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"75 ist das neue 65": Deutsche profitieren von gesunder Kindheit

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Sterbealter gestiegen  

Daran sterben die Deutschen

17.12.2015, 09:46 Uhr | dpa

"75 ist das neue 65": Deutsche profitieren von gesunder Kindheit. Erkrankungen der Atmungsorgane gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. (Quelle: imago/PanoramiC)

Erkrankungen der Atmungsorgane gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. (Quelle: PanoramiC/imago)

Zuerst die positive Nachricht: Die Menschen in Deutschland werden immer älter. "Und nichts deutet darauf hin, dass sich die Entwicklung verlangsamt", sagt der Demograf James Vaupel. Das durchschnittliche Sterbealter lag 2014 bei 78 Jahren – ein Plus von zwei Jahren im Vergleich zu 2004. Die Statistik zeigt auch, woran die Deutschen sterben.

Das Statistische Bundesamt notiert für das vergangene Jahr 868.356 Todesfälle. Die meisten (38,9 Prozent) starben an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Das war auch in den Jahren davor die häufigste Todesursache. 

Insgesamt starben mehr Frauen (189.518) als Männer (148.538) an Krankheiten aus dieser Kategorie. Betrachtet man allerdings nur die tödlichen Herzinfarkte, sind Männer (57 Prozent) häufiger betroffen als Frauen (43 Prozent).

Jeder Vierte stirbt an Krebs

Die zweithäufigste Todesursache in Deutschland bleibt Krebs. Daran starb 2014 jeder Vierte. Bei Männern waren es vor allem Tumore der Verdauungs- und Atmungsorgane. Frauen erlagen ebenfalls am häufigsten einem Krebsbefall der Verdauungsorgane, zum Beispiel Darmkrebs. Dagegen war Brustkrebs bei ihnen die häufigste Krebsdiagnose.

Vier Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache zurückzuführen, etwa eine Verletzung oder Vergiftung. Knapp 12.000 Mal endete ein Sturz tödlich. 10.000 Menschen schieden durch Suizid aus dem Leben. In dieser traurigen Statistik dominieren Männer mit einem Anteil von knapp 75 Prozent.

75 ist das neue 65

"Wir erreichen hohes Alter in besserer Gesundheit", sagt Professor James Vaupel, den Leiter des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. "Anders ausgedrückt: Das Alter setzt verzögert ein. 75 ist das neue 65."

Das Fundament für ein langes Leben werde in der Kindheit gelegt. In den letzten Jahrzehnten profitierten Deutsche in jungen Jahren von besserer Ernährung, mehr Vorbeugung und besserer Behandlung im Krankheitsfall.

Im Laufe des Lebens kämen weitere "Besser"-Faktoren dazu, zum Beispiel bessere Bildung. "Gebildetere Menschen passen besser auf sich auf." Vaupels "Besser"-Liste ist lang: "Die Luft ist besser als früher, das Wasser ist sauberer, Straßen sind sicherer, das Einkommen ist höher, das Gesundheitssystem ist leistungsfähiger. Aus all diesen Gründen sind die Menschen heute gesünder als früher."

Vieles haben wir selbst in der Hand, sagt Vaupel. Zum Beispiel Rauchen: "Wer raucht, stirbt rund zehn Jahre früher." Umgekehrt haben gute Ernährung und viel Bewegung einen positiven Einfluss. Theoretisch kann das immer so weiter gehen, behauptet der Demograf.

Gene setzen Grenzen – aber wir können gesund altern

Professor Karl Lenhard Rudolph, Direktor des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena, ist anderer Ansicht: "Die Gene kann man nicht austricksen. Ob wir 70 Jahre alt werden oder 100 liegt zum großen Teil an unserem genetischen Make-up", ist er überzeugt. "Innerhalb der von ihnen vorgegebenen Grenzen können wir aber über die Art und Weise, wie wir leben, erheblich Einfluss nehmen, gesund zu altern. Wenn ich von meinen Genen her 70 Jahre alt werde, kann ich noch so gesund leben, ich werde keine 100."

Erst ein Schock reißt Menschen aus der Trägheit

Die Einsicht allein nützt nicht viel, weiß Gesundheits-Psychologin Julia Scharnhorst: Die wenigsten Menschen nähmen sich vor: Ich möchte fünf Jahre länger leben und deswegen fange ich mit Mitte 20 schon mal an zu joggen und mich gesund zu ernähren. Die meisten fingen erst an, ihre Lebensweise zu ändern, wenn Gleichaltrige sterben oder wenn sie selbst krank werden. "Man ist eher geneigt, etwas für seine Gesundheit zu tun, wenn die Einschläge näher kommen", sagt Scharnhorst. "Für langfristiges Denken sind wir psychologisch nicht gestrickt."

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

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