mittel Flibanserin genehmigt, das unter dem Namen Addyi auf den Markt kommen soll. Die rosa Pille soll die sexuelle Lust von Frauen verstärken.In Deutschland ist das Mittel nicht zugelassen. Es liegen derzeit auch keine Anträge auf Zulassung bei deutschen oder europäischen Behörden vor.

"Ich kann gar nicht sagen, wie bescheuert ich dieses Produkt finde."

Henning warnte vor dem hohen Druck, der ohnehin schon auf Paaren laste: "Die Frau muss kommen. Jetzt muss sie auch noch mehr Lust haben als vorher. Und sie muss noch mehr kommen, da sie Medikamente nimmt." Das gelte auch für Männer: "Wer es jetzt nicht bringt, muss ja ein ganz großer Depp sein", könnten viele denken. "Ich kann gar nicht sagen, wie bescheuert ich dieses Produkt finde."

Auch anhand von Gesprächen mit Klienten könne sie sich nicht vorstellen, dass das Mittel angenommen werde, sagte Henning - zumal es täglich eingenommen werden muss. Männer brauchen Viagra nur dann zu nehmen, wenn auch Sex geplant ist. "Es war klar, dass so ein Mittel irgendwann kommt, weil die Pharmaindustrie eine große Lobby hat und man denkt, viel Geld damit verdienen zu können", so Henning weiter. Es sei "grässlich", dass betroffene Frauen nun mit einem Krankheitsbild versehen würden.

"Frauen spüren Lust nicht im Gehirn"

Das Problem sieht die Fachfrau woanders: Frauen hätten ganz andere körperliche Voraussetzungen und auch einen schamhaften Umgang mit dem eigenen Geschlecht. "Frauen spüren Lust nicht im Gehirn, sondern im Geschlecht. Wenn man da nichts spürt, hat man eben keine Lust und keinen Spaß." Langfristig könne ein Medikament nicht helfen: Womöglich gebe es aber in der ersten Zeit den Eindruck einer Verbesserung, weil man aufmerksamer sei.

Den eigenen Körper besser kennenzulernen und Scham abzubauen, sieht Henning als geeigneteres Mittel für Frauen: "Wenn man es sich erlaubt, kann man viel mehr Lust haben, als die meisten denken."

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