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Medizingeschichte: Alois Alzheimer starb vor 100 Jahren

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100. Todestag von Alois Alzheimer  

Mit seinem Mikroskop entdeckte er die Demenz

19.12.2015, 09:17 Uhr | Sabine Dobel, dpa, t-online.de

Medizingeschichte: Alois Alzheimer starb vor 100 Jahren. Der Psychiater Alois Alzheimer lebte von 1864 bis 1915. Nach ihm wurde die gefürchtete Demenz-Krankheit benannt.  (Quelle: dpa)

Der Psychiater und Hirnforscher Alois Alzheimer lebte von 1864 bis 1915. Als er das Gehirn einer dementen Patientin untersuchte, entdeckte er in diesem auffällige Veränderungen. (Quelle: dpa)

In Deutschland leiden und 1,5 Millionen Menschen an Demenz, zwei Drittel davon an der häufigsten Form Alzheimer. Am 19. Dezember jährt sich der 100. Todestag des Namensgebers der gefürchteten Krankheit. Alois Alzheimer war damals der Erste, der Hirnveränderungen und Gedächtnisschwund in Zusammenhang brachte. 

"Wie heißen Sie?" - "Auguste." - "Familienname?" - "Auguste." - "Wie heißt ihr Mann?" - "Ich glaube Auguste." Der Dialog schreibt Medizingeschichte.  

Als Auguste Deter 1901 von ihrem Mann verwirrt und orientierungslos in die Anstalt gebracht wird, ist sie erst 51 Jahre alt. Ihr Gedächtnisverlust gibt den Ärzten Rätsel auf - und fasziniert den des Alois Alzheimer.

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Alzheimer entdeckt ungewöhnliche Ablagerungen im Gehirn

Er dokumentiert Gespräche und Beobachtungen, untersucht nach ihrem Tod Teile ihres Hirns unter dem Mikroskop - und entdeckt einen massiven Zellschwund und ungewöhnliche Ablagerungen. Alzheimer ist überzeugt, dass diese Veränderungen mit dem Gedächtnisschwund der Patientin zu tun haben.

Zu seinem 100. Todestag erinnern Mediziner an seine Entdeckung. Heilen können sie Alzheimer bis heute nicht - obwohl weltweit daran geforscht und "irrsinnige Geldsummen" ausgegeben werden, wie Christian Haass vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen sagt.

Der Fall Auguste: "Ich habe mich sozusagen verloren"

Alois Alzheimer stammt aus dem unterfränkischen Marktbreit. Der Sohn des Notars Eduard Alzheimer und seiner Frau Theresia studiert Medizin in Berlin, Tübingen und Würzburg. Als Assistenzarzt der Frankfurter Städtischen Heilanstalt für Irre und Epileptische trifft er Auguste. "Ich habe mich sozusagen verloren" klagt die Patientin dem Arzt ihr Leid. 

Auch als er in München das Hirnanatomische Laboratorium an der Psychiatrischen Klinik leitet, verfolgt er den Krankheitsverlauf bei Auguste. Nach ihrem Tod am 8. April 1906 lässt er sich ihr Gehirn schicken.

Vergesslichkeit älterer Leute damals kaum hinterfragt 

Als Alzheimer ein halbes Jahr später bei der 37. Versammlung Südwestdeutscher Irrenärzte erstmals über das Krankheitsbild und einen "eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" berichtet, werten seine Kollegen das als Kuriosität.

Gedächtnisverlust bei Jüngeren war selten. Und warum Großmutter und Großvater so vergesslich waren, hinterfragte damals niemand.

Demenz ist eine "tickende Zeitbombe" 

Demenz ist eine Volkskrankheit, das Risiko steigt deutlich mit dem Alter: Bei den 85- bis 89-Jährigen ist bereits jeder Vierte betroffen. Demenz sei eine "tickende Zeitbombe", sagt Haass. "Wir müssen alle nur alt genug werden und bekommen die Krankheit."

Steigt die Lebenserwartung, steigt die Zahl der Alzheimerpatienten 

Bis 2050 rechnet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft in Berlin angesichts der steigenden Lebenserwartung mit drei Millionen Demenzpatienten. Aufgrund besserer Lebensumstände erkranken die Menschen zwar später.

"Neue Studien haben ergeben, dass der Zeitpunkt der Erkrankung weiter nach hinten rutscht, trotzdem nehmen die Zahlen wegen der steigenden Lebenserwartung zu", sagt Geschäftsführerin Sabine Jansen.

Ein vernünftiger Lebensstil senkt das Risiko 

Lebensstil und Ernährung spielen für den Ausbruch der Krankheit eine Rolle. Sport, geistige Beweglichkeit und Neugier können sie hinauszögern. Studien wiesen auch genetisch bedingte Wahrscheinlichkeit nach. Nicht immer ist eine entsprechender Gentest bei Patienten hilfreich. Mancher verfällt danach in Depression - und erkrankt damit noch schneller.

Das Vergessen beginnt mit der Ablagerung von Eiweißfragmenten, Amyloid-Peptiden. Die Zellen schaffen es nicht, diese Plaques loszuwerden. Sie stören die Reizübertragung zwischen den Hirnzellen, diese werden funktionsuntüchtig und sterben ab.

Das Gehirn erkrankt Jahrzehnte vor dem Ausbruch

Betroffene ringen um Worte, können Telefon und Bankautomat nicht mehr bedienen, erkennen Familie und Freunde nicht mehr. Angehörige finden oft Sammlungen von Zetteln, Notizen auf Schnipseln - sie zeugen von Verzweiflung.

"Das Gehirn ist möglicherweise schon krank, Jahrzehnte bevor die Leute klinisch manifest werden", sagt der Direktor der Klinik für Psychiatrie des Uniklinikums München, Peter Falkai. 

Bislang keine Heilung, nur Verzögerung des Verlaufs 

Bisher können Medikamente den Verlauf nur verlangsamen. Ärzte setzen vorsichtige Hoffnung in eine Art Impfung. Bei der Immunisierung gegen das Peptid Amyloid aktivieren Antikörper Fresszellen, die Plaques entfernen.

Bei Mäusen konnten Plaques so aufgelöst werden, sagt Haass. Bei Menschen konnte die Immunisierung selbst in einem frühen Stadium den Gedächtnisverlust nur stoppen. Dennoch: "Ich glaube, dass man hier auf dem richtigen Weg ist."

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